Vor Bund-Länder-Gipfel Beherbergungsverbot sorgt für leere Hotelzimmer

Wenn sich in Berlin Kanzlerin und Ministerpräsidenten treffen, um über Corona-Maßnahmen zu beraten, werden auch die Hoteliers und Gastwirte genau hinsehen. Sie fordern die Abschaffung des Beherbergungsverbots für Menschen aus Risikogebieten, das ohnehin nicht überall gleichermaßen gilt.

Ein Hotel-Schild
Das Beherbungsverbot für Menschen aus innerdeutschen Risikogebieten gilt wie viele Regelungen nicht deutschlandweit einheitlich. Bildrechte: dpa

Kathrin Kastner führt eine Pension in der Leipziger Südvorstadt. Viele Zimmer blieben jetzt mal wieder leer, erzählt sie: Am Wochenende hätte sie die "Bude voll" gehabt. Aber: "Die haben mir natürlich alle abgesagt, weil sie aus Berlin kommen."

Jeden Tag schaut Kastner im Internet nach, welche deutschen Risikogebiete dazugekommen seien, beantwortet Gästefragen am Telefon, storniert Buchungen. Und es gehe jetzt natürlich um die Anzahlungen, erzählt Kastner. Sie müsse viel diskutieren, ob sie diese zurückzahlen müsse "oder ob wir die Buchung auf einen späteren Zeitpunkt verlegen".

Stornierungen statt negativer Corona-Tests

Auch ein Leipziger Hotelier, der nicht namentlich genannt werden möchte, berichtet von schwierigen Gesprächen mit Gästen – beim Thema Stornogebühren etwa. Mit einem negativen Corona-Test hätten die Reisenden ja schließlich kommen können, sagt der Hotelier, doch der scheine vielen zu teuer und zu kompliziert zu sein. Auch in ihrer Pension sei bisher niemand mit einem negativen Test vorstellig geworden, erzählt Kathrin Kastner, stattdessen werde abgesagt.

Axel Klein, Hauptgeschäftsführer des sächsischen Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA, hält die innerdeutschen Beherbergungsverbote für sinnlos: "Völlig überflüssig. Wir haben Hygieneregeln, die gut sind, die einzuhalten sind, die wichtig sind. Aber in dem Fall muss ich sagen, halten wir uns auch an Herrn Lauterbach, wenn der sagt, dass sei völliger Quatsch, das Beherbergungsverbot." Da das nur Arbeit schaffe, aber keine zielführende Lösung sei, spricht sich Klein für eine Abschaffung aus.

Austausch zwischen Bund und Ländern "dringend geboten"

Klein will vor allem bundeseinheitliche Regeln. Im Moment etwa dürfen Menschen aus deutschen Risikogebieten in Thüringen uneingeschränkt übernachten, in Sachsen-Anhalt sind touristische Übernachtungen untersagt, in Sachsen dürfen weder Geschäfts- noch Urlaubsreisende aus Risikogebieten einchecken.

Sachsens Tourismusministerin Barbara Klepsch antwortete MDR AKTUELL schriftlich, dass sie die Kritik aus der Tourismusbranche sehr gut nachvollziehen könne. Der Austausch zum Beherbergungsverbot zwischen Bund und Ländern sei deshalb dringend geboten.

Grünenpolitiker möchte "Kleinstaaterei" beenden

Gerhard Liebscher, tourismuspolitischer Sprecher der Grünen im sächsischen Landtag, sagt: "Wir müssen versuchen, den Tourismus so wenig wie möglich zu beeinflussen." An die heutige Ministerpräsidentenkonferenz mit der Kanzlerin stellt er eine klare Forderung: "Dass es deutschlandweit einheitlichere Regelungen gibt und wir die Kleinstaaterei beenden, es ist sowieso nicht kontrollierbar."

Auch Pensionsinhaberin Kathrin Kastner fände eine Abschaffung der innerdeutschen Beherbergungsverbote nur logisch: Schließlich solle man seinen Urlaub wegen Corona ja in Deutschland verbringen und nicht ins Ausland reisen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. Oktober 2020 | 06:09 Uhr