Haupteingang Uniklinik Leipzig
Auch dem Uniklinikum Leipzig entstehen zum Teil sehr hohe Kosten für Übersetzungen. Man sieht hier die Kassen stärker in der Pflicht. Bildrechte: ukl/ Stefan Straube

Wieso Krankenkassen nicht zahlen Kliniken bleiben auf hohen Dolmetscherkosten sitzen

Wer krank in eine Klinik kommt, aber kein Deutsch spricht, braucht Hilfe bei der Übersetzung. Bei komplexen Krankheitsbildern müssen oft Dolmetscher hinzugezogen werden. Auf den Kosten bleiben Krankenhäuser meist sitzen. Kliniken und Kassen streiten über die Verteilung der Lasten.

von Constanze Hertel, MDR AKTUELL

Haupteingang Uniklinik Leipzig
Auch dem Uniklinikum Leipzig entstehen zum Teil sehr hohe Kosten für Übersetzungen. Man sieht hier die Kassen stärker in der Pflicht. Bildrechte: ukl/ Stefan Straube

300.000 Euro Dolmetscherkosten sind allein 2015 am Uniklinikum in Leipzig aufgelaufen. Eigentlich müssen Patienten in Deutschland selbst einen Übersetzer organisieren oder, wenn das Krankenhaus das übernehmen soll, dafür im Voraus bezahlen. Doch oft haben sie das Geld nicht, erklärt der kommissarische Kaufmännische Vorstand des Klinikums, Marco Schüller.

Elternteile bringen bisweilen Verwandte oder ihre Kinder mit. Die Zumutung, das zu übersetzen, darf eigentlich nicht sein. Aber das kommt schon auch vor. Manchmal versuchen wir das mit Mitarbeitern zu lösen, die der Sprache mächtig sind. Aber das ist nur eine Notlösung.

Marco Schüller Uniklinik Leipzig

Zudem sind Diagnosen und medizinische Fachbegriffe oft schwierig zu übersetzen, so dass dann doch Hilfe her muss. Schüller erklärt, man habe erst kürzlich bei einem Patienten entschieden, eine hochkomplexe onkologische Erkrankung mit neuen und innovativen Therapien zu behandeln. Da habe es keine andere Möglichkeit gegeben, als auf Kosten der Klinik einen Dolmetscher zu engagieren. "Und da kommen dann im Krankheitsverlauf schnell mehrere tausend Euro auch nur für einen Fall zustande", so Schüller.

Kostenhöhepunkt 2015

Ann Marini, Stellv. Pressesprecherin GKV Spitzenverband
Ann Marini vom GKV-Spitzenverband findet, die Kassen finanzieren genug. Bildrechte: GKV

2015 waren viele der Patienten Geflüchtete. Für sie war häufig das Sozialamt oder die Landesdirektion zuständig. Ein Großteil der Kosten konnte erstattet werden. Kompliziert wird es jedoch bei denjenigen, die in die gesetzliche Krankenkasse aufgenommen worden sind. Denn die Kassen haben gesetzlich keine Verpflichtung Übersetzungskosten zu übernehmen.

Einen Anteil übernehmen sie aber doch, erklärt Sprecherin Ann Marini. So würden die laufenden Kosten in einem Krankenhaus von den gesetzlichen und den privaten Krankenkassen finanziert.

Der gesamte Fall wird mit einer Pauschale vergütet. Die Krankenhäuser können sich nicht darauf zurückziehen und sagen, das sind Kosten auf denen wir sitzen bleiben. Das sieht etwas anders aus. Die sind anteilig mit drin.

Ann Marini Stellvertretende Pressesprecherin GKV-Spitzenverband

Protest der Krankenhausgesellschaft

Das reicht aber nicht und geht an der Realität vorbei, kritisiert Joachim Odenbach von der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Die Fallpauschalen seien sehr eng kalkuliert, sodass es kaum Spielraum gebe, Sonderleistungen zu bezahlen.

Aber gleichzeitig ist es so, dass jeder Arzt, der aufklären will (...) aus haftungsrechtlichen Gründen gucken muss, dass sein Patient versteht, was mit ihm da passieren soll. Ideal wäre hier eine gesetzliche Regelung, die die Krankenkassen verpflichtet.

Joachim Odenbach Deutsche Krankenhausgesellschaft

Auch das Uniklinikum Leipzig hofft darauf. Seit weniger Flüchtlinge nach Deutschland kommen, sei der Bedarf an Dolmetschern zwar gesunken, erklärt Vorstand Schüller. Doch 2017 und 2018 seien immer noch zwischen 25.000 und 50.000 Euro an Kosten angefallen. Und mit Blick auf eine zunehmend multikulturelle Gesellschaft rechnet das Klinikum eher wieder mit einem Anstieg.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. April 2019 | 06:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. April 2019, 05:00 Uhr

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29 Kommentare

21.04.2019 14:36 Thor 29

Guter Artikel....Ganz einfach...ich verlange in einem deutschen Krankenhaus von einem deutschsprechendem Arzt (kann auch Ausländer sein) behandelt zu werden, wenn nicht dann verlasse ich das Krankenhaus!
Die nichtdeutschen Patienten sollten sich überlegen, in welchem Land sie sich befinden, und sich mit ihren Forderungen zurückhalten !

20.04.2019 22:34 Orrnee 28

Läuft!

20.04.2019 18:38 Frido_Freimann 27

Wer sich hier nicht verständigen kann, der soll gefälligst erst recht Zuhause bleiben ! Aber manche Menschen erwarten hier wohl wirklich schon eine Vorstufe des Paradieses.

20.04.2019 16:46 Mane 26

Hier kann man nur FAD wählen.Die Regierung muss weg und die Asylanten ab Heimat.

20.04.2019 16:17 Gerd 25

@ 2 2 ja das nützt aber leider alles nicht mehr da können wir hier schreiben was wir wollen alles total sinnlos, diese Person Merkel der wir alles zuverdanken haben würd schon wieder ihren guten Posten bei der EU erhalten und noch mehr Unglück anrichten , wir alle zusammen verstehen die Menschen nicht mehr das sie ihren eigenen Untergang immer und immer wieder wählen.

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20.04.2019 16:09 Wachtmeister Dimpfelmoser 24

Wir werden noch so einiges nicht verstehen und dafür zahlen müssen.

20.04.2019 16:06 Frank 23

Dieses Problem betrifft leider auch das Gesundheitswesen in der Schweiz,ich arbeite selber dort,es werden tausende Franken allein auf einer Abteilung für Dolmetscher ausgegeben,da die meisten asylsuchenden Patienten genau wissen das sie sich gar nicht bemühen müssen die Sprache zu lernen,es wird der Anspruch erhoben das wir gefälligst arabisch sprechen sollten, auch ist die Berücksichtigung der Religion oberstes Gebot.Leider wurden durch die hohen Kosten die die Klinik tragen wird46 bereits in anderen Bereichen gespart,allerdings wird immer mehr verlangt,dass der Patient selber für einen Uebersetzer sorgen muss,aber das bezahlt ja dann auch das Sozialamt problemlos,denn wir brauchen ja hochqualifizierte Fachkräfte die kein Deutsch sprechen,denn das gibt es sowieso bald nicht mehr.

20.04.2019 14:50 Jens 22

Das sind doch alles Goldstücke und Fachkräfte, es steht doch völlig außer Frage, dass wir die Kosten wieder mehr als genug einspielen. Oder?

20.04.2019 13:03 Part 21

Die Vorstände der 109 Krankenkassen baden geradezu in Geld und am liebsten würden sie noch höhe Bezüge einforden als die höchste Politiker bekommen, doch wenn es um das Leistungsspektrum geht wird überall gespart. Bei so viel abgeworbenen Mediziner aus aller Welt sollte sich das Problem doch langsam lösen können, besonders bei Polnisch oder Russisch.

20.04.2019 12:39 REXt 20

Selten so gelacht, die „Nazis“ hatten schon 2015 solche skurrilen Auswüchse prophezeit, diese ganze Migrationspolitik unserer superschlauen BK, wird laut krachen. Das Ende naht, allen voran die EU, dieser Haufen von unfähigen abgetakelter Politiker, die selbst den Nationalstaaten, zu wider waren beschleunigen den Prozess !