Ein Fotograf und eine Fotografin machen 2008 in einem Park Fotos von einer Gruppe Menschen
Hochzeitsfotografen gehen davon aus, dass sie alle Gäste fotografieren dürfen. Aber eigentlich bräuchten sie eine Einwilligung von jedem einzelnen. Bildrechte: IMAGO

DSGVO Welche Auswirkungen der neue Datenschutz auf Fotografen hat

Keine seltene Situation: Ein Profi-Fotograf macht Bilder bei einem Fußballspiel, einer Demonstration oder einem Konzert und fotografiert dabei auch Fans oder Demo-Teilnehmer. Ab dem 25. Mai muss er dabei ein neues Datenschutzrecht beachten, denn dann tritt die EU-Datenschutzgrundverordung in Kraft. Was ändert sich dann für Fotografen?

von Andre Seifert, MDR AKTUELL

Ein Fotograf und eine Fotografin machen 2008 in einem Park Fotos von einer Gruppe Menschen
Hochzeitsfotografen gehen davon aus, dass sie alle Gäste fotografieren dürfen. Aber eigentlich bräuchten sie eine Einwilligung von jedem einzelnen. Bildrechte: IMAGO

Ines Mathiebe ist Fotografin in Leipzig. Ihre Kamera hat sie fast immer dabei; sie macht Fotos bei Konzerten, Hochzeiten, Betriebsfesten. "Ich bin mobile Fotografin", erklärt Mathiebe. "Das heißt, dass ich zu meinen Kunden nach Hause fahre oder on Location fotografiere oder zu dem Kunden direkt in die Firma. Ich gehe auch in Kindergärten, um dort zu fotografieren."

Häufig lichtet Ines Mathiebe andere Personen ab. Genau dafür gelten ab Ende Mai die neuen Regeln der Datenschutzgrundverordnung der EU. Die bringt – rein auf dem Papier – gar nicht so viele Änderungen mit sich: Wie bisher gilt weiterhin der Grundsatz: Das Fotografieren von Personen ist verboten, es sei denn, es gibt eine Erlaubnis dafür – etwa eine Einwilligung des Fotografierten.

Einwilligung von jeden Fotografierten?

Praktisch aber wird die neue Verordnung einiges durcheinanderwirbeln, erklärt der Anwalt Doktor Jonas Kahl von der Leipziger Kanzlei Spirit Legal. So sei es sinnvoll, sich eine Einwilligung für ein Foto in Zukunft am besten immer schriftlich geben zu lassen.

Und außerdem hat ein Fotograf laut Kahl noch mehr Pflichten: So müsse er die abgelichteten Personen vorab darüber aufklären, dass er Fotos anfertigt, zu welchem Zweck er diese anfertigt, wie lang und wo er sie speichert. "Man muss auch damit rechnen, dass man mit gewissen Ansprüchen der fotografierten Leute im Nachhinein konfrontiert wird", erklärt der Anwalt. "Die können zum Beispiel widerrufen, dass ihre Fotos genutzt werden. Dann muss man die zurückziehen oder die können einen Löschungsanspruch geltend machen, dann muss man die Fotos löschen."

Bürokratischer Aufwand steigt

Wer sich nicht an die Verordnung hält, muss mit Bußgeldverfahren oder Schadenersatzklagen rechnen. Für Fotografen wie Ines Mathiebe wächst also der bürokratische und organisatorische Aufwand. Hinzu kommt: Die Fotografin ist häufig in Situationen, in denen es schwer bis unmöglich ist, sich von jedem Fotografierten eine Einwilligung zu holen, zum Beispiel bei Hochzeiten.

"Wenn man auf einer Hochzeit von Früh bis Abend ist und nicht nur das Brautpaar fotografiert, dann sind logischerweise auch die Hochzeitsgäste mit drauf", sagt die Fotografin. "Das ist nicht realisierbar vorher mit 50, 100 Gästen zu sprechen und sich von jedem eine Unterschrift geben zu lassen."

Gerichte müssen Rechtsunsicherheit beseitigen

Das gilt auch für Fotos von Fußballspielen, Demos oder Fußgängerzonen. Hier herrscht in Zukunft eine große Rechtsunsicherheit, sagt Anwalt Jonas Kahl. Zum einen, weil sich Bund und Länder noch nicht über die Zuständigkeiten einig sind.

"Die Unsicherheit resultiert zudem daraus, dass es noch keine Rechtssprechung zu der Frage gibt", so Kahl. "Das wird sich erst in den nächsten Monaten herausstellen, wie Gerichte damit umgehen und ob die die bisherigen Regelungen, die nach dem Kunsturhebergesetz und dem Recht am eigenen Bild existierten, auch auf das Datenschutzrecht übertragen. Dann könnte da an der Stelle wieder Rechtssicherheit entstehen."

Bis dahin werden wohl einige Monate ins Land gehen, so Kahl. Der Anwalt rät, sich als Fotograf sicherheitshalber lieber eine Einwilligung zu viel als zu wenig einzuholen und zum Beispiel bei Hochzeiten Hinweise aufzuhängen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Mai 2018 | 07:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Mai 2018, 15:58 Uhr

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2 Kommentare

23.05.2018 07:48 Markus 2

@1 Fragender Rentner - Unkenntlich machen, das reicht nicht. Lesen Sie bitte DSGVO!
Ich habe auf meiner Seite alle Foto mit Personen entfernt mit Hinweis auf DSGVO. Etwa so: "hier könnte ein Foto von unserem Konzert sein". Ja, wir haben so eine "Demokratie", wo Zensur noch schlimmer wird, wie bei mancher Diktatur!

19.05.2018 16:38 Fragender Rentner 1

Man muß nur die Personen auf den Bildern unkenntlich machen und schon ist alles in Butter. :-(((