Nach Anschlag von Hanau Schützenbund gegen mehr Psychotests für Sportschützen

Nach dem rassistischen Anschlag von Hanau gehen die Ermittler davon aus, dass der mutmaßliche Täter eine schwere psychotische Krankheit hatte. Bundesinnenminister Seehofer brachte deshalb eine Ausweitung der medizinischen Überprüfung von Waffenbesitzern ins Spiel. Der Deutsche Schützenbund hält das für nicht realistisch, allein wegen der Zahl seiner Mitglieder.

Die Silhouette zweier Schützen auf einem Schießstand
Bildrechte: imago/Aleksandar Djorovic

Nach dem rassistischen Anschlag in Hanau lehnt der Deutsche Schützenbund eine Ausweitung von psychologischen Prüfungen bei Schützen ab.

Mehr Gutachten zu aufwendig

Vizepräsident Walter Wolpert sagte MDR AKTUELL, wenn ein Großkaliberschütze unter 25 Jahren eine Waffe besitzen wolle, brauche er ein psychologisches Gutachten. Alles darüber hinaus sei zu aufwendig. Der Schützenbund vertrete etwa 1,4 Millionen Mitglieder.

Wolpert sagte, oft würden sich Schützen erst nach Jahren entscheiden, von Luftdruck- oder Kleinkaliberwaffen auf das Großkaliber umzusteigen. Es sei nicht nachvollziehbar, jemanden zum Psychologen zu schicken, der sich über Jahre als zuverlässig erwiesen habe.

Täter von Hanau offenbar psychisch krank

Der mutmaßliche Täter von Hanau war Sportschütze und besaß legal Waffen. Er tötete neun Menschen sowie vermutlich auch seine 72 Jahre alte Mutter und anschließend sich selbst. Die Ermittler gehen davon aus, dass er eine schwere psychotische Krankheit hatte.

Seehofer will Waffenbesitzer Psychotests unterziehen

Bundesinnenminister Horst Seehofer sprach sich für Psychotests als Voraussetzung für die Erteilung eines Waffenscheins. In der "Bild"-Zeitung vom Sonnabend brachte er ein medizinisches Gutachten oder eine ärztliche Bestätigung ins Gespräch. Es müsse gewährleistet sein, dass da alles in Ordnung sei und die Verwirrung oder die Krankheit einer Person nicht zur Gefahr für die Allgemeinheit würden.

Seehofer sagte, sollten die Ermittlungen im Fall Hanau einen Anhaltspunkte liefern, dass man früher hätten eingreifen müssen, was den Waffenschein betrifft, dann müsse das geändert werden. Der CSU-Politiker verwies darauf, dass bereits jetzt ein Sportschütze oder Jäger, der einen Waffenschein bekommen habe, regelmäßig auf seine persönliche Zuverlässigkeit geprüft werde. Diese Prüfung müsse künftig vertieft werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. Februar 2020 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Februar 2020, 19:43 Uhr