Auf dem Bildschirm eines Laptops ist der Binärcode zu sehen.
Unbekannte haben persönliche Daten von hunderten Politikern und Prominenten offengelegt. Noch ist unklar, wer hinter dem Datendiebstahl steckt. Bildrechte: dpa

Datenleck Cyber-Sicherheitsrat schlägt Alarm

Der Cyber-Sicherheitsrat Deutschland hat nach der illegalen Veröffentlichung von persönlicher Daten hunderter Politiker und Prominenter eine Ausweitung der Maßnahmen zur Netzsicherheit gefordert. Der Appell richtet sich an soziale Netzwerke und Messengerdienste ebenso wie an die Politik. So müsse das Netzwerkdurchsetzungsgesetz angepasst werden. In der Kritik steht auch das Bundesamt für Informationssicherheit, weil es so spät über das Datenleck informierte.  

Auf dem Bildschirm eines Laptops ist der Binärcode zu sehen.
Unbekannte haben persönliche Daten von hunderten Politikern und Prominenten offengelegt. Noch ist unklar, wer hinter dem Datendiebstahl steckt. Bildrechte: dpa

Der Verein Cyber-Sicherheitsrat Deutschland hat nach dem Hackerangriff auf Hunderte Politiker und Prominente schärfere Netzsicherheitsmaßnahmen gefordert. Ziel müsse sein, Angriffe schneller zu entdecken sowie Cyberkriminelle effektiv zu identifizieren und strafrechtlich verfolgen zu können, sagte Sicherheitsrats-Präsident Hans-Wilhelm Dünn.

Dünn mahnt in der "Rheinischen Post", der Vorfall zeige die Risiken der weltweiten Vernetzung. Das gelte neben der Wirtschaft auch für politische Systeme und insbesondere Demokratien sowie die gesamte Gesellschaft. Er rief die Betreiber von sozialen Netzwerken, Messengerdiensten und Mikrobloggingplattformen auf, Daten besser zu schützen.

Cyber-Sicherheitsrat Der Cyber-Sicherheitsrat Deutschland e.V. wurde im August 2012 in Berlin gegründet. Er ist politisch neutral und berät Unternehmen, Behörden und Politik im Bereich Netzsicherheit.

Mitglieder sind große und mittelständische Unternehmen, Betreiber kritischer Infrastrukturen, mehrere Bundesländer und Kommunen sowie Experten und Politiker mit Bezug zum Thema. Ziel ist der Aufbau eines Wissensforums und deutschlandweiten Cyber-Sicherheitsnetzwerks.

NetzDG schon überholt?

Daneben sieht der Cyber-Sicherheitsrat Deutschland auch die Politik gefordert. Dünn sprach sich für eine Erweiterung des sogenannten Netzwerkdurchsetzungsgesetzes (NetzDG) aus. Mit der Veröffentlichung der ersten Unterlagen über einen Account mit mehreren Tausend Followern wäre eine Art Frühwarnmechanismus wünschenswert gewesen.

Konstantin von Notz
Der Grünen-Innenpolitiker Konstantin von Notz. Bildrechte: IMAGO

Das seit 1. Januar geltende NetzDG schreibt vor, dass Online-Plattformen klar strafbare Inhalte binnen 24 Stunden nach einem Hinweis löschen müssen – und in weniger eindeutigen Fällen eine Woche Zeit haben.

Ähnlich äußerte sich der Grünen-Politiker Konstantin von Notz, der selbst Opfer des Datendiebstahls wurde. Zur Verantwortung des Staates gehöre es, Internetkonzernen Leitplanken zu setzen und eine Verschlüsselung von Daten zum Standard zu machen.

IT-Sicherheit ist für eine Demokratie im Zeitalter der Digitalisierung konstituierend.

Grünen-Politiker Konstantin von Notz

Am Donnerstagabend war bekannt geworden, dass ein Unbekannter über ein Twitter-Konto im Dezember massenweise persönliche Daten veröffentlicht hat, darunter Handynummern und private Chat-Protokolle. Betroffen sind hunderte Politiker aller Parteien, mit Ausnahme der AfD, sowie Künstler, Moderatoren, Journalisten und Youtuber. Prominente Namen sind Jan Böhmermann, Oliver Welke, Til Schweiger sowie die Musiker Marteria und Casper.

Kritik am BSI

Fragen wirft auch das zögerliche Agieren des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) auf. Wie bekannt wurde, hat das Amt bereits seit Wochen von dem massiven Datendiebstahl gewusst – doch selbst das Bundeskriminalamt erfuhr nach eigener Darstellung davon erst in der Nacht zum Freitag.

Der FDP-Digitalpolitiker Manuel Höferlin forderte eine Überprüfung der Informationspolitik der Behörde. Der Linke-Abgeordnete André Hahn kritisierte, dass er solche Dinge zum wiederholten Male aus den Medien erfahre, obwohl er Mitglied im Parlamentarischen Kontrollgremium und im Innenausschuss des Bundestages sei.

CDU-Fraktionsvize Thorsten Frei sieht den Vorfall als Beleg dafür, wie fahrlässig Deutschland mit dem Thema Datensicherheit umgehe. Während die USA 2017 für die Cyber-Sicherheit rund 20 Milliarden Euro ausgegeben hätten, müsse das deutsche BSI mit rund 110 Millionen Euro auskommen, sagte Frei der "Stuttgarter Zeitung".

Grüne stellen Strafanzeige

Die Grünen-Fraktion hat im Namen mehrerer Abgeordneter wegen der illegalen Veröffentlichung von persönlichen Daten im Internet Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet. An der Aufklärung sind neben dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik auch Bundeskriminalamt, Verfassungsschutz, Bundesnachrichtendienst und Bundespolizei beteiligt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. Januar 2019 | 08:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Januar 2019, 08:23 Uhr

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37 Kommentare

06.01.2019 22:25 Wessi 37

@ 35 Sie schaffen es nicht..!Also: Sie meinen, man dürfte sie ruhig ausspionieren, da Sie nichts zu verbergen hätten.Richtig? Wollten sie ausdrücken, daß die jetzt ausgeforschten nicht fleissig arbeiten?Pauschal?Nur die nicht ausgeforschten?Die am Anfang behaupteten sie wären immer 100% präsent im Plenarsaal?Und was ist mit Ihrem letzten Satz in @ 27?Gegenfrage: wieviel kennen sie aus "diesen Kreisen"?Genau so dumm als WÜRDE ich sagen "alle AG sind faul+ziehen den Normalbürgern die Kohle ab".

06.01.2019 21:01 Hans 36

Wir sollten mehr Geld für die Sicherheit im Netz ausgeben! Ich bin da völlig überfordert. Aber, Sicherheit für Alle!

06.01.2019 19:30 Wo geht es hin? 35

@Wessi - Zitat von Ihnen: "Und Studenten als faul zu diskreditieren, nur weil sie vllt. Antifa sind..." Zitat Ende. Was stimmt mit Ihnen bloß nicht? WO bitte habe ich irgend etwas von "faulen Studenten" geschrieben? Oder von Anwälten? Und die Antifa haben SIE in`s Spiel gebracht - NICHT ICH! Und was haben die Spendenaffaire oder meine Geschäftspartner jetzt konkret hier mit dem Thema zu tun? Sie werden immer wunderlicher...

[Liebe User, bitte bleiben Sie beim Thema. Kommentare ohne Bezug zum Thema des Artikels werden entsprechend unserer Kommentarrichtlinien (http://www.mdr.de/service/kommentarrichtlinien100.html ) nicht freigegeben. Ihre MDR.de-Redaktion

06.01.2019 13:53 Wessi 34

@ 27 Mit dem "nicht arbeiten" haben sie tw. Recht, allerdings was "hacking", "doxing" und auch Anwälte anbelangt (so die Presse über die "RT.Flora") stimmt das nicht.Und Studenten als faul zu diskreditieren, nur weil sie vllt. Antifa sind...!Mag bei Ihnen ja alles i.O. sein, aber es gibt auch andere.Wissen Sie z.B.,daß Ihre Geschäftspartner alle 100%-Ehrenmänner sind? Und ich gestehe: vor der AfD-Spendenaffaire dachte ich, daß Menschen d.heute eine Partei neu gründen aus Fehlern der anderen gelernt hätten.....! @ 26....die gewählte Mehrheit.Und das ist gut so.

06.01.2019 12:44 NRW-18 33

@ 30 Ricarda
Mag sein, dass Sie bisher bei kleinen kriminellen Hackern Glück hatten. Dafür sind alle Ihre Daten im NSA-Data-Center im US-Staat Utah gespeichert. Wer darauf Zugriff hat oder haben wird, weiß kaum jemand.
Tatsache ist auf jeden Fall, dass Sie die gewollte Bargeldabschaffung samt Negativverzinsung auf Guthaben beschleunigen und der total gläserne Mensch irgendwann Realität wird, weil manche Leute alles so schön bequem haben möchten.

06.01.2019 12:15 nasowasaberauch 32

Sie können das digitale Wasser nicht halten und müssen jeden Mist posten oder twittern. Wem wundert es dann, dass sie Zielscheibe von Angreifern werden und bloßgestellt werden. Soso, einer führt ein Doppelleben und einer interessiert sich für Pornoseiten. Es sind halt auch nur Menschen mit Fehlern. Ein Narr ist, wer von ihnen mehr erwartet hat. Der jetzt so beschworenen Demokratie wäre es dienlich gewesen, wenn der Eingriff des ZPS in die Persönlichkeitsrechte der Demonstranten von Chemnitz auch so einen Wirbel verursacht hätte. So bleibt es dabei, manche sind vor dem Grundgesetz gleicher als gleich.

06.01.2019 10:52 Bingo 31

In Deutschland wird immer erst Alarm geschlagen wenn es zu spät ist. Wem haben wir das zu verdanken ?? Unseren "Schläfern", auf den zuständigen Behörden.

06.01.2019 00:56 Ricarda 30

bei normalen Demokraten lohnt sich das für Hecker nicht. Wir machen seit BTX -Zeiten Onlinebanking, ohne Probleme. Im Gegenteil es war umständlicher und früher nicht so verschlüsselt, zahlen 80% mit Kreditkarten ca. 15% mit Handy und noch 5% Bar am Hausschlachtefleischerauto. Der hat kein Lesegerät und noch nie irgendwelche Probleme und selstverständlich bestellen wir mehr als 50% im Internet zahlen sicher wo es angeboten wird mit Paypal - da gibt es keine Probleme.

06.01.2019 00:43 Lügendetektor 29

"Betroffen sind hunderte Politiker aller Parteien, mit Ausnahme der AfD"

Das kann nicht sein! Social Media Accounts von Mitgliedern dieser Partei, die doch so sehr auf dem Boden des Grundgesetzes steht, werden doch augenscheinlich schon seit vielen Jahren regelmäßig gehackt. Wie sonst sind die ganzen rassistischen Tweets, die Relativierungen des Holocaust, die Leugnung des Klimawandels (gar des Treibhauseffekts *gröhl*) oder andere grundgesetzwidrige Ergüsse, wie die Forderung nach der Einführung der Todesstrafe, zu erklären? Das scheint mir zudem eine sehr fortschrittliche Methode zu sein. Direkt ins Hirn gehackt(kein Tippfehler!).

05.01.2019 20:16 Fragender Rentner 28

Unsere Politiker mit ihren Beamten, schaffen das.