Integration Migranten in Deutschland durch Corona-Krise verunsichert

Die Integration Tausender Migranten war für Deutschland in den vergangenen Jahren eine der wichtigsten Aufgaben. Durch die Corona-Krise gibt es aber auch in diesem Bereich neue Probleme. Integrationskurse wurden gestoppt, die schulische Ausbildung von Geflüchteten pausiert und auch Migranten sehen sich mit dem Thema Kurzarbeit konfrontiert. Eine schwierige Situation für Menschen, die zwar schon in Deutschland leben, aber noch nicht ganz angekommen sind.

Aziz Bachouri erklärt die Corona-Maßnahmen in Deutschland. Es ist ein Internetvideo auf Arabisch und beantwortet viele Fragen: Welche Hygiene-Vorschriften gelten, welche Geschäfte müssen schließen, wie ist es mit Ausgangssperren? Ganz am Ende steht eine E-Mail-Adresse.

Man habe sehr viele Nachfragen bekommen, sagt Bachouri. Zum Beispiel, was Kurzarbeit sei. Oder Gerüchte: Der Chef dürfe einem in der Probezeit fristlos kündigen wegen Corona, stimmt das? Bachouri erzählt: "Solche Fragen kommen zu uns und wir erklären das und sagen: Nein."

Integrationskurse fallen aus – Mitarbeiter in Kurzarbeit

Bachouri arbeitet für den Verein "Arbeit und Leben" in Dresden. Er kam schon vor 15 Jahren aus Syrien. Nun berät er Migranten. Deren Informationsbedarf in der Corona-Krise ist groß. Selbst mit passablen Deutsch-Kenntnissen verstehen sie behördliche Wörter wie "Allgemeinverfügung" nur schwer.

Zugleich sind Integrationsangebote rar, sagt der Geschäftsführer von Arbeit und Leben, Frank Schott: "Also die klassischen Integrationskurse sind alle unterbrochen. Da findet nichts diesbezüglich statt. Viele Anbieter haben deswegen ihre Mitarbeiter selbst in Kurzarbeit geschickt und die Kurse liegen alle auf Null." Arbeit und Leben selbst führe sozusagen Einzelcoachings mit den Betroffenen durch – per Telefon, per E-Mail.

Angst vor Corona in Sammelunterkünften groß

Die Situation ist auch für die Bildungsvereine kompliziert. Denn ihnen fehlen die Einnahmen aus den Kursgebühren. Derweil warten in Sachsen noch immer knapp 20.000 Migranten auf den Abschluss ihres Asylverfahrens, 7.000 leben in Sammelunterkünften.

Porträt Mark Gärtner, Sächsischer Flüchtlingsrat
Mark Gärtner, Sächsischer Flüchtlingsrat Bildrechte: MDR SACHSEN

In der dortigen Enge herrsche große Angst vor Corona, sagt Mark Gärtner vom Sächsischen Flüchtlingsrat: "Wir haben weiterhin Vorwürfe von Geflüchteten aus der Aufnahmeeinrichtung in Dölzig. Die sagen, dass die Bedingungen dort extrem problematisch sind. Sie beklagten auch, dass es keine Seife gebe." Laut Landesdirektion wiederum wird kommuniziert, dass die Menschen selbst dafür verantwortlich seien, sich mit Hygienemitteln einzudecken. Man habe dennoch eine Großbestellung an Seife geordert.

Migranten als Erntehelfer hilfreich bei mehreren Problemen

Viele Asylverfahren verzögern sich wegen Corona. Ablehnende Asylbescheide werden derzeit nicht verschickt, da Betroffene nur erschwert dagegen klagen können. Eine Ausreise ist jetzt ohnehin kaum möglich. In den Heimen wird es den Geflüchteten derweil langweilig. In der Politik mehren sich Stimmen, man könne sie als Erntehelfer einsetzen.

Frank Schott von Arbeit und Leben findet die Idee gar nicht verkehrt. Man sehe mehrere positive Effekte. Zum einen bei den Bauern, dass die Ernte reinkomme. "Auf der anderen Seite hilft das natürlich auch für die schnellere Integration der entsprechend Betroffenen, die recht rasch an den Arbeitsmarkt herangeführt werden", sagt Schott.

Sachsens Flüchtlingsrat setzt ein Aber dahinter: Wenn Geflüchtete in der Ernte hälfen, müsse man ihnen eine Bleibe-Perspektive geben. Dass es durchaus Interesse an den Jobs gibt, weiß Aziz Bachouri. Er erzählt, zwanzig arabische Migranten hätten ihn um Kontakt zu Landwirten gebeten. Auch Ärzte hätten angeboten, in der Pflege zu helfen. Man müsse es ihnen nur ermöglichen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. April 2020 | 05:00 Uhr

65 Kommentare

Gerd Mueller vor 17 Wochen

> Ich denke mal auch wir sind verunsichert < @SusiB
weil Hefe + Mehl oder Klopapier + Haushaltstücher zugeteilt verkauft werden oder wegen corona-fluechtlinge-integration?

Gerd Mueller vor 17 Wochen

@ Wessi so ein irrealer Quatsch. Jeder kann wenn er will Gartenarbeit! Die jammernden Bauern sollen selber Spargel stechen. Da beteiligte sich in den 1960-1980 Jahren die ganze Familie (hier oft Clan genannt) und erledigte es oft von 04 Uhr bis 06 Uhr bevor es in die Fabrik ging und Oma das Erntefrische auf dem Markt anbot. Sehr viele kauften direkt am Feldrand als das Kilo noch 20 Mark kostete. Werden Helfer ordentlich bezahlt, statt sich "mod. Sklaven" einfliegen zu lassen braute Amt keine Langzeitarbeitslosen vollversorgen. Spargel war immer Edelgemüse und etwas teurer. Wir sollten vom Geiz ist geil weg und für Qualität realen Preis zahlen.

Arbeitende Rentnerin vor 17 Wochen

Wer genügend geerbt oder im Lotto gewonnen hat, kann natürlich davon leben, ohne was zu tun, das sind aber die wenigsten, wer vom Steuerzahler unterstützt werden will, muss erst selbst alles ausschöpfen, bevor andere für seinen Lebensunterhalt aufkommen sollen, ist denn das so schwer zu verstehen, so ist doch (eigentlich) auch das Gesetz oder soll es etwa richtig sein, wenn eine Altenpflegerin oder ein Bauarbeiter beispielsweise für einen aufkommt, der einfach zu faul ist? Der Staat sind nun mal die Steuerzahler und niemand anderes