Debatte Fragen und Fakten zum Tempolimit

Die Debatte um ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen ist erneut entbrannt: Auslöser waren Expertenvorschläge, die jedoch schnell auf Ablehnung trafen. Das Thema spaltet Deutschland, wie MDR-Umfragen zeigen. Doch um wieviele Autobahnkilometer geht es eigentlich?

Die Diskussion um ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen ist neu entflammt - dieses Mal unter dem Aspekt des Umweltschutzes. Sachverständige haben im Auftrag der Bundesregierung ein Ideenpapier zur Zukunft der Mobilität erstellt und darin unter anderem ein Tempolimit von 130 auf Autobahnen vorgeschlagen. Das Bundesverkehrsministerium lehnte den Vorstoß rasch und entschieden ab.

Expertin: Tempolimit nur ein Baustein von vielen

Wie die Sachverständige Claudia Kemfert im Interview mit MDR AKTUELL erklärte, hat das Tempolimit in dem Konzept der Experten für Umweltfragen nicht die oberste Priorität und es dürfe auch nicht einzeln gesehen werden, sondern müsse eingebettet werden in eine Vielzahl von Instrumenten, angefangen von der stärkeren Förderung der Elektromobilität, der Einführung einer blauen Plakette oder der Erhöhung der Dieselsteuer und vielen anderen Möglichkeiten.

Wir schützen das Klima ein wenig, wenn wir nicht mehr rasen.

Claudia Kemfert vom Sachverständigerat für Umweltfragen

Zugleich verwies die Sachverständige darauf, dass mit Tempo 130 auf Autobahnen rund drei Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr eingespart werden könnten. Das seien etwa neun Prozent Emissionsminderung. "Für ein einzelnes Instrument ist das das sehr viel", sagte Kemfert.

Auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat sich in die Debatte eingeschaltet und ihre Forderung nach Tempo 120 auf Autobahnen bekräftigt.

Thema spaltet Deutschland

Entschieden ist laut Bundesregierung noch nichts. Das Thema spaltet Deutschland, die Debatte ist emotional, wie Hörer-Beiträge für MDR AKTUELL belegen.

Doch um wieviele Autobahn-Kilometer geht es eigentlich?

Nach Angaben der Bundesanstalt für Straßenwesen gab es im Jahr 2015 auf rund 70 Prozent der Fahrbahnen auf Bundesautobahnen kein Tempolimit. Anders ausgedrückt: Auf rund 25.800 Autobahnkilometern galt (Stand 2015) auf etwa 7.600 eine Geschwindigkeitsbegrenzung.

In Mitteldeutschland ist das Verhältnis ähnlich: Nach Berechnungen des MDR-Wirtschaftsmagazins Umschau auf Grundlage von Daten aus den jeweiligen Länderverkehrsministerien beträgt der Anteil der Autobahnkilometer ohne Tempolimit in Sachsen 76 Prozent, in Sachsen-Anhalt 79 Prozent und in Thüringen 81 Prozent.

Fakten zum Tempolimit

  • Deutschland ist das einzige Land in Europa und der einzige Industriestaat der Welt, der das Rasen auf Autobahnen nicht grundsätzlich verbietet, sondern nur streckenweise untersagt.
  • Auf Autobahnabschnitten ohne Tempolimit kamen 2016 fast 50 Prozent mehr Menschen pro Autobahnkilometer ums Leben als auf Strecken mit Tempolimit.
  • Die Zahl der Unfälle nimmt mit sinkender zulässiger Geschwindigkeit ab.
  • 60 Prozent aller tödlichen Unfälle passieren auf Landstraßen, auf denen bereits ein Tempolimit gilt.
  • Schwedischen Studie zufolge reduzieren Tempolimits den Schadstoffausstoß nachweisbar, machen Autofahrer aber aggressiv.
  • Wer auf Autobahnen ohne Tempolimit sehr schnell unterwegs ist, riskiert bei einem Unfall eine Mithaftung von mindestens 30 Prozent.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Januar 2019 | 10:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Januar 2019, 18:50 Uhr

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61 Kommentare

24.01.2019 18:55 nasowasaberauch 61

Warum soll es nicht möglich sein auf einer freien Strecke wie z.B. auf der A72 Chemnitz - Leipzig schneller als 130 km/h zu fahren. Wo es möglich ist soll doch jeder fahren wie er es verantworten kann. Überprüfenswert ist auch die Beschilderung auf manchen Autobahnabschnitten bezüglich der zu sprunghaften Angaben. Da ist es doch besser eine Begrenzung beizubehalten wenn nach der Freigabe in 3 km das nächste Begrenzugsschild steht. Außerdem finde ich linksfahrende Oberlehrer ohne Rückspiegel und Schieber, die dann mit plus 5 km/h überholen und den zu überholenden einklemmen nerviger als Schnellfahrer. Die sind wacher bei ihrer Fahrweise.

24.01.2019 15:50 vino 60

Die vielen guten Kommentare sind für mich sehr Aufschlussreich, nur weiß ich nicht welche seite da recht hat. Ich selber fahre einen PKW der bei einer Geschwindigkeit von 110 km/h sehr leise läuft bei 125km/h bis 135km/h wird er sehr laut und der Motor läuft unruhig , bei einer Geschwindigkeit von 140 bis 150 km/h läuft er eigenartiger weise wieder sehr leise und ruhig. Ich hoffe das mir nun nicht wieder ein sehr schlauer Kommentarschreiber den Vorschlag macht in zukunft den grünen Autobus zu nutzen.

24.01.2019 15:41 Hant... 59

Ich bin mir bei den Kommentaren hier nicht sicher wie viele Kommentatoren häufig auf der Autobahnunterwegs sind. Ich nutze die Autobahn sehr viel und kann aus Erfahrung berichten. Pendler werden immer versuchen so Kostensparend wie möglich unterwegs zu sein, da fährt keiner mit 200 zur Arbeitsstelle. Somit ist eine Erhöhung aller geplanten Kosten eine Belastung für die Pendler und das Geld wird ihnen aus der Tasche gezogen. Einsparung der Umweltbelastung = 0. Die Personen welche schneller fahren sind mittlerweile in der Unterzahl, dies ist bedingt durch den Verkehrsfluss. Verrückte, welche sich durch den Verkehr drängeln wird es auch bei einer Begrenzung der Geschwindigkeit geben. Die ganz wenigen die übrig sind und schnell fahren können sollen es auch dürfen. Die Gefahr geht hier meist von rücksichtslosen 120Kmh Dauerlinksfahren und LKW´s aus. Viel Unfälle sind auf dem Land/Städten

24.01.2019 10:50 Fragender Rentner 58

Ich fordere 125 oder 135 kmh. :-)

Man kann sich doch schließlich einigen auf etwas wie bei einem Koaliotionsvertrag oder nicht?

24.01.2019 09:02 H.E. 57

Ich war schon immer für die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 130 km, aber nicht aus Umweltschutzgründen wie die Deutsche Umwelthilfe meint, sondern weil ich die Raserei von einigen als Sicherheitsrisiko für die anderen, die sich anständig auf den Autobahnen benehmen, ansehe.
Natürlich wäre dann der Umweltschutz ein zusätzlicher Nebeneffekt.

23.01.2019 20:18 goffman 56

Nachteile Tempolimit:
1. Fahrer, die derzeit schneller fahren müssen mehr Zeit einplanen und brauchen mehr Geduld.
2. Große, kraftvolle Motoren werden unattraktiver - ein Problem für deutsche Autohersteller da sich diese u. A. damit von ausländischer Konkurrenz abheben.
Vorteile:
1. Fahrer die jetzt schon so langsam fahren, fahren mit Tempolimit entspannter.
2. Es gibt weniger und weniger schwere Unfälle.
3. Es gibt weniger Staus.
4. Es wird weniger Benzin verbrannt - gut für die Umwelt und den Benzinpreis.
5. Kleine, umweltschonende Motoren werden auch in Deutschland attraktiver - Zwang für die deutsche Autoindustrie in diese Richtung zu entwickeln. Das ist für die Gesellschaft langfristig von Vorteil, da die Entwicklung im Ausland ohnehin in diese Richtung geht und wir somit auch zukünftig wettbewerbsfähig bleiben.

Was für die Gesellschaft besser ist, ist doch wohl eindeutig. Wir sind das Volk! ;-)

23.01.2019 16:53 Fragender Rentner 55

Wenn man einen SUV oder größer fährt, wer will da schon mit einer straffen 130 kmh über die Autobahn düsen??? :-)))

Oder so manchen Geschäftsmann den man im Fernseher zu sehen bekam, die sind sehr empört.

23.01.2019 15:24 Denkschnecke 54

@53 Wo geht es hin?
Sie biegen sich den Artikel dahin, wo Sie ihn gerne hätten, und kritisieren dann, dass davon nicht alles erwähnt wird. Erst mal steht da, dass ein Tempolimit den Schadstoffausstoß (zu dem NOx, CO2 und Feinstaub nun mal zählen) reduziert. Dann, dass es nicht nur ums Klima geht, sondern auch um Unfälle und darum, dass ohnehin große Strecken beschränkt sind. Ja, es gibt eine wissenschaftl. DISKUSSION, wie schädlich NOx und Feinstaub sind. (Wobei das bei Feinstaub aber kaum zweifelhaft ist, bei Rauchern aber der Verkehrs-Feinstaub praktisch nicht ins Gewicht fällt.) Eine "CO2-Lüge" gibt es nicht - aber eine Beschleunigung des Treibhauseffekts durch Feinstaub ist erwiesen.

23.01.2019 14:29 Wo geht es hin? 53

Fragen und Fakten nennt sich dieser Artikel hier. Ich habe eine Frage: warum kann ich hier nirgends von der Kritik von über 100 führenden Pneumologen lesen und deren Argumente gegen die von der DHU auch hier beim MDR publizierten Horroszenarien gegenüberstellen? Sieht so ausgewogene Berichterstattung aus oder soll unter allen Umständen die CO2 und Stickstofflüge aufrecht erhalten werden? Denn offiziell geht es doch beim Tempolimit vordergründig um die Umwelt - oder etwa doch nicht?

23.01.2019 12:49 Jenaer 52

@ Hossa (39): Wo nehmen Sie denn Ihre kruden Theorien her? Der Bremsweg für ein 200km/h schnell fahrendes Auto bei einer Gefahrenbremsung beträgt inklusive Reaktionsweg 260m. Ist dieser Umstand nicht Gefahr genug? Hauptunfallursache für Unfälle mit Todesfolge in Deutschland ist überhöhte Geschwindigkeit.