Simson S50
Kommt im April das Aus für den Mopedführerschein mit 15 Jahren? Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Pilotversuch läuft aus Mopedführerschein mit 15 vor dem Aus?

Wer die DDR noch im Teenager-Alter erlebt hat, der kennt es nicht anders: Den Führerschein für Mopeds gab es da generell ab 15 Jahren. Und auch heute kann man dank eines Pilotversuches in den Ost-Bundesländern mit 15 Jahren Moped fahren. Allerdings steht dieser Versuch vor dem Ende. Und das hat mit der verzögerten Regierungsbildung in Berlin zu tun.

von Frank Aischmann, Hauptstadtkorrespondent MDR AKTUELL

Simson S50
Kommt im April das Aus für den Mopedführerschein mit 15 Jahren? Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Schluss mit dem Führerschein-Tourismus", schimpfte die Europäische Union vor über zehn Jahren und verlangte von allen Mitgliedsstaaten, die Regeln für den Führerscheinerwerb anzupassen. Frist: bis 2013. Aber ausgerechnet beim Einstiegsalter blieb der EU-Auftrag schwammig. Ob es nun also ab 14 Jahren oder erst ab 18 Jahren auf das Moped geht, oder weiter ab 16 Jahren - diese Entscheidung überließ Brüssel den einzelnen EU-Mitgliedsstaaten.

Ausnahme-Verordnung für Ost-Bundesländer

Und so wurde der deutsche AM15 geboren. Ursprünglich sollte ab 2013 bundesweit wieder das gelten, was schon in der DDR üblich war - nämlich Mopeds ab 15 Jahren fahren zu dürfen. "Nur das nicht", warnten damals im Bundestag Verkehrsexperten. 15-Jährigen fehle das Verantwortungsbewusstsein - in Österreich seien bei einem ähnlichen Test die Unfallzahlen der jungen Fahrer gestiegen. Also Finger weg.

Aber dann vor fünf Jahren doch noch der Kompromiss per Ausnahme-Verordnung. Der Mopedschein AM15 wurde testweise in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen eingeführt, später kamen Brandenburg und im vergangenen Sommer Mecklenburg-Vorpommern hinzu. "Ein Erfolg", sagt Andreas Grünewald vom Sächsischen Fahrlehrerverband. "Wir konnten nachweisen, dass die Jugendlichen wesentlich besser auf die Anforderungen des modernen Straßenverkehrs vorbereitet werden konnten", so Grünewald.

Frist für Pilotversuch läuft ab

Ein Mann auf einem Motorrad nimmt an einer Fahrstunde der DOSAAF (Voluntary Society of Assistance to Army, Air Force and Navy) Fahrschule teil.
Viele Fahrschüler müssen um den Praxis-Teil ihrer Ausbildung bangen. Bildrechte: dpa

Aber: Die Ausnahmeverordnung von 2013 wurde auf fünf Jahre befristet. Sie endet automatisch am 30. April 2018 - also in zehn Wochen. Und vor fünf Jahren konnte ja niemand ahnen, dass eine Regierungsbildung über vier Monate dauern kann und deshalb das zuständige Bundesverkehrsministerium nur von einem kommissarischen Minister vertreten wird, der offenbar nicht entscheidet. Nachfrage im Bundesverkehrsministerium: Wie geht es weiter mit dem Mopedführerschein ab 15 Jahren? Sprecherin Svenja Friedrich sagt: "Es ist grundsätzlich so, dass erst in Kürze entschieden wird, ob der Pilotversuch fortgeführt wird. Mehr kann ich im Moment nicht dazu sagen."

Fahrschüler bangen um Fortsetzung

Man weiß es also nicht. Logische Konsequenz in Sachsen: Trotz des Erfolgs müssen alle davon ausgehen, dass der AM15 Ende April wohl friedlich entschlafen wird. "Mittlerweile ist es so, dass die Fahrerlaubnisbehörden Anträge überhaupt nicht mehr annehmen. Ein katastrophaler Zustand, weil die Jugendlichen in großer Vielzahl in den Fahrschulen sitzen und ihre Ausbildung, jetzt zum Frühjahrsbeginn, auch im praktischen Teil fortsetzen möchten", bedauert Grünewald.

Ergebnisse unter Verschluss

Eine Resthoffnung für eine rechtzeitige Verlängerung des AM15 durch das zuständige Berliner Ministerium gibt es zwar, aber das entscheidende Gutachten, in dem der 5-Jahres-Versuch ausführlich ausgewertet wurde, ist weiterhin unter Verschluss. Und damit auch die Frage, ob sich der Mopedführerschein mit 15 tatsächlich bewährt hat oder nicht. Fortsetzung folgt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. Februar 2018 | 16:11 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Februar 2018, 10:12 Uhr

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9 Kommentare

16.02.2018 08:20 Fenderl-Keller 9

Unser Sohn mach jetzt in der Ferienfahrschule den Kurs. Hoffen hier noch auf "gutes Wetter" im April für die Praxis. Schlimm ist hier wirklich nur das hin und her der bei den bisherigen Aussagen seitens Verkehrsministerium und einigen Landtagsabgeordneten ( siehe Freie Presse in dieser Woche ). Daraus folgt eine Verunsicherung der betroffenen Eltern, Jugendlichen und der Fahrschulen.

15.02.2018 20:19 lausbub 8

@Nr. 7: Ich war auch gelernter DDR-Bürger und durfte nach der Jugendweihe Moped fahren. Heute lebe ich im Westen der Republik und habe beruflich in der Nähe einer Schule zu tun. Sie sollten mal sehen, wie die Jugendlichen mit ihren Rollern fahren. Die Variomatik frisiert, ohne Helm, zu dritt auf der Sitzbank und die Fahrbahn verwechseln sie mit einer Zirkus-Arena (Stichwort Wheely). Sicher, es gibt auch junge Fahrer, die sich benehmen können. Bei der Mehrzahl der Teenager habe ich aber begründete Zweifel an deren Verantwortungsbewusstsein. Erinnern Sie sich mal: Den Mopedführerschein gab's in der DDR bei der GST. Insgesamt war die DDR-Jugend straff geführt und an kurzer Leine. Da konnte man das Fahren mit 15 durchaus verantworten. Aber heute?

15.02.2018 17:54 Michael 7

Lieber Lausbub
Ob sich das jemand leisten kann oder nicht sollte wohl kaum ein Kriterium dafür sein ob dieser Versuch sinnvoll ist oder nicht.
Ich gehöre zu den ehemaligen DDR Bürgern (61er) welche das Glück hatten schon mit 15 Moped fahren zu dürfen. Dies hat mir sehr geholfen Fahrerfahrungen zu sammeln. Dazu kommt Ihre aus meiner Sicht doch sehr überhebliche Einschätzung das den jungen Menschen die Reife fehlt um ein Fahrzeug zu führen. Wo sollen Sie Diese denn erwerben ? Ich persönlich wünsche mir das diese Regelung flächendeckend eingeführt wird. Schließlich darf auch jeder ohne Führerschein mit einem Rennrad durch Deutschland fahren. Und das ohne Kennzeichen. Da frage ich mich schon was besser ist.

15.02.2018 16:20 lausbub 6

@Nr. 3: Offensichtlich gehören Sie zu denen, die sich diese Kosten ohne weiteres leisten können. Anderenfalls hätten Sie Ihren Sprössling ja davon überzeugt, dass er nur ein Jahr später auch gleich die Fahrerlaubnis A1 für Leichtkrafträder erwerben kann. Das kostet nur einige € mehr. Und denken Sie mal weiter: Später möchte er bestimmt auch einen Pkw und/oder "richtige" Motorräder fahren. Mit dem Führerschein der Klasse AM wird er sich bestimmt nicht zufrieden geben. Das Geld für die Klasse AM haben Sie also längst zum Fenster heraus geworfen. Warum trauern Sie da jetzt noch dem verschwendeten Geld nach?

15.02.2018 15:28 lausbub 5

Der Modellversuch AM15 sollte beendet werden. Den jungen Fahrern fehlt fast immer die charakterliche Reife als verantwortungsbewusste Fahrzeugführer. Eine richtige Ausbildung gibt es für diese Fahrerlaubnisklasse auch nicht. In vielen Fahrschulen sind höchstens 5 praktische Übungsstunden von je 45 Minuten mit einem Roller die Regel. Grundfahraufgaben oder Sonderfahrten werden nicht gefordert. Und dann lässt man 15-Jährige mit einem "Simson"-Moped und einer Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h in den Straßenverkehr? In der DDR war das so geregelt, es wurde aber wesentlich strenger umgesetzt und kontrolliert. Die "Volkspolizei" hatte die jungen Mopedfahrer stets im Blick und wer negativ auffiel, war die "Fleppen" auch ganz schnell wieder los. Und heute? Die Polizei wird der frisierten Zweiräder nicht Herr. Also max. 45 km/h und 16 Jahre Mindestalter sind schon richtig. Wer schneller fahren möchte: Mit etwas Geduld und ordentlicher Ausbildung später die Klassen A und B erwerben.

15.02.2018 12:52 Räudiger Hund 4

#1.: Rechtsabbiegepfeil, wenn's recht ist. Ich hoffe, da stand bei diesem Post nicht die Gesinnung Pate... :-/

15.02.2018 11:07 Marco 3

Da frage ich mich (bin selbst als Elternteil betroffen) was aus den Kosten wird, die der Führerschein bisher verschlungen hat. Bei uns sind das bisher knapp 400€. Werden diese vom Bund übernommen?
Eine logische Konsequenz der langen "Regierungsbildungszeit" unserer hochgeschätzten und hochbezahlten Politik-Elite kann in dieser Hinsicht ausschließlich sein, daß das "Projekt" AM15 so lange weitergeführt wird, bis die neue Regierung auswerten und entscheiden kann!

15.02.2018 09:50 Merkelmussweg 2.0 2

Dieser Schwachsinn aus der EU ,die uns nur bevormundet u. reguliert, früher fuhr man auch mit eben so einen Moped noch 65 km/h , nach dem
EU-Käse wurden diese Kräder alle auf 45km/h herunter geregelt , auf so eine erweiterte Gehhilfe , mit der man kaum noch vom Fleck kommt , kann man dann auch ganz verzichten.

14.02.2018 20:38 Sven Fischer 1

Erst kam der Linksabbiegepfeil weg- er ist wieder da,
dann folgten die Polikliniken- wieder da MVZ`s,
und jetzt der Mopedführerschein mit 15 weg ???