CDU-Vorsitz Laschet wird neuer CDU-Chef

Armin Laschet ist neuer Bundesvorsitzender der CDU. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident setzte sich in einer Stichwahl gegen Friedrich Merz durch. Norbert Röttgen schied nach dem ersten Wahlgang aus.

Armin Laschet
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Die CDU hat Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidenten Armin Laschet zum neuen Parteichef gewählt. Beim digitalen Bundesparteitag erhielt der 59-Jährige 521 Stimmen der 1.001 Delegierten. Friedrich Merz bekam 466. Die Entscheidung fiel in einer Stichwahl. Nach dem ersten Wahlgang hatten Laschet und Merz fast gleich viele Stimmen. Merz verbuchte 385 Stimmen, Laschet 380. Norbert Röttgen bekam 224 Stimmen und schied aus.

Die Wahl fand wegen der Corona-Pandemie erstmals digital statt. Die Delegierten verfolgen den Parteitag am Bildschirm. Aus rechtlichen Gründen soll das Votum noch durch eine Briefwahl bestätigt werden. Bei dieser Briefwahl wollen die unterlegenen Kandidaten nicht antreten.

Vorsitz nach langer Hängepartie

Laschet folgt damit auf Annegret Kramp-Karrenbauer, die bereits im Februar 2020 nach der politischen Krise in Thüringen ihren Rücktritt erklärt hatte. Parteitage im April und im Dezember mussten aber wegen der Pandemie verschoben werden.

Nach der Wahl sagte Laschet, er sei sich der Verantwortung bewusst und werde alles dafür tun, damit die CDU erfolgreich durch das Jahr gehe und den nächsten Kanzler stelle. Er dankte der scheidenden Parteichefin Kamp-Karrenbauer sowie Röttgen und Merz für einen fairen Wahlkampf. Röttgen sagte dem zukünftigen Vorsitzenden seine volle Unterstützung zu, Merz ließ zunächst offen, ob und wie er sich in Zukunft in der Partei engagieren wolle. Später twitterte er, dass es jetzt darauf ankomme, "dass wir alle gemeinsam im Team arbeiten".

Glückwünsche vom SPD-Kanzlerkandidaten

Zu den ersten Gratulanten von Laschet gehörte Bundesfinanzminister, Vizekanzler und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz. Er wünschte Laschet via Twitter für die "große Aufgabe" ein glückliches Händchen. "Dieses Jahr hat es in sich und wird eine Herausforderung für uns alle. Glück auf sagt man bei uns dazu – alles Gute!".

Weitere Reaktionen folgten. Kanzlerin Angela Merkel wurde vom offiziellen CDU-Kanal bei Twitter zitiert mit den Worten: "Herzlichen Glückwunsch, lieber Armin Laschet, zu Deiner Wahl zum CDU-Vorsitzenden. Ich freue mich auf unsere Zusammenarbeit."

CSU-Chef Markus Söder, mit dem sich Laschet über die Kanzlerkandidatur der Union einigen muss, schrieb ebenfalls bei Twitter: "Gemeinsam werden wir die Erfolgsgeschichte der Union fortschreiben."

Wahl der Vizevorsitzenden und des Präsidiums

Zu stellvertretenden Vorsitzenden wurden Volker Bouffier (806 Ja-Stimmen ), Julia Klöckner (787), Silvia Breher (777), Thomas Strobl (670) und Jens Spahn (589) gewählt. Der Gesundheitsminister rückt neu in den Kreis auf. Er hatte vor der Vorsitzendenwahl eine Fragerunde mit den drei Bewerbern für ein Plädoyer für Laschet genutzt. Dies wurde ihm in der Partei teilweise als unsportliches Verhalten angekreidet. Laschet und Spahn hatten erklärt, als Team anzutreten.

Neu im CDU-Präsidium ist Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff. Dem Präsidium gehören neben der Parteiführung und prominenten Amtsträgern wie Bundeskanzlerin Merkel weitere Parteimitglieder an. Thüringens ehemaliger CDU-Parteichef Mike Mohring ist aus dem Präsidium ausgeschieden, Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer bleibt im in dem Gremium.

Laschet: Im Team spielen

Vor der Wahl hatten die Kandidaten um den Parteivorsitz nochmals in Reden für sich geworben. Armin Laschet legte vor und sagte: "Wir werden nur gewinnen, wenn wir in der Mitte der Gesellschaft stark bleiben." Dafür trete er zusammen mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn an.

Armin Laschet
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Die CDU, das Deutschland, das ich vor Augen habe, braucht keinen CEO, keinen Vorstandsvorsitzenden, sondern einen Mannschaftskapitän.

Armin Laschet

Merz wollte führen

Friedrich Merz stellte sich in seiner Bewerbungsrede für den CDU-Vorsitz klar gegen Rechtspopulismus: "Es wird mit mir keine Zusammenarbeit mit der AfD geben", sagt Merz. Dies gelte für Landtage, den Bundestag und auch das Europäische Parlament. Und die Wähler sollten wissen: Jede Stimme für die AfD sei eine halbe Stimme für Rot-Rot-Grün. Er schwor die CDU in seiner Bewerbungsrede für den Partei-Vorsitz auf einen Sieg bei der Bundestagswahl ein: "Wir sind als deutsche Christdemokraten fest entschlossen, diese nächste Bundesregierung auch wieder zu führen."

Friedrich Merz
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Damit Sie sich keine Illusionen machen: Ich werde es mir nicht leicht machen, Ihnen aber auch nicht.

Friedrich Merz

Röttgen beschwört Einheit der Partei

Norbert Röttgen beschwor in seiner Bewerbungsrede die Einheit der Partei. Er sei "kein Lager", sagte Röttgen. "Zusammenhalt ist auch für uns das A und O". Der Außenpolitiker betonte: "Ich möchte integrieren." Ab jetzt gebe es nur noch den Wettbewerb mit den anderen Parteien.

Norbert Röttgen
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Es geht eigentlich nur um eins: Zukunftskompetenz.

Norbert Röttgen

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Januar 2021 | 11:00 Uhr

294 Kommentare

AnitaR vor 6 Wochen

Sowohl für die CDU als auch für zukünftige Regierungen wäre es gut gewesen, wenn die Delegierten mehr die Zukunft im Blick gehabt hätten. Merkel war keine Gestalterin, sondern entschied meistens erst verzögert, wenn die öffentliche Diskussion schon eine Richtung vorgab. Diesen Stil pflegt auch Armin Laschet, jedoch mit niedrigem Profil. Die Wahl wäre anders gelaufen, wenn die Basis gewählt hätte. Die Wahl durch Delegierte hat meines Erachtens ausgedient. Delegierte zeigen nie Mut, sondern treiben Bestandsbewahrung.

Micky Maus vor 6 Wochen

"Die AfD ist...im Südosten...so stark geworden,weil sich viele Leute eigentlich die Sicherheit der DDR zurück wünschen, völlig vergessend, daß man im Westen ganz zufrieden ist."

Klaro, weil die so gerne regiert wurden von SPD und den Kommunisten in der DDR!

In welcher Blase leben sie eigentlich?

adler123 vor 6 Wochen


@thomasxx:"Soli abgeschafft, Mehrwertsteuer zeitweise gesenkt,..."
Erungenschaften der CDU seit 1982: Mehrwertsteuer von 13% auf 19% erhöht, Soli eingeführt....und nun noch die CO2 Steuer auf Energieträger(Atmen wird "noch nicht" besteuert)