Coronavirus Pflichttests für Rückkehrer aus Risikogebieten im Laufe der Woche

Ab dieser Woche sollen alle Einreisenden aus Risikogebieten verpflichtend auf das Coronavirus getestet werden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat das beschlossen, die Anordnung soll im Verlauf der Woche kommen, der genaue Tag steht noch nicht fest. Kritik gibt es daran, dass die Tests kostenlos sein sollen. Und auch die Umsetzung ist nicht leicht, etwa wenn Menschen mit der Bahn oder mit dem Auto einreisen.

Ein Arzt nimmt in einer Hausarztpraxis mit einem Tupfer einen Abstrich bei einer Frau für einen Coronatest.
Für Reiserückkehrer aus Risikogebieten sollen Corona-Tests verpflichtend werden. Bildrechte: dpa

Unbeschwert Urlaub machen, das ist zurzeit kaum möglich. Auch das Virus mache keine Ferien, mahnt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Deshalb sollten sich alle, die aus dem Ausland zurückkommen, freiwillig und kostenlos testen lassen.

Für Einreisende aus Risikogebieten wird das sogar Pflicht, die Anordnung soll im Laufe dieser Woche in Kraft treten. Ein Eingriff in die persönliche Freiheit – "ja", sagt CDU-Minister Spahn, aber vom Infektionsschutzgesetz gedeckt. Und es sei "wichtig, es auch zu machen", erklärt Spahn weiter. "Wir wollen sicherstellen, dass nicht aus diesen Ländern das Virus wieder eingeschleppt wird", man habe es gerade erst unter großen Mühen unter Kontrolle gebracht.

Laborkosten übernimmt Bund

Luxemburg und drei Regionen in Nordspanien sind aktuell als Risikogebiete eingestuft, ansonsten fast alle Länder außerhalb der EU.

Die Laborkosten für die Pflichttests übernimmt der Bund. Nicht testen wäre teurer, wenn es wieder mehr Corona-Fälle gibt, so das Gesundheitsministerium. Die einen gehen ein Risiko ein, alle anderen zahlen mit ihren Steuern dafür – die FDP hält das für falsch. Auch Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch meint:

Es gibt keinen Grund, dass die Verkäuferin oder Menschen, die aus Vorsicht oder aus Geldmangel auf eine Auslandsreise verzichten, nun die Kosten für die Tests aller Reisenden mitzahlen sollen.

Dietmar Bartsch, Linke Fraktionsvorsitzender

Es könnte sein, dass Reisende indirekt einen Teil der Kosten übernehmen müssen. Denn die Bundesländer richten die Teststationen an den Flughäfen ein. Das könnte langfristig auf die Flugtickets umgelegt werden, so hat es der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister vorgeschlagen.

Wiederholungstest gefordert

Die Testpflicht komme zwar spät, sei aber richtig – da sind sich fast alle Parteien einig. Nur die AfD ist dagegen. Und Kordula Schulz-Asche von den Grünen sagt, ein Test allein reiche nicht aus: "Es ist aber auch nur eine Momentaufnahme, nämlich zum Zeitpunkt der Einreise, deswegen ist ein Wiederholungstest durchaus sinnvoll", fordert sie.

Für Wiederholungstests plädiert auch die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD, Sabine Dittmar. Ein zweiter Test soll kostenlos möglich sein, anordnen müssen ihn die Behörden vor Ort.

Gesundheitsämtern fehlt Personal

Die Gesundheitsämter heben die Hände: Es fehle Personal für so viele Tests, beklagt der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes.

Die Bundesländer müssen noch mehr praktische Probleme lösen: Was ist mit denen, die mit Schiff, Bus oder Bahn einreisen? Sie sollen Aussteigekarten ausfüllen, die zuständigen Gesundheitsämter sie stichprobenartig kontrollieren.

Nur Stichproben

Mehr als Stichproben wird es auch an den Grenzen nicht geben, hat Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) klargestellt:

Was ich mir kaum vorstellen kann, um nicht zu sagen NICHT vorstellen kann, ist, dass wir deshalb in ganz Deutschland wieder Grenzkontrollen einführen.

Horst Seehofer, CSU Bundesinnenminister

Bayern richtet Teststationen an Raststätten nahe der Grenze und auf Hauptbahnhöfen ein. Und es soll Sanktionen geben, wenn Reisende den Test umgehen. Doch das alles ersetzt eines nicht, so der Appell aus der Politik: die eigene Verantwortung – am besten nicht erst bei der Rückkehr, sondern schon bei der Urlaubsplanung.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. August 2020 | 05:00 Uhr

18 Kommentare

wo geht es hin vor 6 Wochen

Und wie lange sollte dieser Zustand des "vielleicht" denn dann noch aufrechterhalten werden? Für mich ist der jetzt nicht mehr rational darstellbar und sinnvoll wäre für mich, die Risikogruppen mit Augenmaß zu schützen, d.h. Pflegeheime und Krankenhäuser, und darüber hinaus es jedem selbst zu überlassen, in wie weit er sich selber schützen will oder kann. Das nennt man Eigenverantwortung und die Menschen dürften mittlerweile so sensilibisiert sein, diese auch wahrzunehmen. Des Weiteren sollte an die bisherige Handhabung des Spieles mit der Angst (ja - auch durch und besonders durch die Medien) endlich rationale Vernunft und die Anerkennung des Faktes treten, dass man sich nicht vor allem schützen kann. Angesichts des hohen Durchschnittsalters der leider Verstorbenen wäre ein wenig mehr Realismus in Bezug auf die Endlichkeit jedweden Lebens dabei hilfreich.

Arbeitende Rentnerin vor 6 Wochen

Zumindest in ausgewiesene Risikogebiete hätte man Reisen untersagen sollen, was ist wichtiger, die Gesundheit der Bevölkerung oder das vermeintliche Recht auf Vergnügen, zumal es Alternativen gibt in D und Nichtrisikogebieten

Mooie geest vor 6 Wochen

wir hatten nie Ausgangssperre wie in anderen Ländern, konnten täglich Einkaufen und spazieren gehen - nur nicht vom 19.3. bis 15.5. zur Arbeit und dann mit Maske und Abstand an den wir uns schnell gewöhnten. Mir scheinen die ewig jammernden haben anderes tief sitzenderes Problem. Einsicht ins Vernünftige fahlt denen offensichtlich. Wir wollen niemand anstecken und keine 2. Welle und wer sich auf die Verschwörer um Attila Hildmann einlässt sollte nicht sagen davon nichts gewusst zu haben.