Neue Düsseldorfer Tabelle Mehr Unterhalt für Trennungskinder

Zum Jahreswechsel tritt die aktualisierte Fassung der sogenannten Düsseldorfer Tabelle in Kraft – danach gibt es mehr Unterhalt für Trennungskinder. Die Sätze steigen in allen Altersklassen, nur Studierende profitieren nicht.

Eine Mutter küsst und umarmt ihre Tochter
Kinder von Alleinerziehenden haben bald Anspruch auf höheren Unterhalt. Bildrechte: imago images / Cavan Images

Kindern von getrennt lebenden Eltern steht ab dem Jahreswechsel mehr Unterhalt zu. Wie das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf am Dienstag bei der Vorstellung der neuen Düsseldorfer Tabelle mitteilte, steigen die Bedarfssätze sowohl für minderjährige Kinder als auch für Volljährige.

Die Düsseldorfer Tabelle gilt seit 1962 bundesweit als Richtlinie zur Bemessung eines angemessenen Kindesunterhalts. Die aktualisierte Fassung tritt am 1. Januar 2021 in Kraft.

Zahlbeträge steigen für alle Altersklassen

Der Mindestunterhalt wird demnach für Kinder bis fünf Jahre um 24 auf 393 Euro steigen. Kinder zwischen sechs und elf Jahren haben dann Anspruch auf 451 Euro, 27 Euro mehr als bislang. In der dritten Altersgruppe bis zur Volljährigkeit sind es 528 Euro, das ist ein Plus von 31 Euro.

Die Sätze beziehen sich jeweils auf die niedrigste Einkommensgruppe der Unterhaltspflichtigen bis 1.900 Euro netto. Für höhere Einkommen weist die Tabelle – die allerdings keine Gesetzeskraft hat, sondern als Hilfsmittel dienen soll – höhere Beträge aus. Auch die Bedarfssätze für volljährige Trennungskinder würden angepasst, teilte das OLG, das die Tabelle seit 1979 herausgibt, mit.

Neue Düsseldorfer Tabelle ab 2021 gültig

Der Anspruch Studierender, die nicht bei ihren Eltern leben, bleibe hingegen unverändert bei 860 Euro. Auf den Bedarf des Kinds wird das Kindergeld angerechnet. Dieses beträgt ab 1. Januar für ein erstes und zweites Kind 219 Euro, für ein drittes Kind 225 Euro und für das vierte und jedes weitere Kind 250 Euro. Laut Gericht muss das Kindergeld bei minderjährigen Kindern in der Regel zur Hälfte und bei volljährigen Kindern in vollem Umfang auf den Barunterhaltsbedarf angerechnet werden.

Anpassungen seien auch beim sogenannten Selbstbehalt, der Unterhaltspflichtigen für ihren eigenen Bedarf zusteht, nicht vorgesehen. Demnach stehen Nicht-Erwerbstätigen weiterhin 960 Euro Selbstbehalt zu, Erwerbstätigen 1.160 Euro, ausgehend von einer Warmmiete von 430 Euro.

Der Betrag kann erhöht werden, wenn die Wohnkosten diesen Betrag überschreiten und nicht unangemessen sind. Die "Düsseldorfer Tabelle" wird bei Gesprächen des Deutschen Familiengerichtstages mit allen Oberlandesgerichten regelmäßig angepasst.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. Dezember 2020 | 15:30 Uhr

2 Kommentare

club1179 vor 7 Wochen

finde diese jährliche erhöhung vom unterhalt eine absolute sauerei und das jetzt auch noch in diesem corona jahr wo sehr viele kurzarbeit machen oder gar ihren job verloren haben. fragt mich wer ob ich jedes jahr eine lohnerhöhung bekomme? aber das interessiert keinen politiker(in). hauptsache die ach so armen alleinerziehenden mütter wird das geld hinterher geworfen.

Kommentator_1 vor 7 Wochen

"Anpassungen seien auch beim sogenannten Selbstbehalt, der Unterhaltspflichtigen für ihren eigenen Bedarf zusteht, nicht vorgesehen."

Wir Väter bedanken uns. Wirtschaftlich bedeutet das: Bei gleich bleibendem netto dürfen wir unserer vornehmsten Pflicht und unserem einzigen Recht nachkommen, und wieder mal mehr zahlen.

Vielleicht kommt mal ein einziger Politiker, oder vielleicht sogar eine Politikerin (???) uf die Idee und bedankt sich bei all den Männern, die Tag für Tag unter widrigsten Bedingungen ihr Geld erarbeiten, bei sich selbst sparen und pünktlich Unterhalt zahlen.
Das wäre eine riese Geste, aber auch ein kleiner Schritt zur Überwindung der Spaltung unserer Gesellschaft!