Polizisten führen einen verdächtigen Mann nach einer Razzia gegen kriminelle Mitglieder arabischer Groߟfamilien in der Pohlstraߟe ab.
In Berlin sind Clan-Strukturen stärker ausgeprägt, als zum Beispiel in Leipzig oder Dresden. Bildrechte: dpa

Clan-Kriminalität Wenig kriminelle Großfamilien in Mitteldeutschland

In Mitteldeutschland ist die sogenannte Clan-Kriminalität bisher kein großes Thema. Das ergab eine Anfrage von MDR AKTUELL bei den Innenministerien von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Nur in Dresden und Leipzig gebe es Ansätze von Clan-Kriminalität. In der Messestadt würden sich Großfamilien in mehreren Stadtvierteln organisieren. Bundesweit hatten die Probleme mit der Clan-Kriminalität in den vergangenen Jahren zugenommen.

von Lydia Jakobi, MDR AKTUELL

Polizisten führen einen verdächtigen Mann nach einer Razzia gegen kriminelle Mitglieder arabischer Groߟfamilien in der Pohlstraߟe ab.
In Berlin sind Clan-Strukturen stärker ausgeprägt, als zum Beispiel in Leipzig oder Dresden. Bildrechte: dpa

Zunächst einmal: Szenen wie aus der Gangster-Serie "4 Blocks", in der arabische Clans ganz Berlin in Schach halten, sind in Mitteldeutschland derzeit kaum denkbar. Weder in Thüringen noch in Sachsen oder Sachsen-Anhalt kennen die Behörden kriminelle Großfamilien wie den berüchtigten Berliner Abou-Chaker Clan. Allerdings: Der Begriff der "Clan-Kriminalität" ist auch nicht klar definiert. Deshalb liegen keine Statistiken zu diesem Phänomen vor.

Seit 90er Jahren Ansätze von Clan-Strukturen in Leipzig

Vom sächsischen Innenministerium heißt es, Clan-Kriminalität sei im Freistaat kein Schwerpunkt-Thema. Man beobachte die Entwicklung aber sehr genau – vor allem, weil es in Dresden oder Leipzig Ansätze gebe. Das untermauert Cathleen Martin, Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft:

Cathleen Martin - Landesvorsitzende der Deutschen Poliozeigwerkschaft Sachsen (DPolG Sachsen).
Cathleen Martin, Landesvorsitzende Deutsche Polizeigewerkschaft Bildrechte: Polizeigewerkschaft Sachsen

"Also für die Region Leipzig möchte ich das schon so bestätigen, dass es das tatsächlich gibt. Oft denkt man ja in Leipzig an die Eisenbahnstraße. Nicht nur dort, auch in anderen Wohngebieten, zum Beispiel in Grünau, sind solche Strukturen am Entstehen, wo einfach solche Großfamilien da sind, sich organisieren und ihr Recht auch selber verschaffen."

Cathleen Martin erzählt, dass sie die Entwicklung solcher Strukturen schon seit den 90er Jahren beobachte. Die kriminellen Familienmitglieder fielen mit verschiedenen Delikten auf: "Von den kleinen Delikten, den Einbruchsdiebstählen, den Diebstählen im Laden, bis hin zu Körperverletzung, schwerer Körperverletzung, versuchten Tötungsdelikten. Die ganze Bandbreite."

Delikte in Sachsen-Anhalt nicht als Clan-Kriminalität erkannt

Im sachsen-anhaltinischen Naumburg sorgte zuletzt eine syrische Familie für Schlagzeilen. Einige ihrer Mitglieder standen wegen eines Ehrenmordes vor Gericht, vorher hatten sie auch Polizisten bedroht. Doch Innenminister Holger Stahlknecht wollte darin keine Clan-Kriminalität erkennen. Im Februar sagte er MDR AKTUELL:

Holger Stahlknecht
Holger Stahlknecht, Innenminister Sachsen-Anhalt Bildrechte: Ministerium für Inneres und Sport/Andreas Lander

"Nach unserem Verständnis – es waren sieben Beschuldigte, die wir dort haben – würden wir das auch noch nicht als verfestigten Clan in dem Sinne bezeichnen wollen. Natürlich: aus der Betroffenheit der Bevölkerung ist das schnell gesagt. Aber man muss eben aufpassen und den Anfängen wehren. Und das haben wir an der Stelle gemacht." Auch jetzt erklärt das Innenministerium: In Sachsen-Anhalt ist Clan-Kriminalität nicht als Schwerpunkt identifiziert worden.

Clans auch in Thüringen kein großes Thema

Ähnlich sieht es in Thüringen aus. Kai Christ, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei, sagt: "Tatsächlich ist die Clan-Kriminalität, die gerade diskutiert wird, für Thüringen kein Problem. Wir haben im Bereich mafiöse Strukturen so was Ähnliches wie Familien, aber das ist nicht das, was gerade Thema ist."

Das bestätigt das Thüringer Innenministerium und ergänzt: Auch wenn man nicht direkt betroffen sei – man arbeite an bundesweiten Ansätzen zur Bekämpfung der Clan-Kriminalität mit.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Juni 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Juni 2019, 05:00 Uhr

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47 Kommentare

17.06.2019 10:18 der_Silvio 47

Jeder einzelne Clan ist einer zu viel!
Aber man kann natürlich auch nach dem Motto rangehen; 'ich sehe / erkenne das nicht, also gibt es das nicht'.
Wirklich produktiv ist das allerdings nicht.

16.06.2019 23:48 Johny 46

Das hat seine Gründe. Kommt aber noch, keine Bange.

16.06.2019 22:58 Mittelsachse 45

Schon eine dieser Familien/Clans wäre in Mitteldeutschland zuviel! Wenn diese verrückten Zustände im Lande eines Tages wieder gerade gerückt werden, wird dies wohl recht unschöne Szenen hervorrufen. Nunja, wenn man den richtigen Zeitpunkt für entsprechende Reaktionen verschläft, dann ist es halt so.
@34 Afterburner:
...und das Rathaus ist gleich gegenüber. Aber die schwer beschäftigten Damen und Herren scheint das nicht so recht zu interessieren. Können Sie sich vorstellen wie es hier ohne das Zuzugsverbot aussehen würde? Und glauben sie mir, diese Leute sieht hier in der Stadt auch jeder lieber von hinten.

16.06.2019 21:04 Dieter 44

Seltsamer Artikel- warum gibt es überhaupt kriminelle Clans in Mitteldeutschland? Solle die Politik bei jedem einzelnen nicht sofort handeln?

16.06.2019 20:57 JÖRG 43

So was HAT es früher nicht gegeben und wenn ist der Staat harte dagegen vorgegangen heute alles mit samt Handschuhen Anfassen Diese Familien lachen sich über den Staat hier kaputt.

16.06.2019 20:02 Auf der Sonnenseite des Lebens 42

das Problem sind nicht die Clans, die nutzen nur die Gelegenheit,

das Problem ist die Politik, die dem Treiben zusieht.

16.06.2019 16:28 Fragender Rentner 41

Habe ich eben bei t-online gesehen: Was nach einem klimafreundlichen Ratschlag für die Sommerferien klingt, kann für Schülerinnen mit ausländischen Wurzeln eine ganz andere Bedeutung haben.

Das hilft bestimmt für die Integration dieser Menschen?

16.06.2019 15:34 Reffke 40

Nanu, was hat der mdr denn da gesendet?
Exakt - Die Story
Unsichtbare Kartelle – die Mafia in Mitteldeutschland:
Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) kommt zu Wort, wie auch der neue Thüringer Innenminister Georg Maier (SPD). Der hat den Kampf gegen die OK im Freistaat ganz oben auf seine Agenda gesetzt. Doch MDR-Recherchen zeigen: Die armenische Mafia in Thüringen ist national und international genauso gut vernetzt, wie die italienischen Clans. Diese bekämpfen sich nicht auf offener Straße.

Doch im Untergrund bauen sie ihre wirtschaftliche Macht weiter aus. Die kalabrische `Ndrangheta drängt in Mittdeutschland weiter aus der illegalen in die legale Wirtschaft. Davor warnen italienische Mafiaexperten...
https://www.mdr.de/mediathek/mdr-videos/c/sendung766270_zc-36b7d759_zs-ed841b27.html

[Lieber Reffke, der Begriff der Clan-Kriminalität ist nicht klar definiert, deshalb gibt es unterschiedliche Zahlen. Dass es mafiöse Strukturen in Mitteldeutschland gibt, ist laut Ermittlungsbehörden unumstritten. Siehe auch den von Ihnen erwähnten Exakt-Beitrag. Allerdings gibt es Clans im Sinne von Großfamilien, die kriminell in Erscheinung treten und dabei feste Strukturen haben, in Mitteldeutschland laut Innenmnisterien nicht. Liebe Grüße aus der MDR.de-Redaktion]

16.06.2019 15:33 Thomas 39

Das Wahrheitsministerium hat wieder eindrucksvoll belegt: es gibt keine nennenswerte Kriminalität, Zuwanderer sind Engel auf zwei Beinen, alles ist wunderschön, wir haben eine funktionierende Demokratie, den Deutschen geht es so gut wie nie zuvor.

16.06.2019 14:54 Angleichung des Ostens 38

Die arabischen Clans sind dabei in Dresdens Ferdinandstraße und Dresdens Eisenbahnstraße Fuß zu fassen. Jeder weiß, das sobald dies geschehen ist, die Situation nicht mehr unter Kontrolle zu bekommen ist. Im Stadtrat Dresden wurde von den freien Wählern und der CDU versucht, dies anzusprechen und zu verhindern. Leider wurde die von den Grünen, Roten und Linken verhindert, die statt konstruktiver Argumente sofort alles mit Floskeln wie "Rassismus" und "NPD-Sprech" niederschrien. Insofern wissen die Bürger nun, wer für die enstehende Situation voll verantwortlich ist.