Der Grabstein von Peggy und Uwe Böhnhardt
Auslöser für die Ermittlungen sind DNA-Spuren von Uwe Böhnhardt. Sie wurden am Fundort der Kinderleiche von Peggy entdeckt. Bildrechte: dpa/IMAGO

Nach brisantem Fund NSU-Ausschuss will alle DNA-Spuren überprüfen lassen

Eine neue Spur im Mordfall Peggy K. bringt neue Brisanz in die Ermittlungen zum selbsternannten "Nationalsozialistischen Untergrund". Im Juli hatte ein Pilzsammler in Thüringen Skelettreste gefunden, die von dem 2001 verschwundenen Mädchen stammen. Nun wurde bekannt, dass am Fundort auch eine DNA-Spur eines der mutmaßlichen NSU-Terroristen gefunden wurde. Clemens Binninger, der Vorsitzende des NSU-Untersuchungsausschusses im Bundestag, fordert jetzt eine Generalrevision aller DNA-Spuren.

von Matthias Reiche, MDR AKTUELL

Der Grabstein von Peggy und Uwe Böhnhardt
Auslöser für die Ermittlungen sind DNA-Spuren von Uwe Böhnhardt. Sie wurden am Fundort der Kinderleiche von Peggy entdeckt. Bildrechte: dpa/IMAGO

Im NSU-Untersuchungsausschuss stand in dieser Woche vor allem eine Frage im Raum: Was hat es mit der DNA-Spur auf sich, die den mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt in Verbindung zum Mordfall Peggy K. bringt? Auch der Ausschussvorsitzende Clemens Binninger spricht von einem nur schwer zu fassenden Verdacht: "Jetzt sind die Ermittlungsbehörden gefragt. Wir wissen bisher nicht, ob die DNA-Spur wirklich am Tatort gefunden wurde oder ob sie versehentlich, wie auch immer, bei der Gerichtsmedizin auf diesen Stofffetzen gelangt ist. Ich hoffe, dass wir sehr schnell Klarheit darüber haben."

NSU hatte offenbar Kontakte zu anderen kriminellen Milieus

Zur nächsten Ausschusssitzung am 10. November werden Ermittler aus Bayern und Thüringen eingeladen. Spätestens dann sollte auch klar sein, ob sich der Verdacht bestätigt. In dem Zusammenhang muss man allerdings feststellen, dass es häufiger zu Sexualstraftaten im Umfeld des mutmaßlichen Terrortrios kam. Gleichzeitig gibt es Indizien für Kontakte auch in andere Kriminalitätsbereiche, wie zum Beispiel in die organisierte Kriminalität: "Wir dürfen nicht den Fehler machen, zu glauben, dass dieses Trio isoliert nur in seinem Bereich unterwegs war. Möglicherweise gibt es Kontakte zu anderen kriminellen Milieus. Das ist Sache der Ermittler."

Binninger fordert Überprüfung der DNA-Spuren

Die Ermittler tun aus Sicht der Mitglieder im NSU-Untersuchungsausschuss allerdings zu wenig. So spielten DNA-Spuren bisher kaum eine Rolle. Das ist erstaunlich. Spuren wurden nämlich im Wohnmobil, in dem die mutmaßlichen NSU-Terroristen starben, in der gemeinsamen Zwickauer Wohnung, die  Beate Zschäpe wenig später anzündete, und an vielen Tatorten gefunden. Sie lassen sich bis heute nicht zuordnen. Gleichzeitig hinterließen die mutmaßlichen NSU-Terroristen Mundlos und Böhnhardt bei den zehn Morden, bei den Banküberfällen und bei den Sprengstoffanschlägen keine einzige DNA-Spur.

Das erstaunt Clemens Binninger: "Deshalb ist meine Forderung, wir müssen den gesamten DNA-Spurenkomplex im NSU-Verfahren einer Generalrevision unterziehen. Dabei geht es um die Fragen: Haben wir wirklich alle DNA-Spuren von den alten Tatorten eingestellt? Haben wir von allen Personen, von denen es geht, DNA erhoben? Sind die mit allen Spuren abgeglichen?"

Wieso konnten die Täter unerkannt morden?

Der CDU-Innenexperte weiß, wovon er spricht. Der gebürtige Schwarzwälder hat die Polizeiarbeit von der Pike auf gelernt  Aber er kennt natürlich nicht die Antworten auf die vielen offenen Fragen: "Keine DNA an den Tatorten. Kein Zeuge, der die Täter zweifelsfrei identifiziert hat. Keine Phantombilder, die so richtig passen. Eigentlich auch kein klares Selbstgeständnis. Tatorte, die so riskant sind, dass man eigentlich zu zweit keine Straftat verüben kann, weil man sonst entdeckt wird. Trotzdem schaffen es Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, 27 Mal nicht entdeckt zu werden. Da haben wir wirklich Zweifel, ob die wirklich alle Taten allein begangen haben."

Deshalb wurde auch der zweite NSU-Untersuchungsausschuss beschlossen. Aber der kann eben nur die offenen Fragen und Indizien herausarbeiten. Diesen nachzugehen ist Aufgabe der Ermittler. Auch die Bundesregierung ist da in der Pflicht. Immerhin hat Angela Merkel den Angehörigen der Opfer volle Aufklärung versprochen.

Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2016, 11:43 Uhr

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