Pflegerin spricht mit Seniorin im Rollstuhl
Die Eigenanteile von Pflegebedürftigen steigen kontinuierlich an. Bildrechte: imago/allOver-MEV

Pflegereport DAK will Eigenanteil bei Pflege deutlich begrenzen

Bis 2045 drohen sich die Eigenanteile für Pflegebedürftige von durchschnittlich 660 auf 1.900 Euro zu verdreifachen. Die Krankenkasse DAK fordert daher eine Reform der Pflegeversicherung mit steigenden Steuerzuschüssen.

Pflegerin spricht mit Seniorin im Rollstuhl
Die Eigenanteile von Pflegebedürftigen steigen kontinuierlich an. Bildrechte: imago/allOver-MEV

Die Krankenkasse DAK-Gesundheit hat eine umfassende Reform der Pflegeversicherung gefordert. In ihrem am Mittwoch vorgelegten Konzept schlägt die DAK eine Kombination aus Beitragseinnahmen und Steuerzuschüssen vor. Dadurch soll der permanent steigende Eigenanteil von Pflegebedürftigen für ihre Heimplätze gedeckelt werden.

Gründungsgedanke wird verfehlt

DAK-Vorstandschef Andreas Storm begründete den Vorstoß seiner Krankenkasse damit, dass die vor 25 Jahren eingeführte Pflegeversicherung aktuell ihren Gründungsgedanken verfehle. Dieser habe Menschen vor einem Armutsrisiko bewahren und die Kosten der Pflege fair verteilen sollen. Um dies auch in den kommenden 25 Jahren zu gewährleisten, sei deshalb eine neue Mischfinanzierung mit Steuerzuschüssen nötig.

Wie das Kindergeld ist auch das Pflegegeld eine Sozialleistung mit gesamtgesellschaftlichem Charakter, der eine Steuerfinanzierung rechtfertigt.

Andreas Storm, DAK-Vorstandschef

Vorschlag: Deckelung auf durchschnittlich 450 Euro

Konkret schlägt die DAK vor, den Eigenanteil zu den reinen Pflegekosten zunächst auf einen bundesdurchschnittlichen Sockelbeitrag von monatlich 450 Euro festzulegen. Bis 2045 könnte dieser Eigenanteil entsprechend der Lohnentwicklung dann auf 589 Euro im Monat steigen. Derzeit ist im Bundesschnitt ein Eigenanteil von 662 Euro für die reinen Pflegekosten fällig, je nach Bundesland deutlich mehr oder weniger.

Kosten-Explosion ohne Reform

Ohne Reformen würde sich allein der bundesdurchschnittliche Eigenanteil für die reinen Pflegekosten bis 2045 auf monatlich knapp 1.900 Euro fast verdreifachen. Immer mehr Menschen würden so in die "Fürsorgefalle" geraten, so die DAK-Experten. Übrigens müssen Pflegebedürftige in Deutschland mit den Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie etwaigen Investitionskosten bereits jetzt einen durchschnittlichen Gesamtanteil von 1.874 Euro berappen.

Steigende Steuerzuschüsse gefordert

Miniatur Figuren aller Altersgruppen stehen auf Münzstapeln
Ohne Reform der Pflegeversicherung drohen die Eigenanteile für Versicherte zu explodieren. Bildrechte: imago/Ralph Peters

Hintergrund für die ständig steigenden Eigenanteile der Pflegebedürftigen ist die Tatsache, dass die Pflegeversicherung - anders als die Krankenversicherung - nur einen Teil der Kosten trägt.

Die DAK schlägt vor, die ständige Zunahme der Eigenanteile der Versicherten durch Steuerzuschüsse abzufedern. Laut ihrem Konzept könnte 2021 mit einer Milliarde Euro begonnen werden. Bis zum Jahr 2025 soll der Zuschuss schrittweise auf fünf Milliarden Euro steigen, was dann zehn Prozent der Jahresausgaben in der Pflegeversicherung entspräche. Im Jahr 2045 sollen die Zuschüsse bis zu 25 Prozent der Leistungsausgaben abdecken.

Ruf nach Vollversicherung

Sozialverbänden geht dies aber noch nicht weit genug. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert eine grundlegende Reform, bei der die Pflegeversicherung die gesamten Kosten übernehmen müsse. Zusätzlichen Aufwand für Unterbringung, Verpflegung und Investitionen zahle jeder selbst. Auch der Sozialverband VdK forderte eine Vollversicherung, die sämtliche Kosten der Pflege abdeckt. Dafür brauche es Steuerzuschüsse.

Reaktionen aus der Politik

Gesundheitsminister Jens Spahn will im ersten Halbjahr 2020 Vorschläge zur künftigen Finanzierung vorlegen. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach sich in der "Augsburger Allgemeinen" dafür aus, den Eigenanteil "zu senken und zu deckeln". Linke-Fachpolitikerin Pia Zimmermann forderte gar, den Eigenanteil komplett abzuschaffen. FDP-Expertin Nicole Westig forderte auch beim Thema Pflege noch mehr private Vorsorge als bisher.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 16. Oktober 2019 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Oktober 2019, 17:07 Uhr

8 Kommentare

Jesse Jones vor 4 Wochen

Aber natürlich ist das Geld da. Was denken Sie denn, wer die Heimkosten bei den alten Leuten in den Heimen trägt, die sich den Platz nicht leisten können? Das bezahlt "der Staat", Monat für Monat. Unter Umständen auch Jahr für Jahr oder Jahrzehnt für Jahrzehnt.

Ich finde es auch nicht gut, dass Menschen die nie in ein Sozialsystem eingezahlt haben, etwas daraus ausgezahlt bekommen. Aber sollen die Leute diese Leute dann keinen Pflegeplatz im Altenheim bekommen? Oder wovon hätte der Halle-Attentäter denn sonst leben sollen? Dieser Mensch hat 27 Jahre auch vermutlich nie etwas eingezahlt.

Ansonsten hat die SPD niemanden gezwungen, im Niedriglohnsektor zu arbeiten.

MDR-Team vor 4 Wochen

Hallo Auf der Sonnenseite des Lebens, wir verstehen, dass Ihnen der Umstand unfair erscheint, jedoch weisen wir an dieser Stelle darauf hin, dass es in Deutschland schon seit längerer Zeit Schwierigkeiten mit dem Pflegesystem und der Kostenverteilung gibt. Die Gründe dafür sind unterschiedlich und liegen z.B. auch daran, das immer weniger Menschen der älteren Generationen Nachkommen haben, die die Pflege übernehmen könnten. Auch die berufliche Belastung, Ehelosigkeit oder Scheidung sind Gründe für die steigenden Kosten und die Engpässe in der Pflege. Liebe Grüße aus der MDR.de-Redaktion

Auf der Sonnenseite des Lebens vor 4 Wochen

es werden Mrd über Mrd für einen relativ kleinen Personenkreis ausgegeben, die hier nie gearbeitet haben,

und für arme und kranke die hier ein leben lang und dank der SPD im Niedriglohnsektor gearbeitet haben,

ist kein Geld mehr da.

Was für eine Sauerei.

ps: ich mache mich mal auf den Weg zur Arbeit, mit meinen Diesel, den ich im Moment noch bezahlen kann ;-)