Lockerung von Corona-Maßnahmen Sachsen und Thüringen preschen vor, Sachsen-Anhalt will Disziplin

Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gehen unterschiedliche Wege bei der Lockerung der Corona-Beschränkungen. Thüringens Ministerpräsident Ramelow will die Krisenstäbe entlasten. Sachsen will nach Auskunft von Sozialministerin Köpping von Verboten abrücken und ihre Amtskollegin aus Sachsen-Anhalt, Grimm-Benne, setzt auf Disziplin.

Apotheke wirbt für Desinfektionsmittel und Mundschutz.
Ein Mundschutz wird wohl auch in der nächsten Zeit noch nötig beim Einkaufen sein. Bildrechte: imago images/Arnulf Hettrich

Sachsens Sozialministerin Petra Köpping hat den von ihr angekündigten Paradigmenwechsel bei den Corona-Maßnahmen genauer erklärt. Die SPD-Politikerin sagte MDR AKTUELL, man wolle weniger über Verbote reden, sondern mehr darüber, was erlaubt sei. Als Beispiel nannte sie Besuche in Pflegeheimen. Statt einem bisher geltenden Besuchsverbot mit Ausnahmen solle es künftig Besuchsmöglichkeiten unter Auflagen geben. Die geltenden Abstandsregeln und die Mundschutzpflicht beim Einkaufen und im ÖPNV blieben aber bestehen.

Mit Blick auf den Mund-Nasen-Schutz sagte Köpping, darauf könne man aus ihrer Sicht jetzt noch nicht verzichten. In dieser Angelegenheit sollte es eine abgestimmte Entscheidung aller Bundesländer geben.

Wunsch nach einheitlichem Vorgehen aus Sachsen-Anhalt

Sachsen-Anhalts Sozialministerin Petra Grimm-Benne äußerte Bedauern über das unterschiedliche Vorgehen der Bundesländer. Sie sagte MDR AKTUELL, es sei schade, dass man sich in grundsätzlichen Punkten nicht mehr einig sei. Derzeit würden viele mit Lockerungen vorpreschen, das sei gefährlich. Auch Sachsen-Anhalt plane Lockerungen. Man wolle aber diszipliniert sein, um die Corona-Infektionszahlen nahe 0 zu halten.

Ramelow verteidigt Plan zur Aufhebung von Beschränkungen

Bodo Ramelow
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Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hat die angekündigte Aufhebung der Corona-Beschränkungen gegen Kritik verteidigt. Der Linke-Politiker sagte MDR AKTUELL, er stelle die gelernten Strategien, wie Abstandhalten und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes nicht in Frage. Es gebe keinen Grund, leichtsinnig zu werden. Es sei aber nicht mehr sinnvoll, dass Krisenstäbe an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr aktiv sein müssten.

Ramelow verwies darauf, dass es in der Hälfte der Landkreise seit drei Wochen keine Neuinfektionen gegeben habe. Derzeit würden in Thüringen 33 Menschen mit einer Covid-19-Erkrankung im Krankenhaus behandelt, 13 Patienten würden beatmet. Deshalb wolle man weg von der Krisenstab-Strategie. Stattdessen sollten bei Bedarf die Gesundheitsämter gestärkt werden. Landkreise und Kommunen bekämen sofort Unterstützung, sobald eine Infektionssituation eintrete.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. Mai 2020 | 06:20 Uhr