Ein Elektroauto steht an einer Ladesäule. Aus der Säule führt ein Stromkabel zum Auto.
Bildrechte: MDR/Dirk Reinhardt

Elektromobilität Deutsche kaufen trotz Prämie kaum E-Autos

Eine Million Elektroautos sollten auf deutschen Straßen bis 2020 fahren. Von diesem Ziel hat sich die Bundesregierung schon lange verabschiedet. Um mehr Menschen zum Umsteigen zu bewegen, setzte die Regierung immerhin einen Kaufanreiz in Form eines finanziellen Zuschusses in Höhe von bis zu 4.000 Euro. Seit einem Jahr kann die Förderung in Anspruch genommen werden. Das E-Auto bleibt jedoch ein Ladenhüter. 

von Michael Kück, ARD-Hauptstadtstudio für MDR AKTUELL

Ein Elektroauto steht an einer Ladesäule. Aus der Säule führt ein Stromkabel zum Auto.
Bildrechte: MDR/Dirk Reinhardt

Das Interesse an E-Autos bleibt gering. "Bringt mir ja nix, wenn ich nach 300 Kilometern nicht weiß, wo ich mein Auto aufladen kann. Wenn das Netz ausgebaut ist und ich kann auf der Autobahn schnell ranfahren, ok.", sagt ein Autofahrer. 4.000 Euro seien schön und gut, aber bei den hohen Anschaffungskosten und dem fehlenden Ladenetz sei der Anreiz zu gering.

Nur 20.000 Prämien beantragt

So sehen das offenbar viele. 1,2 Milliarden Euro hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble für das Programm lockergemacht – das reicht theoretisch für 300.000 Förderungen. Doch im ersten Jahr wurden gerade etwas mehr als 20.000 Prämien beantragt. Zwar geht die Tendenz nach oben, sie bleibt aber auf niedrigem Niveau. Das hatte sich schon nach wenigen Monaten angedeutet.

Die Bundesregierung bleibt gelassen, Nachbesserungen sind vorerst nicht geplant. Das Förderprogramm laufe schließlich noch zwei Jahre weiter, argumentiert die Sprecherin von Bundeswirtschaftsministerin Zypries, Tanja Alemany: "Wir werden erst mal das Ende der Förderperiode abwarten und gucken, wie sich die Zahlen entwickeln und dann sehen wir weiter."

Opposition fordert Steueranreize

Das reicht nicht, findet der Grünen-Bundestagsabgeordnete Stephan Kühn aus Dresden. Ihm fehlen vor allem steuerliche Anreize: "Wer sich ein E-Auto anschafft, der kriegt über die Kfz-Steuer einen Bonus, also zahlt eine negative Steuer und wer ein Auto will, dass über dem CO2-Standard liegt, der zahlt einen Malus – und darüber kann dann die Anschaffung der Elektrofahrzeuge gefördert werden", schlägt er vor.

Ladestationen fehlen

Ein Problem bleibt: das fehlende flächendeckende Netz an Ladestationen. Hier müsse der Gesetzgeber nachhelfen und beispielsweise bei Neubauten von Supermärkten oder Einkaufszentren dafür sorgen, dass der Bau zur Pflicht werde. Und auch Mieter wollen die Grünen in ihren Rechten stärken: "Wenn der Mieter gerne eine private Ladestation in die Tiefgarage haben will, ist es heutzutage einfach für den Vermieter zu sagen, er will das nicht", sagt Grünen-Politiker Kühn. Elektroinstallateure verlieren dadurch nach seiner Erfahrung viele Aufträge.

E-Auto-Boom in China

Radfahrer mit Staubmasken bei Smog in Krakau
Radfahrer mit Staubmasken bei Smog in Krakau Bildrechte: dpa

Dennoch: Das gewünschte Umdenken in der Industrie hat längst begonnen. Daimler zum Beispiel rüstet gerade sein Werk in Bremen zum Zentrum für E-Autos um. In anderthalb Jahren sollen hier fünf neue umweltfreundliche Modelle serienmäßig vom Band rollen. In Kamenz legte die Daimlertochter Accumotive im Mai den Grundstein für ein zweites Batteriewerk.

Der Treiber der Entwicklung ist China, der derzeit am schnellsten wachsende Automarkt bringt es auf eine halbe Million neuer E-Autos pro Jahr. Der Boom wird auch bei uns kommen, glaubt deshalb Stephan Kühn. Aber etwa zehn Jahre werden wir darauf wohl noch warten müssen, prophezeit der Bundestagsabgeordnete.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 02.07.2017 | ab 13:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Juli 2017, 05:00 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

44 Kommentare

12.11.2018 17:28 Frank 44

Subventionspolitik ist schlechte Politik. Im konkreten Fall soll ein Produkt, ideologisch gewollt, in den Markt gewuchtet werden, dessen Serienreife nicht gegeben ist. Betrachtet man die gesamte Ökobilanz eines E-Mobils im Vergleich zum Verbrenner, also von der Herstellung über Nutzung bis zur Entsorgung, schneidet das E-Mobil deutlich schlechter ab. Über die Kosten lasse ich mich gar nicht erst aus. Kosten trotz Subventionen.

02.08.2018 14:56 wirtz 43

Von was auch von dem Leergeraubten Sparbuch in 16 Drecksgeldjahren oder von der halben Lohntüte die schon am 20zigsten Leer ist seid 16 Jahren und nichts überbleibt

02.08.2018 08:25 Wo geht es hin? 42

@Altmeister 50: Sorry - Bearbock heisst die wohl kommende Physiknobelpreisträgerin....

02.08.2018 00:06 Sabrina 41

@ 03.07.2017 10:36 Grüße aus dem Hunsrück

Wenn es denn so wäre, dann würde sich das E-Auto am Markt durchsetzen, weil die Kunden davon profitieren.
.
Es ist aber nicht so.

02.08.2018 00:03 Sabrina 40

02.07.2017 18:46 Grüße aus dem Hunsrück

Die unbezahlbaren Preise der Teslas (Eine Beleidigung, den Namen eines seriösen Wissenschaftlers für diesen Schrott zu verwerten) resultieren aus dem enormen Ressourcenverbrauch, den die Kisten schon bei der Herstellung haben.
Allein die Herstellung eines Teslas verschlingt Ressourcen wie zwei Kleinwagen samt Reparaturen und Kraftstoff.

01.08.2018 23:50 Sabrina 39

E-Auto ?

Mal abgesehen davon, dass es im Vergleich zu Benzin und Diesel extrem unökologisch ist, kann man an der Grenze umkehren, weil man im Ausland nicht so blöd ist, diesen Schwachfug zu fördern und seinen Strombedarf nicht nachtanken kann.
.
Also - wer soll solchen Unsinn kaufen?
.
Das Geld für die E-Auto-förderung sofort streichen !

01.08.2018 17:52 Wachtmeister Dimpfelmoser 38

Der werte Herr grüne Bundestagsabgeordnete Stephan Kühn soll mal in den Kongo fliegen und sich dort in einem Bergwerk umsehen, in dem Kobalt gewonnen wird. Zwei Drittel der Weltjahresförderung dieses für die Elektromobilität, wie sie derzeit praktiziert wird, unentbehrlichen Rohstoffs stammen von dort. Von 2016 bis 2017 ist der Preis pro Kilogramm schon von 25 $ auf fast 50 $ gestiegen. Und in so ein Bergwerk will glaube ich niemand von uns hineinschauen. Wie im Sozialismus: Erst wird die Idee von oben aufoktroyiert, dann muss die Industrie liefern, und schlussendlich muss nur noch der Bürger überzeugt werden. War es in der DDR der Teekonsum, der in Ermangelung von Kaffee propagandistisch gefördert wurde, sind es heute die E-Autos, die zwar nicht wegen fehlender Alternativen, aber aus dem gleichen Grund angepriesen werden: Das Volk ist ohnehin nicht zu einer sinnvollen Meinungsbildung in der Lage - also übernimmt das die Staats und Parteiführung. Und ganz in seinem Sinne, natürlich.

01.08.2018 16:18 Johny 37

Das wundert mich. Ich denke, die Leute da draußen in der Stadt, in ihren vielen Mehrfamilienhäusern (ohne Tiefgarage), haben das noch nicht richtig verstanden, wo dann am Straßenrand die vielen Ladesteckdosen sind, damit sie früh 6.00 wieder zum Wackeln fahren können und man muß es ihnen einfach besser erklären, denn was gut ist setzt sich auch am Markt durch - auch ganz ohne Subventionen.

01.08.2018 11:48 Wo geht es hin? 36

@Altmeister 50: Also bei Ihren Aussagen zu den Speicherkapazitäten sollten Sie noch mal bei Frau Barenbeck von den Bündnisgrünen nachfragen. Die hat nämlich festgelegt, dass unsere vorhandenen Stromnetze in der Lage wären, auch Strom zu speichern. Sie Ignorant Sie! Sorry, wenn Sie jetzt Ihren Kaffee durch übermäßiges Losprusten auf Ihre Tastatur verteilen sollten...

14.09.2017 20:35 NRW-Wessi 35

@ 34 nasowasaberauch

Guter, sachlicher und völlig realistischer Kommentar.
Man hat die sichersten AKW in Deutschland abgeschaltet, lässt hingegen den Schrott in Belgien am Netz, verpasst dem Verbraucher eine EEG-Umlage und stuft den sparsamen Diesel als "Das Böse" ein.
Ganz vergessen, nein, vermutlich bewusst heruntergespielt wird die massive Zunahme des Flugverkehrs, die aus meiner Sicht die schlimmste Umweltverschmutzung ist, aber viel Geld einbringt. Man beachte dazu einen blauen Morgen-Himmel, der sich bis zum Mittag (kondens)streifenförmig zuzieht und sich bis zum Abend als weiß-silber-graue Wolkenschicht darstellt. Besteht da womöglich ein Zusammenhang mit immer mehr Unwetter und Stürmen?