Demonstranten halten ein Banner «Stoppt das Sterben im Mittelmeer».
Demonstranten halten in Berlin ein Banner "Stoppt das Sterben im Mittelmeer". Bildrechte: IMAGO

Bundesweiter Protest Tausende Demonstranten fordern Seenotrettung im Mittelmeer

Das Bürgerbündnis "Seebrücke" hat am Samstag zum bundesweiten Protest aufgerufen, um der Seenotrettung im Mittelmeer den Rücken zu stärken. In Berlin gingen Tausende Menschen auf die Straße, in Zwickau wagte sich ein Dutzend aufs Wasser.

Demonstranten halten ein Banner «Stoppt das Sterben im Mittelmeer».
Demonstranten halten in Berlin ein Banner "Stoppt das Sterben im Mittelmeer". Bildrechte: IMAGO

Tausende Menschen haben am Samstag in mehreren deutschen Städten für sichere Flüchtlingsrouten demonstriert. In Berlin-Mitte gingen nach Veranstalter-Angaben rund 12.000 Bürger auf die Straße. Sie forderten, dass zivilgesellschaftliche Seenotretter nicht als Straftäter behandelt werden. Die Polizei sprach von mehreren Tausend Demonstranten in Berlin. In Bremen, Hannover, Heidelberg, Ulm und München gingen mehrere Hundert Menschen auf die Straße.

Mehrere hundert Demonstranten in Leipzig

In Zwickau wurden zwölf Teilnehmer gezählt. Sie steuerten am Samstagmittag ein Floß auf dem Schwanenteich. Auf ihrem Protestbanner stand "Seenotrettung ist kein Verbrechen". In Leipzig beteiligten sich mehrere Hundert Menschen an einer Protestaktion vor der Universitätsbibliothek Leipzig Albertina. Auf Plakaten stand: "Seehilfe statt Seehofer" oder "Sei kein Horst".

Frau mit Protestplakat auf Demonstration für Seenotrettung (7. Juli)
In Leipzig fand der Protest vor der Universitätsbibliothek Albertina statt. Bildrechte: MDR/Moritz Arand

Die Veranstalter des Protests

Zu den bundesweiten Protesten hatte ein Bündnis "Seebrücke" aus 13 Flüchtlingsinitiativen und zivilgesellschaftliche Gruppen aufgerufen, darunter "Sea Watch", "Mission Lifeline", "Sea-Eye", "Gesicht zeigen!" und "Peng Collective". Ein Sprecher des Bündnisses sagte, es entstünde der Eindruck, die EU wolle "mit allen Mitteln" die Seenotrettung abschaffen. Dagegen wolle man Flagge zeigen.

Auf einem Floß mit 12 Personen wird ein Banner gezeigt. Aufschrift: 'Seenotrettung ist kein Verbrechen'.
Protest am Samstagmittag auf einem Floß auf dem Zwickauer Schwanenteich Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Rettungswesten hochgehalten

Viele Demonstranten trugen bei den Protesten in den verschiedenen Städten orangefarbene Kleidung als Zeichen der Solidarität mit den Seenotrettern. Auf Transparenten standen Slogans wie: "Stell Dir vor, in den Booten säße deine Familie" und "Seebrücke statt Seehofer". Manche Teilnehmer hielten mitgebrachte Rettungswesten statt Plakaten in die Höhe. Andere hatten Wärmedecken zu Flaggen umgebaut.

Zu Spendenaktionen aufgerufen

Mehrere Prominente hatten in den vergangenen Tagen zu Spendenaktionen aufgerufen, darunter auch der Fernsehmoderator Jan Böhmermann. Er rief ein Spendenkonto ins Leben, mit dem die Anwaltskosten für die Dresdner Nichtregierungsorganisation "Mission Lifeline" mit gedeckt werden sollten. Der Kapitän Claus-Peter Reisch steht in Malta vor Gericht. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, die Rettung von rund 230 Flüchtlingen in Seenot nicht der libyischen Küstenwache überlassen zu haben.

Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) sowie der Internationalen Organisation für Migration (IOM) kamen im ersten Halbjahr rund 1.000 Flüchtlinge bei ihrer Überfahrt nach Europa ums Leben oder gelten als vermisst.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 07. Juli 2018 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Juli 2018, 21:26 Uhr

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91 Kommentare

09.07.2018 20:48 H.E. 91

Wenn die privaten Seenotretter Migranten im Mittelmeer retten, sollten sie sich im klaren sein, daß sie sich dann auch weiterhin um die Geretteten kümmern sollten und nicht einfach einen italienischen Hafen ansteuern, die Leute vom Schiff gehen lassen und dann wieder abdrehen.
Andere können dann ja die weitere humanitäre Arbeit verrichten. So geht das nicht, liebe Hilfsorganisationen! Unter Seenotrettung sehe ich Rettung mit aller Konsequenz und daß sich jetzt Staaten wehren, wo sie die Leute vom Schiff ließen und die restliche Weiterbetreuung und Versorgung einfach dem italienischen Staat und seinen Bürgern überließen, ging schon gar nicht.

09.07.2018 18:31 der_Silvio 90

@71 Klausi; "Das ist Besorgtenquatsch."
Was für sie alles 'Besorgtenquatsch' ist; nur weil es in IHR Weltbild nicht passt?

"Die marokkanische Marine hat etwa 472 Migranten gerettet, die versucht hatten, über den Seeweg nach Europa zu gelangen. Die Königlich marokkanischen Streitkräfte (FAR) teilten mit, auf dem Atlantik und dem Mittelmeer "mehreren Booten in Schwierigkeiten" geholfen zu haben.
Unter den geretteten Menschen seien 28 Frauen, 27 Minderjährige und drei Säuglinge gewesen."
(Quelle: zeit.de vom 10.06.2018 'Marokkanische Marine rettet Hunderte Migranten')

Sind diese Redakteure auch nur 'Besorgte'? Von 472 'Flüchtlingen' waren 414 Männer an Bord. Nur mal so als Beispiel.
Ich habe nichts gegen Seenotrettung, aber die marokkanische Marine hat es richtig vorgemacht und sie einen wieder zum Herkunftshafen gebracht. Seenotrettung ist KEIN Shuttleservice - da verstehen sie und die 'Seenotretter' was falsch!

09.07.2018 18:29 Eulenspiegel 89

Hallo Bernd 80
„Und so doof sind die Flüchtlinge auch nicht, man weiss wohl dass die Ueberfahrt mit einem Schlauchboot eine sehr geringe (bis keine) Ueberlebenschance hat.“
Da haben sie Recht. Aber warum laufen sie immer vor der Realität davon?
Um das Ganze noch ein mal nachzuvollziehen: Zuerst sind die Leute über das Meer in Richtung Europa geflüchtet. Und natürlich in der Regel ertrunken. Sie wussten genau das ihre Überlebenschance sehr gering war. Aber es war für sie die einzig bessere Alternative die sie hatten. Dann kamen diese ehrenamtlichen Seenotretter und ein Großteil wurde gerettet. Aber längst nicht alle. Allein in diesem Jahr wurden 1500 ertrunkene Geflüchtete aus dem Meer gefischt und keiner weiß wie viele da noch umschwimmen. Und da diese Seenotretter jetzt blockiert sind werden wohl die aller meisten wieder ertrinken.

09.07.2018 17:54 Querdenker 88

@Klaus 79

Frontex bestand bisher aus etwa 1000 Leuten und die waren überwiegend „Bürokraten“. Das war bisher keine „Grenzpolizei“ wie manche glauben.

Das soll sich jetzt aber ändern.

siehe „focus Frontex: Was die Grenzschutz-Agentur schon darf und was sich nun ändern soll“

Zitat: „Die Pläne der EU-Kommission sehen außerdem vor, dass Frontex künftig auch gegen den Willen von Mitgliedstaaten Einsätze durchführen darf. Zudem soll die Agentur auch gemeinsame Einsätze mit Drittländern (Nicht-EU-Ländern) durchführen können. Frontex soll außerdem eine aktivere Rolle bei Abschiebungen aus EU-Ländern spielen.“

09.07.2018 17:18 Querdenker 87

@Klaus 57

Es ist sogar noch schlimmer, wie ich in meinem Beitrag 51 geschrieben hatte.

Zunächst mal ist die Zahl der Toten für die Schlepper eher „werbewirksam“. Laut siehe „wiki Einwanderung über das Mittelmeer in die EU Todesfälle“ ertrinken von 100 Menschen bei der Überfahrt (aufgerundet) etwa 2 bis 3 Menschen (Tabelle 2010 - 2017). Soviel zu ihren Ausführungen, dass Zitat „zumindest fast keine“ ertrinken müssten.

Durch die „Shuttle-Schiffe“ können die Schlepper vermehrt *seeuntaugliche* billige Boote benutzen. Wodurch die Gefahr sich erhöht und die Profite der Schlepper noch größer werden. Die „Shuttle-Schiffe“ sind damit ein Teil des Problems.

Die Toten in der Wüste, welche durch diese Schlepperei und eben auch durch die „Shuttle-Schiffe“ angelockt werden, sind um ein Vielfaches höher (siehe mein Beitrag 51)

Die beste Hilfe ist es, in Afrika nachhaltige Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten. Diese Schlepperei muss aufhören!

09.07.2018 16:29 Fragender Rentner 86

Der Hr. Böhmermann hat ca. 200.000,- € für den Kapitän gesammelt.

Nun sammelt noch ein Schauspieler oder Moderator auch wieder Geld um zu helfen.

09.07.2018 16:29 X-Ray 85

Bürgerbündnis "Seebrücke" - das zeigt die wahre Intension!

09.07.2018 16:25 Fragender Rentner 84

Heute Mittag beim ZDF sprach eine Frau die auch auf dem Schiff war und sagte sie saßen oder schliefen wie die Heringe auf ihm.

Sie spricht ca. 5 Sprachen und war als Dolmetscherin darauf.

Dann zeigten sie auch das Riesenschlauboot wo sie mit Rettungswesten bestimmt noch enger darauf saßen.

09.07.2018 16:07 Eulenspiegel 83

Hallo Wolfgang Nawalny 76
„Ist schon echt seltsam Ihre Argumentation. Die von Ihnen als "Schiffbrüchige" bezeichneten potentiellen Asylanten sind in Libyen freiwillig in ein nicht seetaugliches Gefährt gestiegen. Tage oder Monate vorher sind sie freiwillig in das Land Libyen eingereist oder eingedrungen. Warum soll jetzt die Seenotrettung genau in dieses Land plötzlich deren "sicheren Tod" bedeuten?“
Ja dann mal Butter bei die Fische. Entweder sie beweisen ihre Unterstellungen oder sie geben zu das sie hier mit Lügen und Verdrehen hantieren.

09.07.2018 15:48 zeitzeichen 82

Es hat in Europa kein Mensch darum gebeten, dass sich die Flüchtlinge in unsichere Boote setzen und über das Mittelmeer schippern. Mögen die Leute in ihren Ländern bleiben und das eigene Land aufbauen.