Digitaler BER? Corona-Tracing-App lässt auf sich warten

Eine App, die umgehend darüber informiert, wenn man Kontakt mit einem nachweislich Infizierten hatte – das ist die Idee hinter der Corona-Tracing-App. Sie soll eine wirksame Maßnahme im Kampf gegen die Epidemie werden, solange noch kein Impfstoff gefunden ist. Doch wann kommt sie? Manche Stimmen befürchten schon einen "digitalen BER".

Corona-Tracing-App
Die Corona-Datenspende-App des Robert-Koch-Instituts. Bildrechte: dpa

Professor Dr. Gerhard Fettweis war nah dran – an der Corona-App. Der Wissenschaftler der Uni Dresden war maßgeblich an der Entwicklung einer Variante beteiligt. Die Bundesregierung hatte sich Ende April dann aber für eine andere technische Lösung entschieden. "Und jetzt müssen wir leider bis zur zweiten Juni-Hälfte – manche behaupten auch Anfang Juli – warten, sodass wir tatsächlich so eine Lösung lange nicht haben. Je länger wir die nicht haben, desto mehr habe ich Bedenken, dass die Bevölkerung weniger gewillt ist, diese App herunterzuladen." Das sagte Fettweis vergangene Woche im MDR-Corona-Kompass. Und noch etwas:

Ich hoffe, das wird nicht zum zweiten BER.

Gerhard Fettweis, Uni Dresden

Auch FDP spricht vom "digitalen BER"

Der nie fertig werdende Hauptstadtflughafen also. Die Opposition greift ebenfalls zu diesem Bild. Manuel Höferlin, digitalpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, spricht gegenüber MDR AKTUELL von einem "digitalen BER". Das sei bei Digitalprojekten der Bundesregierung leider kein Einzelfall.

So sieht das auch Konstantin von Notz, stellvertretender Vorsitzender der grünen Bundestagsfraktion. "Es irritiert schon, wenn man sieht, dass eben viele andere Länder eine solche App schon haben. Inzwischen wird es gefährlich, dass die App nicht fertig ist, denn sie kann, wenn sie datenschutzkonform und freiwillig ist, wirklich Gutes tun in dieser Pandemie." Der Arbeitsstand in Sachen Corona-Tracing-App sei "nebulös". Und eben weil da so viele drauf warten, wäre es gut, größtmögliche Transparenz herzustellen.

Gesundheitsministerium verspricht App "so schnell wie möglich"

Eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums teilte auf Anfrage von MDR AKTUELL mit, die erste Version der App werde so schnell wie möglich bereitgestellt. Einen genauen Zeitpunkt könne sie noch nicht nennen.

Auch Dr. Ute Teichert wartet auf die App. Sie spricht für Tausende Mitarbeiter der Gesundheitsämter in Deutschland. Also diejenigen, die die Kontakte gerade mühsam nachverfolgen – per Telefon. Die App könne eine sinnvolle Ergänzung sein. Aber: "Wenn man diese App einsetzt, muss man eben wissen, dass die Menschen auch Beratungsbedarf haben. Das muss man gleich mit einplanen. Soll ich mich testen lassen? Was ist mit meiner Familie? Darf ich weiter arbeiten?"

Sie denkt an eine dazugehörige Hotline. Und: an mehr Personal für die Gesundheitsämter. Denn: "Irgendwer muss ja diese Fragen beantworten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die App das allein machen kann." Ute Teichert will die App – aber nur mit Gebrauchsanleitung.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. Mai 2020 | 05:00 Uhr

9 Kommentare

Auf der Sonnenseite des Lebens vor 23 Wochen

Habt ihr das gelesen, oben aus dem Foto?

"... helfen ihre Daten unseren Experten"!

das RKI gehört zum Ministerium und das bekommt keine Daten freiwillig von mir.

Auf der Sonnenseite des Lebens vor 23 Wochen

"Wenn gleich es nicht verkehrt ist sowas in der Hinterhand zu haben, man weiß ja nicht was die Zukunft mit sich bringt"

das stimmt wohl, aber was nützt das, wenn dann diese Daten Missbraucht werden?

Auf der Sonnenseite des Lebens vor 23 Wochen

die App hätte ich mir vorher schon nicht drauf geladen und jetzt, nach dem neuen Infektionsschutzgesetz schon mal garnicht.

Damit können sie jetzt die Unversehrtheit der Wohnung aufheben, ohne richterlichen Beschluss.

Und das kann jeden treffen!!!