Krankenkasse Wer trägt die Kosten für mehr Corona-Tests?

Die Tests auf das Coronavirus sollen massiv ausgeweitet werden. Doch unklar ist, wer die Kosten dafür trägt. Sollten dies die Krankenkassen übernehmen müssen, so müssten die Beiträge steigen, befürchtet die "Linke".

Einh Mann in Schutzkleidung nimmt von einem Patienten einen Abstrich
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Wie viele Menschen sind mit dem Coronavirus infiziert? Das ist eine der wichtigsten Fragen in der Pandemie. Die Antwort können nur Tests liefern. Deshalb sollten davon so viele wie möglich erfolgen, fordern Politiker und Wissenschaftler. Doch die dafür zuständigen Labore sind gerade einmal zur Hälfte ausgelastet – und eine andere wichtige Frage für viel mehr Tests ist bislang ungeklärt: Wer übernimmt dafür die zusätzlichen Kosten?

Bislang gilt: Getestet wird nur, wer grippeähnliche Symptome hat. Ein Test muss durch einen Arzt veranlasst werden und wird dann von den Krankenkassen bezahlt. Alles darüber hinaus Gehende lehnt das Robert-Koch-Institut bislang ab. Das bedeutet: Wer sich prophylaktisch testen lassen will – etwa um zu erfahren, ob bereits eine Erkrankung vorlag und nun eine Immunität gegen das Virus besteht – muss selbst zahlen. Arztbesuch und Abstrich  kosten zwischen 100 und 250 Euro. Doch manche haben da gar keine Wahl.

Wer muss einen Test selbst zahlen?

Michael Geisler/CDU-Landratskandidat Sächsische schweiz-Osterzgebirge
Der Landrat der Sächsischen Schweiz/Osterzgebirge: Michael Geisler. Bildrechte: CDU-Landesverband Sachsen

So müssen etwa Pendler aus Tschechien monatlich einen Negativ-Test vorlegen. Ansonsten müssen sie sich bei ihrer Rückkehr aus Deutschland in ihre Heimat in Quarantäne begeben. Es besteht also die Gefahr, dass künftig diese Arbeitskräfte aus dem Nachbarland deshalb wegbleiben. Für den Landkreis Sächsische Schweiz- Osterzgebirge wäre das eine Katastrophe. "Um die Pendler bei uns zu halten, habe ich Kontakt mit Unternehmern aus der Region aufgenommen", sagt der Landrat der Sächsischen Schweiz/Osterzgebirge, Michael Geisler (CDU). Der Landkreis wolle die Hälfte der Test-Kosten übernehmen, den anderen Teil tragen die Betriebe. Bislang werde dies gut angenommen.

Die Gießerei in Schmiedeberg ist eines der Unternehmen, die das Angebot angenommen hat. Dort werden Gussteile für den Anlagen- und Maschinenbau hergestellt.  An drei Standorten arbeiten insgesamt 350 Mitarbeiter, ein Zehntel von ihnen kommt aus Tschechien. "Die Gelder, die dafür notwendig sind, sind überschaubar hoch", sagt der Geschäftsführer Holger Kappelt. Doch die Frage sei, wie sind die Kosten am Ende wirklich. Der Landrat sprach von 100 Euro für einen Test. Das wären 50 Euro für das Unternehmen. "Dann ist es überschaubar."

Menschen ohne Symptome sollen getestet werden

Doch auch die deutschen Gießerei-Mitarbeiter fänden es nicht schlecht, sich testen zu lassen. "Ich würde wissen wolle, ob man schon Antikörper entwickelt hat", sagt einer der Beschäftigten. Ein anderer: "Für die eigene Gesundheit wäre es gut, zu wissen, ob man infiziert ist, oder nicht. Gerade hier, wo man mit anderen Kollegen zusammen arbeiten muss."

Handwerksbetriebe, Dienstleister oder Gastronomen – viele Firmen haben in der Krise für solche Extrakosten jedoch keinen finanziellen Spielraum mehr. Aber viele Experten fordern seit längerem eine Ausweitung der Tests, um die Ausbreitung des Coronavirus besser nachvollziehen zu können.

Demnächst, so die Absicht der Bundesregierung, sollen die Tests massiv ausgeweitet werden und diese auch präventiv erfolgen. Es sollen also auch Menschen ohne jegliche Symptome getestet werden. Dafür wird gerade ein zweites sogenanntes Bevölkerungsschutzgesetz vorbereitet – mit weitreichenden Folgen: "Das Bundesministerium für Gesundheit kann die gesetzliche Krankenversicherung per Verordnung verpflichten, Tests auf das Coronavirus grundsätzlich zu bezahlen", heißt es auf der Seite des Bundesgesundheitsministeriums.

Krankenkasse: Massentests sind Aufgabe des Staates

"Das finden wir falsch", sagt der Sprecher des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenkassen, Florian Lanz. "Denn immer dann, wenn es um eine konkrete Krankenbehandlung geht, zahlen wir das selbstverständlich." Doch der Schutz vor einer Epidemie mit Massentests sei eine Aufgabe des Staates.

Dieses Bevölkerungsschutzgesetz könnte bereits am Donnerstag im Bundestag beschlossen werden. Die Kosten für solche Massentests sind aktuell völlig unklar. Derzeit sind bis zu einer Million Tests pro Woche möglich. Das wären 60 Millionen Euro. Sollten die Gesetzlichen Kassen diese Kosten alleine tragen müssen, so müssten die Beiträge der Versicherten steigen, befürchtet "Die Linke". "Unserer Meinung nach darf das auf gar keinen Fall geschehen", sagt Linke-Bundestagsabgeordneter Achim Kessler. "Es darf nicht passieren, dass die Kosten der Pandemie auf die kleinen Leute abgewälzt werden."

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 13. Mai 2020 | 20:15 Uhr