Eine Altenpflegerin hält die Hände einer 90-jährigen Bewohnerin
Um den Pflegeberuf attraktiver zu machen, dringt die Bundesregierung auf einen deutschlandweit einheitlichen Tarifvertrag für Pflegekräfte. Bildrechte: dpa

Altenpflege Verdi fordert Flächentarifvertrag mit 3.000 Euro brutto

In der Altenpflege fehlen Zehntausende Fachkräfte. Das liegt auch an den harten Arbeitsbedingungen und der geringen Bezahlung. Die Bundesregierung wünscht sich deshalb einen deutschlandweiten Tarifvertrag: Pflegekräfte sollen für gleiche Arbeit bundesweit den gleichen Lohn erhalten. Den Tarifvertrag müssen allerdings Gewerkschaft und Arbeitgeber aushandeln. Erst dann kann die Regierung ihn für allgemeinverbindlich erklären. Heute nun trifft sich erstmals die Gewerkschaft Verdi.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Eine Altenpflegerin hält die Hände einer 90-jährigen Bewohnerin
Um den Pflegeberuf attraktiver zu machen, dringt die Bundesregierung auf einen deutschlandweit einheitlichen Tarifvertrag für Pflegekräfte. Bildrechte: dpa

Für Oliver Greie ist es eine Herzensangelegenheit. Der Chef von Verdi in Mitteldeutschland ist selbst schon für einen engen Angehörigen von Pflegedienst zu Pflegedienst gezogen, hat die Qualität verglichen, die Preise. Er kennt die Probleme von Altenpflegern aus vielen Gesprächen. Deutschland braucht einen flächendeckenden Pflege-Tarifvertrag, sagt Greie.

Wenn alle Beschäftigten in der Pflege eine Untergrenze von 3.000 Euro brutto hätten, dann hätten wir etwas geschafft. Dann hätten wir geschafft, dass die Leute endlich mal ordentlich verdienen für die hoch wichtige Aufgabe, die sie tun - täglich, sieben Tage die Woche, rund um die Uhr, Samstag, Sonntag, Feiertage.

Oliver Greie | Verdi Mitteldeutschland

Löhne für Pfleger differieren um fast 1.000 Euro

Momentan sind die Löhne sehr unterschiedlich. In Baden-Württemberg verdient ein Altenpfleger im Mittel knapp 3.000 Euro brutto. In Sachsen-Anhalt sind es nicht einmal 2.000 Euro brutto. Viele Häuser haben immerhin einen Haustarifvertrag.

So ist es auch bei Christian Schulze. Er leitet ein Altenpflegeheim bei Delitzsch und würde einen bundesweiten Tarif mit gleichen Löhnen für gleiche Arbeit begrüßen.

Ein allgemein verbindlicher Flächentarifvertrag würde den positiven Effekt haben, dass Mitarbeiter nicht mehr wegen der Gehaltszahlungen die Einrichtung wechseln würden, sondern tatsächlich nach anderen Kriterien gucken würden: Wie werde dort mit Mitarbeitern umgegangen, gebe es ein betriebliches Gesundheitsmanagement? Seien genügend Menschen da zum Arbeiten? Es wäre also nicht mehr abhängig davon, was bezahlt werde. Das wäre der Vorteil bei einem Flächentarif, so Schulze.

Private Pflegeanbieter lehnen Flächentarifvertrag ab

Das sehen allerdings nicht alle in der Branche so. Vor allem die privaten Pflegeanbieter lehnen einen Flächentarifvertrag ab. Präsident ihres Bundesverbandes bpa ist der ehemalige FDP-Spitzenpolitiker Rainer Brüderle: "Die Preise sind administriert. Und wenn wir jetzt durch allgemeine Vertragsrichtlinien, allgemeine Vertragsvorgaben noch auf der Kostenseite alles einengen, dann ist kein unternehmerischer Spielraum mehr da."

Brüderle argumentiert: Private Investoren könnten dringend benötigte Pflegeplätze schaffen. Dafür aber müsse man Wettbewerb zulassen – auch bei den Löhnen. Gemeinnützige Anbieter wie AWO oder Arbeiter-Samariter-Bund würden über einen Flächentarifvertrag verhandeln.

Unterschiede auch bei Geld für Pflegeleistungen

Michael Richter, Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Sachsen, sagt: "Momentan geht es in der Branche einfach nicht gerecht zu." Das betreffe die Löhne aber auch die Preise, die ein Anbieter für bestimmte Leistungen von den Kassen erhalte.

"Kleines Beispiel: In Baden-Württemberg bekommt man für die gleiche Leistung wie die Kleine Morgentoilette 35 Euro refinanziert als Pflegedienst und in Sachsen 16 Euro. Das heißt: weniger als die Hälfte. Und es geht darum, dass wir hier eine faire Refinanzierung bekommen in den Pflegeleistungen und damit auch die Pflegekräfte fair und gleich bezahlen können", sagt Richter.

Richter räumt ein: Steigen Preise und Löhne, wird die Pflege in Deutschland teurer. Entweder müssten dann die Versicherungsbeiträge steigen oder die Zuzahlungen. Doch eigentlich sei eine andere Debatte nötig, sagt der Geschäftsführer vom Paritätischen. Deutschland müsse überlegen, ob man für eine gute Pflege auch Steuergelder ausgeben wolle.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. September 2018 | 06:06 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. September 2018, 05:00 Uhr

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8 Kommentare

29.09.2018 20:36 Arbeitende Rentnerin 8

Wenn noch einer die alten Menschen pflegen soll, dann müssen bessere Löhne gezahlt werden, egal wie hoch der Beitrag dann steigt, es sollte allerdings kein Privatmann sich eine goldene Nase verdienen können, also keine Privatwirtschaft für diese wichtige Aufgabe, jeder kann in die Lage kommen, Hilfe zu brauchen, mir persönlich würde ein höherer Beitrag auch wehtun aber das muss man wohl schlucken, es sei denn....

29.09.2018 16:58 Fragender Rentner 7

@Ureinwohner zu 6

Auf einer anderen Seite will der Peter die Kohlekumpel in der Pflege beschäftigen.

29.09.2018 10:06 Ureinwohner 6

Verdi fordert Flächentarifvertrag mit 3.000 Euro brutto.Sehr gut Lösung . Nun müsste Verdi nur noch ausrechnen,wie hoch die Pflegeversicherung steigen würde.

28.09.2018 15:38 Fragender Rentner 5

Dies Forderung ist gut nur wer soll dies wohl bezahlen?

Bei den meisten privat betriebenen Pflegeheimen?

Hr. Spahn will uns doch im nächsten Jahr um 0,5% erleichtern! :-(

Oder die müßten mal auf ihren Profit verzichten oder stark minimieren.

28.09.2018 10:42 Michael Möller 4

egal ob Pflege oder Gesundheitssystem (Krankenhäuser) hätten nie und nimmer privatisiert werden dürfen , den denn privaten Betreibern geht es nur um Profit und nicht um die Menschen. man könnte auch sagen der Staat hat sich aus seiner Führsorgepflicht verabschiedet zu lasten der Patienten und des Personals. in meinen Augen ist das was Sie jetzt vorschlagen Augenwischerei ansonsten nichts anderes.

28.09.2018 09:32 Bingo 3

Höhere Löhne ,gleich höhere Heimkosten. Wer kann diese, dann noch zahlen ??

28.09.2018 08:18 Steffen Eisfeld 2

Sehr guter Vorschlag von Verdi!
Parallel dazu ist es wichtig das sich die Leute in den Firmen zusammenfinden um Betriebsräte zu gründen. Als Einzelkämpfer haste keine Chance.
Und wichtig ist es aufzuhören darauf zu hoffen, dass die regierenden Systemträger dich unterstützen.

28.09.2018 08:07 ReneS 1

Wer bekommt denn schon 2000€ in Sachsen in der Pflege bei den privaten Pflegediensten?
Die, die ich kenne, bekommen den Mindestlohn plus kleinere Zuschläge z.B. für WE Arbeit und ggf. noch eine kleine Tankkarte. Kein Wunder also, wenn das keiner mehr machen will. Außerdem sind nach einigen Jahren Intensivpflege die eigenen Knochen schon so kaputt und dann muss man ohnehin sich etwas anderes suchen bzw. kürzer treten.