Bundespolizist mit Bodycam
Bundespolizist mit Bodycam - die sensiblen Daten werden auf Servern von Amazon gespeichert. Bildrechte: dpa

Polizeidaten in Amazon-Cloud Datenschutzbeauftragter fordert Wechsel zu deutschem Anbieter

Die Bundespolizei speichert Bodycam-Aufnahmen von Einsätzen beim US-Internetriesen Amazon - obwohl inzwischen auch deutsche Anbieter sichere Server anbieten. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Kelber macht nun Druck.

Bundespolizist mit Bodycam
Bundespolizist mit Bodycam - die sensiblen Daten werden auf Servern von Amazon gespeichert. Bildrechte: dpa

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber hat Forderungen bekräftigt, die Speicherung von Bodycam-Aufnahmen der Bundespolizei auf Amazon-Servern zu stoppen und zu einem deutschen Cloud-Anbieter zu wechseln.

Der SPD-Politiker sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung“, er habe Bundespolizei und Innenministerium bereits 2018 ermahnt, dass er die Speicherung sensibler Polizeidaten bei Amazon für rechtswidrig halte.

Ein Zugriff von US-Behörden auf die Bodycam-Daten könne nicht ausgeschlossen werden, warnte der Datenschutzbeauftragte. Seiner Kenntnis nach werden die Daten in der Amazon-Cloud bearbeitet und müssen dafür entschlüsselt werden.

Im Ergebnis muss die Bundespolizei daher zwingend das aktuell praktizierte Verfahren umstellen.

Bundesdatenschutzbeauftragter Ulrich Kerber (SPD)

Bislang kein Wechsel zu deutschem Anbieter

Bundesdatenschutzbeauftragter Ulrich Kelber (SPD)
Bundesdatenschutzbeauftragter Ulrich Kelber (SPD) Bildrechte: dpa

Die "Neue Osnabrücker Zeitung" hatte Anfang März berichtet, dass die Bundespolizei Einsatzaufnahmen von Körperkameras auf Servern des Internetriesen Amazon speichert. Das Bundespolizeipräsidium begründete das damit, dass der US-Anbieter der einzige sei, der in Deutschland eine entsprechende vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik zertifizierte Cloudlösung zur Verfügung stelle.

Inzwischen räumte die Bundesregierung ein, dass es auch andere Anbieter mit der notwendigen Zertifizierung gebe - darunter auch deutsche wie Telekom und SAP. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz sagte der Zeitung: "Es wäre ein Leichtes gewesen, einen deutschen Anbieter zu wählen." Er bemängelte "fehlende Sensibilität“.

Körperkameras sollen mögliche Angreifer abschrecken. Zugleich können die Aufnahmen helfen, Straftäter zu identifizieren.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. März 2019 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. März 2019, 07:39 Uhr

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16 Kommentare

26.03.2019 05:23 Gerd Müller 16

manches will frau nicht so genau wissen - meinten schon urgroßeltern wenn es um die wurst ging da viele sonst weder fleischer noch gastwirte glaubten schenken - mit blauäugigem grundvertrauen lebt es sich leichter

25.03.2019 17:44 Jakob 15

@8 (Max): Sie können mein Argument nicht einfach dadurch vom Tisch fegen, dass Sie mir pauschal die Sachkompetenz absprechen. Mein Argument ist, dass die amerikanischen Sicherheitsbehörden eh auf Alles Zugriff haben. Und es deshalb keinen Unterschied macht, ob es eine deutsche oder eine amerikanische Cloud ist, in der eine deutsche Behörde ihre Daten speichert. Warum also nicht einfach eine Lösung wählen, die vom BSI zertifiziert ist und als sicher befunden wurde? Das hat die Bundespolizei gemacht. Und wenn diese Lösung sogar noch kostengünstiger ist als eine deutsche, so wie Sie das behaupten, dann applaudiere ich der Bundespolizei für ihren sparsamen Umgang mit dem Geld der Steuerzahler. Dass man sich gegen die NSA durch sicherheitstechnische Aufrüstung schützen könnte, halte ich für eine Illusion. Aber wissen tu ich es nicht. Denn ich bin tatsächlich kein Experte in der Materie.

25.03.2019 16:41 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 14

Eine kurze Suchmaschinenanfrage bestätigt, daß AWS seinen Hauptfirmensitz in der USA hat. Zwar ist dieser Dienst vom BSI zertifiziert, bleibt jedoch weiterhin ein "gewerblicher Anbieter", was meiner Ansicht nach ein 'NoGo' für die Speicherung von "staatlich erhobenen Daten" darstellt - noch dazu, wenn die Daten zur Bearbeitung in der Cloud entschlüsselt werden.

Für eine eigene Umsetzung einer 'Cloud' braucht die Bundespolizei entsprechende Expertise, was bedingt, daß diese selbst geschaffen wird... Ich bezweifle, daß sich viele "wirkliche Experten auf diesem Gebiet" aus der freien Wirtschaft der Bundespolizei 'andienen' wollen.

25.03.2019 15:06 Bernd Bayer 13

Geld spielt meiner Meinung nach nur zweitrangig eine Rolle. Stichwort CLOUD-Act: Das Gesetz sieht vor, US-Ermittlungsbehörden den Zugriff auf Daten zu erlauben, die von US-Unternehmen wie beispielweise Microsoft, Facebook, Instagram und eben Amazon im Ausland gespeichert werden. Europa partizipiert und schiebt seine Verantwortung weiter. Das ist kein Unfall.

25.03.2019 14:54 Mediator 12

Dumm nur, dass der Amazon-Cloud Service aktuell der einzige Anbieter ist, der gemäß der vom BSI geforderten Sicherheitsstandards zertifiziert ist.

Bevor man also fordert, dass etwas zu einem deutschen Anbieter umgezogen wird sollte man sich erst einmal erkundigen, ob deutsche Anbieter das überhaupt KÖNNEN.

Mit können meine ich die standards einhalten und nicht einfach irgendwas irgendwie auf einem Cloudserver abzuspeichern.

25.03.2019 14:37 nasowasaberauch 11

So wie ich es verstanden habe werden die Daten verschlüsselt abgelegt und die Zugänge sind geschützt. Eine absolute Datensicherheit gibt es nicht, aber es muss für so einen Aufwand der Datenspionage ein fundamentales Interesse vorliegen und da habe ich Zweifel, ob die Bodycam Aufnahmen so interessant sind. Außerdem benehmen wir uns alle anständig, dann sieht der NSA, KGB, BND usw. nur schwarz.

25.03.2019 14:21 Username vergeben 10

Wie kann man sensible Daten bei einem privaten Unternehmen speichern lassen und dann noch einem wie Amazon?
Nicht nur das Amazon seine MitarbeiterInnen wie Sklaven behandelt und trotz Milliardengewinnen keinen einzigen Cent Steuern in Deutschland zahlt, nun schenkt man dem Internetriesen noch mehr Daten, als er ohnehin schon besitzt.
Wer glaubt das sie dort in guten Händen sind, kann dann auch dem Hütchenspieler am Bahnhof seine Geldbörse anvertrauen.

25.03.2019 13:39 Max W. 9

@25.03.2019 09:09 Bernd Bayer (Jedem sollte klar sein, warum die Daten auf einem us-amerikanischen Server (auch in Deutschland) gespeichert werden. Der lästige Datenschutz kann so erfolgreich ausgehebelt, die Verantwortung weitergegeben werden.)

Auch das ist Unsinn. Die US-Serverfarmen sind einfach billiger und grösser. Zu deutsch: Auch daran hapert es in Schland. Hinzu kommt eine geradezu kriminelle Ahnungslosigkeit der "Geschäftsführungen".

Derartig dilettantischen Umgang mit sensiblen Daten können sie auch in dt. Unternehmen regelmässig vorfinden. Da wird dann verlangt, Daten bei 1&2 zu hosten, weil eine darauf spezialisierte Firma zu "teuer" und "das ja alles dasselbe" sei. Selbst erlebt übrigens.

Das kommt (u. a.) davon, wenn Leute nach Papierlage und Parteibuch eingestellt werden und nicht nach selbstdenkender Kompetenz und Biografie.

25.03.2019 13:32 Max W. 8

@25.03.2019 08:02 Jakob (Die NSA kann sogar in Echtzeit verfolgen, wenn der Bundesdatenschutzbeauftragte seinen cafe latte per Paywave bezahlt. [...] Irgendwie verbreiten diese Datenschutzbeaufrtagten nur Hysterie und Paranoia.)

Ihre Kompetenz ist beeindruckend - allerdings nur für Leute, die noch weniger Ahnung von der Sache haben...

Wir spechen hier nicht von Echelon oder ähnlichen Systemen, sondern von Datenbanken und deren Betreibern - also vulgo: "Lagern". Was sie hier - übrigens falsch - "schildern", hat damit nichts zu tun. Die Schweinerei liegt darin, dass "unsere Bundesregierung" sensible Daten dort lagert, wo der Preis verm. am "günstigsten ist, OHNE die nationalen Sicherheitsinteressen auch nur zu bedenken. Das ist genau dieselbe Kleinleuteimmerüberfordert-Schlamperei, die uns in "Flüchtlngs"-, Militär-, Wirtschafts-, Bildungspolitik und inzwischen faktisch überall entgegentritt. Schland eben.

25.03.2019 13:19 Karol 7

Einem Medienbericht zufolge verfügen sowohl die NSA als auch der britische Nachrichtendienst GCHQ über Zugänge zum Telekom- und Netcologne-Netz. Das soll aus Dokumenten von Edward Snowden hervorgehen.

Quelle: Handelsblatt 14.09.2014