Coronakrise In Mitteldeutschland fehlen Schutzmasken und Ausrüstung

In Jena soll in Räumen mit Publikumsverkehr das Tragen eines Mundschutzes zur Pflicht werden – notfalls gilt auch ein Schal. Bei medizinischen Schutzmasken gibt es in Mitteldeutschland allerdings einen großen Mangel.

Symbolfoto zum Thema Corona-Pandemie, Covid-19 - Eine Frau traegt eine FFP2 Atemschutzmaske.
Eine Frau mit einer Atemschtzmaske der Klasse FFP2. Solche MAasken sind derzeit Mangelware. Bildrechte: dpa

In der Diskussion um mögliche Maßnahmen im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus rückt nun das verpflichtende Tragen von Masken in den Fokus. In Jena soll voraussichtlich ab kommender Woche eine Tragepflicht in allen Gebäuden mit Publikumsverkehr und dem öffentlichen Nahverkehr eingeführt werden. Möglich sei aber auch, etwa einen Schal zu benutzen, sagte Stadtsprecher Kristian Philler dem MDR. Es gehe darum, Tröpfchen beim Reden, Atmen und Husten abzuhalten.

Ein Mann mit Atemmaske hält ein Schild.
Jena will das Tragen von Masken in Räumen mit Publikumsverkehr verpflichtend machen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Experten aus dem städtischen Gesundheitsamt hätten die Tragepflicht empfohlen. "Wir gehen davon aus, dass auch andere die Maßnahmen übernehmen werden", sagt Philler. Ein Strafenkatalog sei nicht nötig, denn ohne Mund-Nasen-Schutz würden die Menschen gar nicht erst in die öffentlichen Räume eingelassen werden.

Philler kündigte zudem an, dass der verpflichtende Schutz in rund zwei Wochen aller Voraussicht nach auch in Wirtschaftsbetrieben gelten soll, etwa in Unternehmen, in denen Mitarbeiter in geschlossenen Räumen eng zusammensitzen würden. Dies sei noch in der Diskussion, er gehe aber davon aus, dass auch diese Maßnahme kommen werde – auch wenn die Durchsetzung schwieriger werde.

Mangel an medizinischen Schutzmasken

Auch in anderen Bereichen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen nimmt die Diskussion um Schutzausrüstung Fahrt auf. Allerdings geht es dabei in erster Linie um einen Mangel bei medizinischen Schutzmasken.

In Sachsen wird die Situation kritisch gesehen. Es gebe einen sehr großen Bedarf bei Krankenhäusern, Kassenärztlichen Vereinigungen und Pflegeeinrichtungen, sagte der Sprecher des Sozialministeriums, Andreas Friedrich, dem MDR. Insgesamt rund 1,8 Millionen OP-Masken sowie Schutzmasken der Klassen FFP2 und FFP3 würden pro Woche alleine in Sachsen benötigt.

Eigenes Team kümmert sich um Maskenkauf

"Die Situation ist kritisch", sagte Friedrich. In der vergangenen Woche sei zwar eine Lieferung des Bundesgesundheitsministeriums verschickt worden, doch verteilt würde eben nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel an alle Bundesländer. In Sachsen sei deswegen nicht viel angekommen. Im dortigen Sozialministerium gebe es inzwischen ein eigenes Team, das sich nur um die Beschaffung der Schutzausrüstung, vor allem Masken, kümmere. Zuerst sei der Bedarf bei den Einrichtungen abgefragt worden. "Und es gibt einen sehr großen Bedarf", so Friedrich.

Krankenhaus ruft zu Spenden auf

Das DRK-Krankenhaus Chemnitz-Rabenstein rief vor wenigen Tagen sogar zum Nähen von Masken auf. Auf Facebook schrieb das Krankenhaus: "Für unsere beiden DRK-Krankenhäuser suchen wir talentierte Menschen, die uns mit selbstgenähten Masken versorgen können. Natürlich sollten diese auch unsere Kochwaschgänge überstehen. Wenn wir mit eurer Unterstützung rechnen können, seid ihr unsere Helden."

Viele Menschen kündigten unter dem Eintrag an, selbstgenähte Masken spenden zu wollen. Erste Masken seien auch schon angekommen, sagte eine Sprecherin des Krankenhauses dem MDR. Die Hilfsbereitschaft der Bürger sei sehr groß. Normalerweise würden Masken über den Einkaufsverbund besorgt, doch die Beschaffung sei aktuell ein Problem.

"Des Weiteren muss eine Planung vorgenommen werden auf Geschehnisse, die uns im Ausmaß völlig unbekannt sind. Keiner von uns weiß, was auf uns in unseren Krankenhäusern zu welchem Zeitpunkt zukommt", sagte die Sprecherin weiter. Man sehe den Aufruf "als Maßnahme zum ressourcenschonenden Einsatz von Mund-Nasen-Schutz". Allerdings: Bei den selbstgenähten Masken handelt es sich nicht um medizinische Ausrüstung.

Großer Mangel auch in Sachsen-Anhalt

Auch in Sachsen-Anhalt sei die Situation problematisch, schätzt die Sprecherin des Sozialministeriums, Ute Albersmann, die Lage ein. "Es gibt einen großen Mangel." Rund drei Viertel der Masken kämen bisher aus China, doch dort werde die Produktion erst langsam wieder hochgefahren. Die Länder hätten sich mit dem Bundesgesundheitsministerium darauf geeinigt, dass der Bund Ausrüstung für die niedergelassenen Ärzte besorgen würde, die Bundesländer seien für den Rest zuständig.

Vergangene Woche sei auch in Sachsen-Anhalt eine Lieferung vom Bund angekommen und von den lokalen Gesundheitsämtern verteilt worden. Das Bundeswehr-Bataillon in Burg habe bei der Logistik geholfen. Doch nennenswerte Lagerbestände gebe es weiterhin nicht. "Wir rechnen aber damit, dass in dieser Woche eine größere Lieferung von der Bundesregierung kommt", so Albersmann. In Sachsen-Anhalt gebe es keine großen Produzenten von Schutzmasken, die auch für den medizinischen Bereich geeignet seien.

Prüfsiegel für medizinische Masken nötig

Auch Andreas Friedrich vom sächsischen Sozialministerium sagt, dass viele Firmen zwar ihre Produktion auf die Herstellung von Masken umstellen wollten. Aber das sei nicht so einfach, denn für medizinische Masken werde eben ein Prüfsiegel benötigt.

Immerhin: Am Samstag und Montag kam am Flughafen Leipzig/Halle jeweils ein Flieger aus China mit Schutzausrüstung an, wie der Flughafen auf Twitter schrieb. In der Ladung waren Atemmasken und Schutzanzüge. Laut Andreas Friedrich wurde zumindest eine der Lieferungen von der Jack-Ma-Stiftung gespendet. Ma ist ein chinesischer Milliardär und Gründers der Internetfirma Alibaba. Die Masken seien zentral an Krankenhäuser verteilt worden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 31. März 2020 | 11:30 Uhr