Überbrückungshilfe Zinsloses Darlehen für Studierende wird vorbereitet

Viele Studierende haben in der Corona-Krise ihre Jobs verloren - neue lukrative Nebentätigkeiten sind rar. Um finanzielle Engpässe zu überbrücken, plant Bildungsministerin Anja Karliczek zinslose Darlehen. Der SPD ist das zu wenig. Doch zunächst sollen BAföG-Empfänger, die in "systemrelevanten" Bereichen arbeiten, begünstigt werden.

Studierende, die in der Corona-Krise ihren Job verloren haben und deshalb in finanzielle Not geraten, können auf ein zinsloses Darlehen hoffen. Wie ein Sprecher des Bundesministeriums für Bildung und Forschung MDR AKTUELL mitteilte, wird "unter Hochdruck" an den Vorbereitungen für diese Überbrückungshilfe gearbeitet. Betroffene bräuchten in der "gegenwärtigen Ausnahmesituation eine unbürokratische, schnelle und wirksame Unterstützung", zitiert er Ressortchefin Anja Karliczek. Einen Starttermin und Einzelheiten zu dem Darlehensprogramm nannte der Sprecher nicht.

Studierendenverbände und Vertreter der Studentenwerke sprachen sich zuletzt für Soforthilfen für den Zeitraum von drei Monaten aus.

Die Bundesbildungsministerin hatte vor zwei Wochen nach Informationen der dpa in einem Brief ihre Ministerkollegen der Länder über das Vorhaben informiert. Mittlerweile gibt es darüber Streit in der Großen Koalition. SPD-Bildungspolitikern geht der Vorstoß nicht weit genug. Sie fordern, das BAföG kurzzeitig für solche Studenten zu öffnen, die diese Leistung bislang nicht beziehen und durch die Corona-Krise ihre Nebenjobs verloren haben. 

Für die Öffnung des BAföG müsste das Gesetz geändert werden und das würde lange dauern, entgegnete die Bildungsministerin bislang.

Mein Ziel ist es, dass kein Studierender aus finanziellen Gründen das Studium wegen der Corona-Pandemie aufgeben muss.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek zur dpa

Einkommen außerhalb des BAföG künftig erlaubt

Zunächst will der Bundestag am kommenden Donnerstag (07. Mai) Karliczeks BAföG-Anpassung sowie neue Fristenregelungen für junge Wissenschaftler verabschieden, die die Bundesregierung Anfang April auf den Weg gebracht hatte.

Vorgesehen ist unter anderem, dass Studierenden und Menschen in schulischer Ausbildung der Hinzuverdienst aus systemrelevanten Jobs nicht auf die Ausbildungsförderung angerechnet wird. Sie behielten ihre volle BAföG-Unterstützung, sagte Karliczek.

Für Wissenschaftler sollen außerdem Regeln zur Befristung von Verträgen gelockert werden, so dass beispielsweise Promotionsvorhaben und Habilitationen, die sich wegen der aktuellen Ausnahmesituation verzögern, weitergeführt werden können. Die Änderungen sollen rückwirkend zum 1. März gelten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. April 2020 | 06:04 Uhr

4 Kommentare

Benjamin vor 30 Wochen

Danke für den Hinweis.
Mit Corona verschwinden die Ausbeutungsmechanismen nicht, sondern verstärken sich wohl nur wieder. Dazu gehören vor allem Sexismus und Rassismus, aber auch die Formen, die sich aus Veränderungen des Klimas ergeben. Dass Sie das nicht erkennen ist entweder Zeichen nicht verstandener Privilegien oder einer geistigen Armut, der Sie mit einem Studium in den genannten Bereichen hätten zuvor kommen können.
Tatsächlich müssen wir uns doch die Frage stellen, wie ein Zusammenleben in Zukunft gestaltet werden kann, das nicht auf dem Rücken anderer ausgetragen wird (und hier eben auch auf den Menschen in Pflegeberufen). Dazu gehören Fragen zu Formen der Arbeit und der Verteilung gesellschaftlichen Reichtums. Gerade in Krisenzeiten wird doch wieder sichtbar, wie wenig wir der sozialen Ungleichheit entgegensetzen. Das sind Themen, die in den Geisteswissenschaften vorbereitet werden. Ein konservativer Standpunkt, wie Sie ihn vorschlagen, hält Ungleichheiten nur aufrecht.

Student 2020 vor 30 Wochen

Zinslose Darlehen scheinen zunächst die Funktion einer sinnvollen "Soforthilfe" zu erfüllen, jedoch ist mit einer derart langen Abwägung, darüber wie geholfen werden soll, noch immer niemandem geholfen.
Zudem sind viele der betroffenen Studenten bereits mit Studienkrediten oder BAFöG Darlehen belastet, welche lediglich nur einen Anteil der Lebenskosten deckten. Eine weitere Verschuldung halte ich, besonders für junge Menschen, für eine Zumutung. Insbesondere im Vergleich zu den zügig abgewickelten und ausgezahlten Soforthilfe für Unternehmen. In diesem Kontext ist dieses mangelnde Bewusstsein für die wirtschaftliche Zukunft dieses so innovativen Landes an Peinlichkeit kaum zu übertreffen. Insbesondere nach dem Ende der Krise, sollten doch sämtliche Ressourcen zum Wiederaufbau der Wirtschaft und unserer gewohnten Alltagsstruktur verfügbar sein.
Sicherlich hatten wir auch vor der Krise wenig Lehrlinge, jedoch ist mit einer langjährigen Umschulung aktuell auch nicht geholfen.

frank d vor 30 Wochen

Werden all die studierenden um jeden Preis eigentlich alle wirklich gebraucht?
sollten wir nicht den Studierenden nur als Beispiel der Politikwissenschaften, Genderei, Soziologie und Klimapsychologie einen Hinweis geben?
Vermutlich werden in der ich zitiere "größten Wirtschaftskiese in der Geschichte unseres Landes" die Jobs in der Staatscorona wegfallen.
Dann wäre es sicher klug stattdessen Fliesenleger, Klempner, oder in der Pflege ein Auskommen zu finden.
Nur so ein Gedanke.
Sapere Aude