Hochschule für Bildende Künste Dresden
Die Hochschule für Bildende Künste (HfBK) in Dresden. Bildrechte: imago images / Westend61

Umstrittener Protest Dresdner Kunststudenten besorgt über AfD-Einfluss auf Kultur

Weil die Bibliotheksleiterin der Dresdner Kunsthochschule für die AfD kandidierte, besetzten die Kunststudenten die Bibliothek und forderten die Entlassung der Frau. An der Art des Protests gibt es allerdings Kritik. Unter anderem von Sachsens SPD-Kultusministerin Stange.

von Astrid Wulf, MDR AKTUELL-Landeskorrespondentin in Sachsen

Hochschule für Bildende Künste Dresden
Die Hochschule für Bildende Künste (HfBK) in Dresden. Bildrechte: imago images / Westend61

Welche Auswirkungen hat es, falls die AfD nach der Landtagswahl politischen Einfluss auf Kunst und Kultur in Sachsen bekommt? Diese Frage treibt Madlyn Sauer um. Die Studierendenvertreterin sitzt in einem Hinterhof-Garten in Dresden. Wie einige ihrer Kommilitonen von der Hochschule für Bildende Künste, kurz HfBK, hat auch sie sich der politischen motivierten Kunst verschrieben. Die AfD in Dresden habe diese Kunst ganz gezielt angegriffen:

"Es gab zum Beispiel ein Meisterschülerinnenprojekt und ein Wahlplakat, das digital war, das als lächerliche Kunst abgestempelt wurde. Das andere ist natürlich, dass wir Kunst als sehr offenen Ort begreifen, in dem sich Menschen aller Couleur frei ausdrücken können. Und dann passt das mit einer AfD natürlich überhaupt nicht zusammen."

Studenten fordern Entlassung

Ein zerissenes Wahlplakat der Partei Afd Alternative fuer Deutschland.
Weil die Chefin der HfBK-Bibliothek für die AfD kandidierte, forderten Dresdner Kunststudenten ihre Entlassung. Bildrechte: imago/Ralph Peters

Mit der Bibliotheksleiterin der Hochschule hätten sich viele Studierende gut verstanden und auch über ihre Projekte geredet. Umso überraschter waren die angehenden Künstler, dass die Bibliothekarin bei der Kommunalwahl parteilos für die AfD im Kreis Meißen kandidierte. Das sorgte dafür, dass die Studierenden ihrem Ärger Luft machten. Einige besetzten die Bibliothek und hingen Transparente auf, forderten aber auch, die Bibliothekschefin zu entlassen. Dabei ginge es vor allem darum, Aufmerksamkeit für das Problem zu generieren, sagt Sauer: "Das [Problem, d. Red.] hat ja nicht nur die HfBK. Das haben wahrscheinlich alle sächsischen Kulturinstitutionen. Die reden nur nicht darüber."

Rektor: "Priorität hat parteipolitische Neutralität"

Der Rektor der Hochschule, Matthias Flügge, kann die Sorgen der Studierenden nachvollziehen und teilt sie teilweise auch. Priorität habe aber die parteipolitische Neutralität. Was die Mitarbeiter in ihrer Freizeit machten, wen sie wählten oder für wen sie kandidierten, gehe die Hochschule nichts an: "Das andere ist, dass wir die Ideen, die dahinterstehen, sehr genau analysieren müssen. Und wir müssen unsere Ideen dagegen setzen: mit Argumenten, mit künstlerischer Kraft, Qualität, Einfall, Widerstand. Und wenn die Studierenden da Ideen haben und sich artikulieren, werden wir das natürlich ideell unterstützen."

Die Studierenden planen weitere Aktionen, wollen aber auch weiterhin mit der Bibliotheksleiterin ins Gespräch kommen. Sie war für MDR AKTUELL für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Der AfD-Kreisverbandsvorsitzende aus Meißen, Detlev Spangenberg, sprach Ende Mai von einem fragwürdigen Demokratieverständnis der Studierenden.

Stange: Private Gesinnung ist eigene Angelegenheit

Die sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Dr. Eva-Maria Stange
Kultusministerin Stange: "Ausgrenzung ist keine Lösung." Bildrechte: SMWK/Martin Förster

Die Geschehnisse an der Hochschule hat auch die sächsische Wissenschafts- und Kunstministerin Eva-Maria Stange verfolgt. Sie mahnt: "Solange das vom Dienst getrennt wird und nicht während der Dienstzeit stattfindet, ist das jedem seine eigene Angelegenheit. Alles andere ist eine Art, ich nehme mal das harte Wort, Gesinnungsschnüffelei. Die hatten wir lange genug. Und wichtig ist, dass es Diskussionen gibt. Die Demokratie lebt von Argumenten und sie lebt auch davon, dass man sich austauscht, wie wir leben wollen."

Ausgrenzung sei keine Lösung, sagt die SPD-Ministerin und meint das nicht nur in Bezug auf die Dresdner Kunsthochschule. Denn immer wieder geraten auch Veranstaltungen in die Schlagzeilen, weil über die Teilnahme AfD-naher Künstler diskutiert wird.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. Juni 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Juni 2019, 12:47 Uhr

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126 Kommentare

19.06.2019 12:36 winfried zu (125)Ralf112 126

Sie erinnern zu Recht an die Zeit vor 1933.
Damals standen den "braunen Horden" die "Rot-Front-Kämpfer" unversöhnlich gegenüber.
Damals wie heute gab/ gibt es eine Vorgeschichte der Situation ...
... vor 1933 waren es der Versailler-Vertrag und die Wirtschaftskrise
... heute ist es die Merkel-Entscheidung im Herbst 2015.
In beiden Fällen, damals wie heute, wollte "das Volk" der "Führung" nicht mehr folgen.

19.06.2019 11:49 Ralf112 125

@ 120 Winkler: "So ähnlich. mit fanantisierten "Studenten" dürfte es bei den "Roten Brigaden" bei Maos Kulturrevolution auch angefangen haben. Der Rest ist dem Bildungsbürger bekannt. Wehret den Anfängen!"

Der Bildungsbürger weiß noch sehr viel besser, wie das mit den braunen Horden angefangen hat! Vor diesem Hintergrund könnte der Aufstand der Studenten sehr viel realistischer als der Versuch gewertet werden, diesen erneuten braunen Anfängen zu wehren! Immerhin ist es schon wieder so weit, dass Führungskräfte einer durch den VS beobachteten Partei Seite an Seite mit Rechtsextremisten spazieren gehen. Von den rassistischen Beleidigungen ala Gauland und Weidel, von den unsachlichen Lügengeschichten ala Böswald und Storch und von der Verharmlosung der Nazi-Zeit ala Gauland und Höcke ganz zu schweigen. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Weg der Argumentation weitergehen wollen?

19.06.2019 11:22 Wessi 124

@ 121 Ja, genau da unterscheiden wir uns.Ich empfinde jedes legale Mittel als rechtens um rechts zu bekämpfen.Dazu gehört z.B. auch die friedliche Besetzung von Universitätsteilen+auch Forderungen von Entlassungen im Kulturbetrieb.Ich empfinde soetwas überhaupt nicht als "Umtriebe".Politiker einer Partei die soetwas wie 180° Grad-Wenden der Erinnerungskultur fordert, gehören nicht in die BRD-Kultur.So empfinde ich+das ist persönlich.Und: täuschen Sie sich nicht bei den Grünen, die hätten sicher nicht so diplomatisch reagiert wie die Genossin Stange, sie hätten die Frau gleich zitiert, mit dem Ziel sie umzusetzen!

19.06.2019 05:28 Querdenker 123

Wenn so viele Studenten sich dieser Forderung nach Entlassung der Bibliothekarin anschließen, dann stellt sich die Frage, was in unserem Bildungssystem bzgl. politischer Bildung schief läuft und wer dafür die Verantwortung trägt.

Da scheint ja von den Studenten auch kaum jemand die Zivilcourage gehabt zu haben, sich gegen diese Studenten zu stellen und auf unsere Grundgesetz Art 3 zu verweisen? Das sieht nach einseitiger und mangelhafter politischer Bildung im Schulwesen aus.

Oder geht an der Kunsthochschule die Angst um, sich gegen diese Forderung der Studenten zu stellen? Wenn eine Bibliothekarin gemobbt wird (siehe mein Beitrag 114), was passiert dann mit einzelnen Studenten, die sich dagegen aussprechen?

19.06.2019 05:16 Querdenker 122

@Wessi 117

Ich habe überhaupt nicht die Studenten auf eine Stufe mit Zitat „braunen Horden“ gestellt. Zudem habe ich beide politische Seiten aufgeführt.

Ich habe gezeigt, in welches Fahrwasser die Studenten sich begeben haben und wohin dieser Weg führt.

Wenn die Studenten dieses extreme Fahrwasser verlassen wollen, dann sollten sie sich finde bei der Bibliothekarin öffentlich und medienwirksam entschuldigen. Die Studenten haben es selbst in der Hand, zu was sie werden.

Wenn sogar Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD) die Studenten kritisiert, dann sollte Ihnen eigentlich ein Licht aufgehen.

Ich habe alle Zitate belegt.

Ihre Wortwahl „ekelhaft“ und „angeekelt“ zeigt mir nur, dass ich mit meinen Beitragen 113 &114 ins Schwarze getroffen habe. Beim Diskus sollte es vor allem um das bessere Argument gehen (siehe „deutschlandfunkkultur Zum 90. Geburtstag von Jürgen Habermas Der Oberaufseher des öffentlichen Diskurses“).

19.06.2019 00:30 Klaus 121

@ { 18.06.2019 21:46 Wessi }
Jetzt bleiben Sie doch mal bei der Wahrheit. Das ist keine Kritik. Zitat aus dem Bericht: " ... besetzten die Kunststudenten die Bibliothek und forderten die Entlassung der Frau. "
Was hat das mit sachlicher Kritik zu tun, wenn man durch rechtswidriges Verhalten (besetzen der Bibliothek) einem anderen Menschen den Arbeitsplatz entziehen will, nur weil dieser sich erlaubt hat für eine Partei zu kandidieren.
Das ist keine Kritik, sondern Hetze und damit von jedem aufrechten Demokraten ganz klar zu verurteilen. Nur weil wir die rechten Umtriebe angehen, heißt das nicht, dass wir die linken Umtriebe tolerieren.
Deshalb wird schwarz-grün die Zukunft gehören, die Parteien der Mitte. Die sind jetzt ja ungefähr gleich groß, was die Zustimmung der Wähler angeht, und das ist auch gut so.
Von daher hat die Ministerin Eva-Maria Stange vollkommen recht.

18.06.2019 23:01 winkler 120

So ähnlich. mit fanantisierten "Studenten" dürfte es bei den "Roten Brigaden" bei Maos Kulturrevolution auch angefangen haben. Der Rest ist dem Bildungsbürger bekannt. Wehret den Anfängen !

18.06.2019 22:29 aus Dresden 119

@118 Wessi
"Die Studierenden haben eben nicht "gehetzt", sondern nur eine Politikerin aufgrund ihrer Haltung kritisiert."

Lesen Sie die Artikel des MDR überhaupt bzw. die Berichterstattung in den Medien? Von Seiten der Studierenden wurde eine Forderung aufgestellt, "HfBK oder AfD - Beides geht nicht." Das ist keine Kritik im normalen Diskurs des Wahlkampfes, sondern Erpressung und Mobbing. Wenn sich Kunden oder Kollegen mit einem derartigen Plakat in Bezug auf Sie und Ihre Mitgliedschaft in der SPD (@117) an Ihrer Arbeitsstelle auftauchen würden, dann würden Sie auch anders urteilen. Und es gilt: "Was du nicht willst, was man dir tu, das füg' auch keinem anderen zu."

Maaßen sprach i. Ü.von "linksradikalen Kräften in der SPD".

Wenn Meinung (und Gesinnung, Ideologie) die entscheidenden Argumente werden, dann läuft es definitiv in die falsche Richtung.

18.06.2019 21:46 Wessi 118

@ 115 ...solange es sich um "Hetze" handelt.Aber ich empfinde "rechts" gefährlicher.Die Studierenden haben eben nicht "gehetzt", sondern nur eine Politikerin aufgrund ihrer Haltung kritisiert.Ihre CDU-Meinung ist bekannt, aber eben nicht meine.Als überzeugter 68er habe ich eine ganz andere Auffassung.

18.06.2019 21:32 Wessi 117

@ 113/114 Es ist reichlich vermessen, ein paar Studenten die eine Politikerin friedlich kritisieren mit den braune Horden auf eine Stufe zu stellen, zumal die AfD tw. ekelhaft revisionistische Thesen vertritt.Es ist übelst dreist, Menschen wie mich, der der SPD angehört, oder diese Studierenden, mit Schlagwörtern wie "linksextremistisch" zu verunglimpfen.Und das in Zeiten in denen der radikale Flügel der Rechtsaussen mutmaßlich in unserer Republik einen Politikermord begangen hat. Ihre Vergleiche sprengen jede Realität.Und was den NZZ-Autor anbelangt, so ist dessen Meinung zu unseren Werten bekannt.Ihre Denke von "normal" ist eben nur Minderheitsmeinung, ich bin angeekelt.Ein Zitat haben Se belegt.Aus welchen Quellen stammen die Übrigen?