Altersbericht Ältere müssen bei Digitalisierung mitgenommen werden

Die Digitalisierung ermöglicht es älteren Menschen, weiterhin gesellschaftlich teilzuhaben und lange autonom zu bleiben. Der Altersbericht der Bundesregierung zeigt Bereiche auf, in denen Technik sie unterstützen kann.

Rentner mit Brille und Tablet
Die Digitalisierung soll auch älteren Menschen helfen, es im Alltag leichter zu haben. Bildrechte: Colourbox.de

Die Chancen der Digitalisierung für ältere Menschen muss besser erschlossen werden. Das sagte Bundesseniorenministerin Franziska Giffey bei der Vorstellung des achten Altersberichts der Bundesregierung, der am Mittwoch vom Kabinett verabschiedet wurde. Digitalisierung könne wesentlich zu einem selbstbestimmten Leben und einer umfassenderen gesellschaftlichen Teilhabe bis ins hohe Alter beitragen, sagte die SPD-Ministerin.

Wohnen in der eigenen Wohnung längst möglich erhalten

Der neue Altersbericht wertet die Auswirkungen der Digitalisierung auf das Leben von Senioren auf sechs wichtige Lebensbereiche aus. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Wohnung für ältere Menschen eine wichtige Rolle spielt. Sie würden sich viel dort aufhalten, dort häufig schon lange wohnen und hätten eine emotionale Bindung dazu aufgebaut. "Die Wohnung vermittelt Sicherheit und Selbstbestimmtheit. Auch wenn Hilfe und Unterstützung benötigt wird, wollen die meisten älteren Menschen einen Umzug, etwa in eine stationäre Pflegeeinrichtung, möglichst vermeiden", heißt es in dem Bericht.

Die Digitalisierung kann diesen Wunsch demnach unterstützen. Genannt werden etwa technische Assistenzsysteme und Smart-Home-Technologien, um die Sicherheit zu Hause zu erhöhen, die Haushaltsführung zu erleichtern oder die pflegerische Versorgung zu unterstützen.

Außerhalb der Wohnung spiele Mobilität eine große Rolle – um soziale Kontakte zu pflegen und medizinische Behandlungen wahrzunehmen. Die Forscher zählen hier neben Mobilitäts-Apps auch E-Bikes, Assistenzsysteme in Fahrzeugen sowie Geräte auf, die die eigene Mobilität unterstützen, etwa smarte Rollstühle oder Exoskelette.

Mit digitaler Kommunikation den Anschluss nicht verlieren

Als dritten Bereich für die Digitalisierung nennt der Bericht die soziale Integration. "Mit zunehmendem Alter wird das soziale Netz in der Regel kleiner, somit nimmt mit dem Alter auch die Wahrscheinlichkeit der sozialen Isolation deutlich zu."

Mit der Verbreitung digitaler Kommunikationstechnologien und der Nutzung des Internets seien auch für ältere Menschen neue Möglichkeiten entstanden, Kontakte mit anderen Menschen aufzunehmen oder zu pflegen, heißt es in dem Papier weiter. Studien würden zeigen, dass Menschen, die solche Kommunikationsmittel nutzen, sozial besser integriert seien und weniger Einsamkeitsgefühle hätten als zuvor.

Allerdings bemängelt die Studie, dass digitale Kommunikationswege und soziale Medien von älteren Menschen bisher deutlich weniger genutzt würden als von jüngeren. "Ältere Menschen ziehen offenbar den analogen Austausch mit Familienmitgliedern und dem Freundeskreis dem digitalen Austausch deutlich vor. Ob und wie sich diese Präferenz in Zukunft wandeln wird, ist derzeit noch nicht abzusehen."

Digitalisierung als Helfer in Gesundheit und Pflege

Auch in der Gesundheitsversorgung sieht der Bericht großes Potential für digitale Angebote für ältere Menschen. Das Spektrum sei hier heterogen, heißt es. Genannt werden E-Health-Angebote wie eine elektronische Patientenakte, digitale Informationssysteme für Patienten und virtuelle Arztbesuche.

Außerdem legt das Papier den Fokus aus sogenannte M-Heath-Anwendungen (Mobile Health). Darunter fallen etwa Fitness-Armbänder oder digitale Lernspiele zur Erhaltung und Förderung der Autonomie. Des weiteren werden Monitoring-Apps, etwa für chronisch Kranke, genannt. Ob solche Technologien von Seniorinnen und Senioren angenommen werden, hänge stark davon ab, ob sie die digitalen Technologien kompetent bedienen könnten und in welchem Maße bei ihnen grundlegende Gesundheitskompetenzen vorhanden seien.

Digitalisierung in der Pflege nur unterstützend

Neben der Gesundheit wird der Pflege ein eigener Abschnitt gewidmet. Hier wird betont, dass die Digitalisierung hier unterstützen, den menschlichen Kontakt aber nicht ersetzen soll. Die Erwartungen an die Technologie in der Pflege seien groß. Sie solle die Pflegerinnen und Pfleger entlasten und unterstützen und den Informationsfluss verbessern. Das gelte sowohl für die häusliche Selbstpflege sowie professionelle Pflege als auch für die stationäre Pflege.

Der Bericht geht für die Pflege zu Hause ein weiteres Mal auf Heim-Assistenten ein, wie Hausnotrufe und Smart-Home-Anwendungen. In der stationären Pflege geht es mehr um Informationsaustauschprogramme und Gerätschaften, mit denen die Pfleger arbeiten können.

Ältere Menschen sollen sich digitalen Konzepten nicht verschließen

Als letzten Punkt nennt der Altersbericht den Sozialraum älterer Menschen. Werden Verwaltungen zusammengelegt oder schließen Vereine im Ort, könne das gerade für ältere Menschen zum Problem werden: "Für ältere Menschen haben solche Entwicklungen besonders gravierende Folgen – vor allem, wenn die gesundheitliche und pflegerische Versorgung beeinträchtigt ist." Deswegen sei es besonders wichtig, digitale Angebote zu schaffen, die auch von älteren Menschen genutzt werden können, um diesen Wandel auszugleichen, denn nicht immer bleiben analoge Wege offen.

Der Bericht betont, dass sich auch Seniorinnen und Senioren noch mit neuer Technologie vertraut machen können und appelliert an sie, das auch tun. Allerdings sollte Menschen zugestanden werden, nichts Neues mehr lernen zu müssen, wenn sie das nicht wollten. Es sei nicht zielführend, von allen Menschen einen kompetenten Umgang mit digitalen Technologien und dem Internet zu erwarten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. August 2020 | 12:39 Uhr

9 Kommentare

Wessi vor 6 Wochen

@ THOMAS H ..also, ich bin Mitte 60 und habe mit dem PC arbeiten müssen.Das macht vieles leichter.Ein smartphone will ich nicht, denn ich habe auch kein großartiges handy.Das bleibt brav zu Hause, denn für mich gibts nichts Schlimmeres als permanent erreichbar zu sein.Wenn dann jemand mit mir keinen Kontakt mehr will, zucke ich mit den Schultern, denn wer das an technischem Schnickschnack fest macht, hat selbst Schuld.Ich brauche für Freundschaft und Bekanntschaft keine "apps" und derartigen Blödsinn.65 Jahre bin ich auch ohne ausgekommen.

THOMAS H vor 6 Wochen

Peter: Wenn ich zehn Senioren kenne, davon zwei, welche sich Computer-Internetmäßig gut auskennen und über meine Erfahrungen mit allen Zehn berichten würde, ist das Realität und keine Verallgemeinerung meines eigenen Erlebens. Es gibt m. M. mehr ältere Menschen, welche eben nicht mehr mit der Digitalisierung klarkommen und dies auch nicht mehr möchten, was, wie im Artikel beschrieben auch akzeptiert werden sollte, ohne daß diesen Menschen vorgeworfen wird, das sie selbst schuld seien, wenn sie keine Kontakte (Gründe, warum dies so ist, wurden im Artikel ja auch genannt) mehr haben.

Peter vor 6 Wochen

Also Maria A., als Achtundsechziger würde ich mich aufgrund meines Alters und meiner Vergangenheit in der DDR nicht bezeichnen.
Aber zurück zum Thema. Ich habe auch durchaus Erfahrungen mit Ü80-Mitbürgern, nämlich insbesondere mit meinen Eltern und Schwiegereltern. Ersteren haben ich und meine Kinder vor ein paar Jahren nahegelegt, zu lernen, mit Smartphone und Computer umzugehen. Es war verlorene Liebesmüh, bis auf ein Handy mit großen Tasten für den Notfall. Bei Zweiteren sieht das etwas anders aus. Die sind inzwischen bis hin zum Online-Banking geübt im Umgang mit dem Tablet.
Was aber für beide Elternteile zutrifft, ist die Tatsache, dass sie sehr wohl aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Manchmal wundere ich mich, wie voll der Wandkalender mit Terminen ist oder wie oft mich das Besetztzeichen am Telefon empfängt.
Sicher, es gibt auch andere Erfahrungen bei Senioren. Keine Frage. Wir sollten uns nur hüten, eigenes Erleben zu verallgemeinern.