Umfrage zu 30 Jahre Mauerfall Viele Ostdeutsche sehen kaum Fortschritte bei Meinungsfreiheit

Ein großer Teil der Ostdeutschen ist mit der Entwicklung seit der Wende unzufrieden. Fast die Hälfte meint, man sei Bürger zweiter Klasse und könne seine Meinung nicht freier äußern als früher. Die DDR zurück will dennoch kaum einer.

Dreißig Jahre nach dem Mauerfall ist fast die Hälfte der Ostdeutschen der Meinung, dass sie seit der Wende ihre Meinung nicht freier äußern könne. Das ergab eine Umfrage von Infratest dimap für MDR AKTUELL. Gleiches gilt für die demokratische Mitbestimmung. Bei der Frage nach persönlicher Freiheit und Selbstverwirklichung sehen dagegen drei Viertel der Befragten eine Verbesserung.

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Viele Ostdeutsche sehen sich als Bürger zweiter Klasse

Fast die Hälfte aller Ostdeutschen fühlt sich 30 Jahre nach dem Mauerfall als Bürger zweiter Klasse. 42 Prozent stimmen der Aussage zu, 50 Prozent lehnten sie ab. Deutliche Unterschiede gibt es bei den Anhängern verschiedener Parteien.

Ostdeutschen fehlen Beziehungen für Spitzenämter

Dass auch fast 30 Jahre nach der Wende kaum Ostdeutsche in Spitzenpositionen vertreten sind, sieht ungefähr die Hälfte der Befragten in fehlenden Beziehungen und Netzwerken begründet. 54 Prozent der Ostdeutschen und 43 Prozent der Westdeutschen gaben das als Grund an. Etwa jeder Fünfte in Ost und West (21 Prozent) führt das auf mangelnde Qualifikation zurück, der Rest nimmt mangelndes Interesse an oder hatte gar keine Erklärung.

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Glaube an schnelle Einheit wird geringer

Bei der Angleichung der Wirtschafts- und Lebensbedingungen in Ost und West sind die Deutschen deutlich pessimistischer geworden. Noch vor zehn Jahren glaubten lediglich 29 Prozent der Westdeutschen und 45 Prozent der Ostdeutschen, dass die Vollendung der Einheit auf diesem Gebiet länger als zehn Jahre brauche. Heute sagen das 46 Prozent im Westen und 76 Prozent im Osten. Weitere fünf Prozent sind der Meinung, eine Angleichung werde es nie geben.

Treuhand negativ bewertet

Die Treuhand wird in beiden Teilen Deutschlands eher negativ bewertet. 71 Prozent der Ostdeutschen glauben, die Treuhand habe die DDR-Betriebe zugunsten von Westunternehmen abgewickelt. Im Westen sind 44 Prozent dieser Ansicht. Zudem sagen 23 Prozent der Ostdeutschen und 39 Prozent der Westdeutschen, die Treuhand habe die marode Planwirtschaft mit in die Marktwirtschaft überführt.

Kaum jemand will DDR zurück

Dennoch wünscht sich kaum jemand in Deutschland die DDR zurück. 88 Prozent der Ostdeutschen und 97 Prozent der Westdeutschen beantworteten diese Frage mit Nein. 35 Prozent der Westdeutschen gaben zudem an, in der DDR habe es in keinem einzigen Bereich Vorteile gegenüber dem heutigen Deutschland gegeben. Im Osten sehen neun Prozent die DDR komplett negativ. Und: 82 Prozent in Ost und West bewerten ihre aktuelle eigene wirtschaftliche Situation als gut.

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Für die Studie hatte Infratest dimap in der letzten Oktoberwoche jeweils rund 500 Ost- und Westdeutsche per repräsentativer Zufallsauswahl in Telefoninterviews befragt. Die Schwankungsbreite liegt zwischen 1,4 und 3,1 Prozent.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. November 2019 | 05:00 Uhr

114 Kommentare

Fakt vor 51 Wochen

Nun fragt man sich, weshalb Sie beim Zitat aus "maz-online" die ganzen Ausnahmen, die eine Kündigung in dem Falle berechtigen, unterschlagen haben.
Und ja, es gab Kündigungen von Arbeitnehmern, die sich rechtsextrem geäußert haben und die von Gerichten - vollkommen gerechtfertigt - bestätigt wurden.

Peter vor 51 Wochen

Mein lieber Wolf, meinen Sie tatsächlich, dass die AfD, Herr Trump und Herr Höcke selbst nichts dazu beigetragen haben, was zu kritischen Kommentaren oder Beiträgen geführt hat.

MDR-Team vor 51 Wochen

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