Corona-Impfstoff Warum in Sachsen bislang nur wenig geimpft wird

Der Impfstoff gegen das Corona-Virus ist da, die Impfkampagne in Deutschland ist angelaufen. Und in einigen Ländern ist es so gekommen, wie Gesundheitsminister Spahn es prognostiziert hat: Zum Start ruckelt es noch, zum Beispiel in Sachsen. Nur fünf Bundesländer haben nach Angaben des Robert Koch-Instituts weniger geimpft. Wie und nach welchen Kriterien werden die Impfdosen im Freistaat verteilt?

Eine Seniorin wird gegen Corona geimpft
Corona-Impfungen in sächsischen Pflegeheimen gehen nur schleppend voran. Bildrechte: dpa

Am zweiten Weihnachtsfeiertag hatte der Bund die ersten Impfdosen auf die Länder verteilt. 9.750 Einheiten hatten sie jeweils einmalig erhalten. Seitdem ist der Umfang der Lieferungen von der Einwohnerzahl der Länder abhängig. Sachsen liegt hier im bundesweiten Vergleich auf Rang sieben.

Nach Angaben des sächsischen Sozialministeriums sind bislang knapp 70.000 Impfdosen im Freistaat angekommen, die zu etwa gleichen Teilen an die Krankenhaus-Cluster in Dresden, Leipzig und Chemnitz sowie an die mobilen Impfteams gegangen sind. Auf Anfrage von MDR AKTUELL erklärt das Ministerium: "Die Maximalversorger leiten den Impfstoff an die Krankenhäuser in ihrer Region weiter. Bei den Pflegeheimen geht es unter anderem nach Inzidenz im Landkreis, Impfbereitschaft des Heimes und die Planung bei den Impfrouten."

Impfstoff kommt nur schleppend in Pflegeheimen an

In den Krankenhäusern läuft die Impfkampagne dabei deutlich zügiger als in den Pflegeheimen. Das Robert Koch-Institut meldet rund 7.700 Corona-Impfungen für Sachsen. Das medizinische Personal macht hier den mit Abstand größten Teil aus. In den Pflegeheimen sind dagegen bislang nur rund 1.400 Menschen geimpft worden – bei rund 70.000 Impfdosen, die der Freistaat erhalten hat.

Dass sie nur schleppend dort ankommen, wo sie gebraucht werden, hat mehrere Gründe. Einer davon ist das aktuelle Verteilungsprozedere. Dafür ist in Sachsen das Deutsche Rote Kreuz verantwortlich. Sprecher Kai Kranich erklärt, dass die Verteilung der Impfdosen immer noch zentral erfolge. "Das heißt, sie kommen nach Sachsen, werden dann vom Roten Kreuz übernommen und in ein Lager gebracht. Und dann werden je nach Bedarf oder zum jetzigen Zeitpunkt nach Terminlage in den Pflegeeinrichtungen die Impfdosen aufgetaut und zentral von den Impfteams abgeholt und dann in den Landkreisen verimpft."

Oft schwerer Zugang für die mobilen Einsatzteams

Die langen und zeitintensiven Fahrten bleiben den insgesamt 13 Teams ab der kommenden Woche wohl erspart. Dann solle der Impfstoff auch in den regionalen Impfzentren verfügbar sein, sagt Kranich. Bei den Einsätzen der Teams geht es derzeit aber offenbar weniger um die Inzidenz in den Kreisen. Der eigentliche Taktgeber und zugleich das größte Problem für die Organisatoren beim DRK ist laut Kranich die angesprochene Terminlage in den Pflegeeinrichtungen – und deren Impfbereitschaft. Alle Bewohner müssen aufgeklärt worden sein und Einwilligungsbögen vorgelegt haben.

Kranich sagt, das Deutsche Rote Kreuz bekomme auch die Rückkopplungen aus dem Sozialministerium, zum Beispiel welche Pflegeeinrichtungen jetzt auch bereit sind: "Jetzt sind wir aktuell aber so aufgestellt, dass wir versuchen, in so vielen Pflegeeinrichtungen wie möglich zu impfen und besonders die zu impfen, die auch mit den Vorbereitungen fertig sind. Und vor allen Dingen – das war in den letzten Tagen die eigentliche Herausforderung – wo es zum Beispiel keinen größeren Ausbruch von Covid-19 gab." Denn in diesem Fall könnten die Impfteams gar nicht erst in die Einrichtungen kommen.

Auch zu den über 80-Jährigen, die nicht in Heimen leben, kommen die mobilen Einsatzkräfte übrigens nicht. Für sie hat das Sozialministerium keine gesonderte Impfstrategie ausgearbeitet. Hier sei zunächst Eigenverantwortung bei der Planung und die Hilfe von Angehörigen gefragt, heißt es aus Dresden. Für diese Personengruppe seien die Impfzentren die erste Anlaufadresse.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 06. Januar 2021 | 06:05 Uhr

10 Kommentare

adler123 vor 7 Wochen

....."fingen einige Fraktionen ein zwangsgetriebenes Gelächter an."......ist nicht verwunderlich bei diesen"Fachleuten" im Bundestag. Auf alle Fälle kommt für mich nur der russische Impfstoff in frage.

Jan-Lausitz vor 7 Wochen

Es gab schon vor Wochen in Deutschland (nach sehr langem Zögern) Berichte, dass der russische Impfstoff eine gute Verträglichkeit und eine sehr gute Wirksamkeit besitzt. Als vor Weihnachten ein Abgeordneter im Deutschen Bundestag dies anbrachte, fingen einige Fraktionen ein zwangsgetriebenes Gelächter an. Ich komme zu dem Eindruck, dass nun selbst mit der Gesundheit ein ideologisches Spiel getrieben wird, was schon unverantwortliche und verwerfliche Züge annimmt.

nasowasaberauch vor 7 Wochen

Stimmt, wer hat der kann und erst hatten wir und hätten können, aber dann wurde uns bewußt gemacht, was für große Europäer wir sind. Frei nach Karl Valentin: Mögen hätten wir schon gewollt, aber dürfen haben wir uns nicht getraut.