Ausgetrocknete Böden Bund lehnt Unterstützung für Dürreversicherungen ab

Die Landwirtschaft in Deutschland hat dieses Jahr den dritten trockenen Sommer zu verkraften, da wird der Ruf nach einer Dürreversicherung laut. Zwar gibt es schon Versicherungen gegen Ernteausfälle wegen Trockenheit, aber gegenwärtig sind sie noch zu teuer. Damit sie bezahlbar werden, soll der Bund eine Anschubfinanzierung geben, so die Forderung des Bauernverbandes. Der der Bund lehnt ab.

Ein Landwirt steht auf einem vertrockneten Feld, auf dem nur wenige Maispflanzen wachsen
Eine seit drei Jahren anhaltende Dürre lässt in der Landwirtschaft die Rufe nach Dürreversicherungen lauter werden. Doch die sind teuer. Bildrechte: dpa

Im Bundeslandwirtschaftsministerium winken sie ab, schließlich habe Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner, CDU, den Steuersatz für Versicherungen gegen Dürre und andere Wettergefahren längst von 19 Prozent auf 0,03 Prozent gesenkt.

Ansonsten heißt es dort: "Zuständig bei Naturkatastrophen sind verfassungsgemäß die Länder, der Bund kann bei Schäden nationalen Ausmaßes eingreifen."

Grünenpolitiker hält Anschubfinanzierung für fragwürdig

Diese Schäden nationalen Ausmaßes gab es zuletzt 2018. Bund und Länder stellten zusammen 340 Millionen Euro Dürrehilfe bereit. Der Bio-Landwirt und Bundestagsabgeordnete Friedrich Ostendorff von Bündnis 90/Die Grünen sagt dazu: "Man stellte dort Anträge und wenn die Kriterien der Ertragseinbuße, der Not, erfüllt wurden, wurde den Bauern direkt aus dem Staatshaushalt geholfen, aus dem Notfallfonds."

Eine bewährte Praxis: Der Bund springt mit Nothilfemitteln ein, wenn es nötig ist. Eine Anschubfinanzierung für Dürre-Versicherer, die schließlich Geld verdienen wollten, hält Ostendorff für fragwürdig: "Warum soll ich denn dann privaten Versicherern das Risiko absichern, das ist doch ein schlechtes Geschäftsmodell, wenn ich selber im Haushalt für Notfälle vorbereitet bin."

Klimawandel Grund für teure Versicherungen

Ganz anders sieht das der Vorsitzende des Bundestags-Agrar-Ausschusses, Alois Gerig, CDU: "Ich erlebe, dass die Landwirte überwiegend durchaus bereit wären, wenn es denn bezahlbar ist, hier sich selbst abzusichern."

Allerdings sind die Dürreversicherungen, die es bisher gibt, den meisten viel zu teuer. Warum? Auch weil die sommerliche Trockenheit fast alle Flächen betrifft, ist heutzutage fast jeder Versicherungsnehmer praktisch gleich ein Schadensfall. Das treibt die Preise hoch.

Noch einmal Alois Gerig: "Ich könnte mir denken, weil ich auch befürchte, dass der Klimawandel allgegenwärtig ist und weitere Ernteausfälle nach sich zieht, dass die Landwirtschaft abgesichert werden muss und dass sie nicht alle drei Jahre beim Bund anbetteln kann, dass jetzt wieder ein schlechtes Jahr ist."

Baden-Württemberg geht voran

Deshalb ist Alois Gerig wie die Bundesländer und der Deutsche Bauernverband für günstigere Dürre-Versicherungen mit Staatshilfe. Baden-Württemberg hat schon gezeigt, wie so etwas geht: Drei Jahre finanziert die Landesregierung mit jeweils 5 Millionen eine Mehrgefahrenversicherung, vor allem gegen Spätfröste im Obst- und Weinbau.

Für die Anschubfinanzierung der Dürreversicherungen auf Bundesebene kommen womöglich GAK-Mittel ins Spiel: GAK heißt Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern für die Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes. 60 Prozent in diesem Topf kommen vom Bund, 40 Prozent vom jeweiligen Land.

Noch hält die Bundesregierung die GAK-Förderung von Versicherungen, die bei Dürreschäden helfen, für schwierig. Ob sie dabei bleibt, hängt auch davon ab, wie das Klima der nächsten Jahre sich entwickelt und welche Schäden es in der Landwirtschaft anrichtet.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. September 2020 | 06:38 Uhr

4 Kommentare

ElBuffo vor 11 Wochen

Was soll denn diese Versicherung bewirken, wenn sich das Klima irgendwie entwickelt? Dann werden sich die Bauern zurücklehnen und einfach weiter so machen, weil dann ja die Versicherung einspringt. Blöder geht es eigentlich kaum noch.

Rasselbock vor 11 Wochen

Mal wieder typisch Ökonom, nur an Gewinn denken. SElbst wenn man den Ausfall der Ernte versichern würde, die verlorenen Naturalien kann keine Versicherung ersetzen. Was die vielen Feldmäuse angeht, wer hat den die meisten Brutmöglichkeiten in der Flur im Interesse der sogenannten wirtschaftlichen Landwirtschaft beseitigt? Das waren die Bauern doch selber, oder? Wann geht es endlich in einige verblödete Hirne hinein? Jeder Versuch die Natur zu betrügen ist zum Scheitern verursacht.

Gerd Mueller vor 11 Wochen

als Kavalier übernimmt er es, oder soll Frau selber zahlen @Lächim