Stempel mit der Aufschrift Grundrente
In einer Beispielrechnung bekommt eine Friseurin mit 40 Rentenbeitragsjahren dank der Grundrente 400 Euro mehr im Monat. Bildrechte: imago images / Christian Ohde

Fragen und Antworten 400 Euro mehr mit der neuen Grundrente?

Der Kompromiss der Großen Koalition bringt die Grundrente für Geringverdiener in Sichtweite: Doch wer hat eigentlich Anspruch darauf? Muss die Rente beantragt werden? Viele Fragen sind jedoch noch nicht geklärt.

Stempel mit der Aufschrift Grundrente
In einer Beispielrechnung bekommt eine Friseurin mit 40 Rentenbeitragsjahren dank der Grundrente 400 Euro mehr im Monat. Bildrechte: imago images / Christian Ohde

Die Grundrente soll zum 1. Januar 2021 eingeführt werden. Sie gilt dann für Menschen, die bereits in Rente sind und künftige Rentner, die 35 Jahre lang Rentenbeiträge gezahlt haben. Auch wer knapp darunter liegt, soll die Grundrente bekommen. Details hierzu sind allerdings noch offen.

Wer hat Anspruch auf die Grundrente?

Ein Anrecht auf die Grundrente hat jeder, der weniger als 1.250 Euro Einkommen im Monat hat, für verheiratete Paare liegt die gemeinsame Einkommensgrenze bei 1.950 Euro. Nicht verheiratete Paare dürfen nach Angaben des Rentenexperten Martin Brussig vom Institut für Arbeit und Qualifikation laut "Bild" wie Singles behandelt werden.  

Zum Einkommen gehören die bisherige Rente einschließlich Witwen- oder Betriebsrenten sowie Einkünfte zum Beispiel aus Vermietung oder Dividenden. Nicht angerechnet werden sehr niedrige Einkommen aus Minijobs.

Außerdem wird nicht geprüft, ob Rentner eine (wertvolle) Immobilie besitzen oder ein großes Geldvermögen auf dem Konto haben.   

Wie kommen Anspruchsberechtigte zu ihrem Geld?

Beantragen muss man die Grundrente nicht. Mit deren geplanten Einführung am 1. Januar 2021 wird die Deutsche Rentenversicherung automatisch prüfen, ob ein Anspruch besteht. Die nötigen Daten für die Einkommensprüfung sollen von den Finanzämtern kommen.  

Für den automatisierten Einkommensabgleich muss allerdings eine Steuererklärung des Rentenempfängers beim Finanzamt vorliegen.

Wie wird die Grundrente berechnet?

Die Grundrente ist ein Zuschlag auf die Rentenansprüche von Geringverdienern, die 35 Beitragsjahre durch Arbeit, Kindererziehung oder Pflege haben. Sie werden nahezu so gestellt, als ob sie in diesen 35 Jahren für 80 Prozent eines Durchschnittslohns gearbeitet hätten.

Das bedeutet: Die Beiträge an die Rentenkasse müssen zwischen 30 und 80 Prozent der Zahlungen eines Durchschnittsverdieners liegen. Der Rentenanspruch wird dann für 35 Jahre verdoppelt, höchstens aber auf 80 Prozent der Rente, die ein Durchschnittsverdiener in diesen Jahren erwirbt.

Ein Durchschnittsverdiener bekommt pro Jahr einen Punkt. Für jeden Punkt gibt es derzeit im Westen 33,05 Euro Rente und im Osten 31,89 Euro. Wenn die Entgeltpunkte im Schnitt der 35 Jahre nur zwischen 0,4 und 0,8 liegen, werden diese mit der Grundrente nun auf maximal 0,8 erhöht.

Ein Rechenbeispiel:   Eine Friseurin (West) mit 40 Jahren Lohn auf einem Niveau von 40 Prozent des Durchschnittsverdienstes kommt im Schnitt auf 0,4 Entgeltpunkte pro Jahr. Die monatliche Rente beträgt 528,80 Euro (40 Jahre mal 0,4 Entgeltpunkte mal 33,05 Euro). Der nach dem Verfahren berechnete Grundrenten-Zuschlag liegt bei 404,86 Euro. Insgesamt kommt die Frau dann also auf 933,66 Euro Rente.

Zusätzliches Wohngeld

Wenn ein Grundrenten-Bezieher zusätzlich auf Wohngeld angewiesen ist, soll es auch hier einen Freibetrag geben – damit es nicht gleich wieder allzu große Abzüge bei der Grundrente gibt. Die Koalition will dafür 80 Millionen Euro ausgeben. 

Ifo: Nur wenige Anspruchsberechtigte im Osten

Die Bundesregierung rechnet damit, dass bis zu 1,5 Millionen Menschen von der Grundrente profitieren. Das wären knapp sechs Prozent der derzeit rund 21 Millionen Rentner.

Nach Einschätzung des Dresdner Ifo-Instituts könnten in Ostdeutschland jedoch nur wenige Menschen die Grundrente in Anspruch nehmen. Grund sei, dass viele keine 35 Rentenbeitragsjahre vorzuweisen hätten, sagte Ifo-Vize-Chef Joachim Ragnitz.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. November 2019 | 07:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. November 2019, 09:47 Uhr

26 Kommentare

kleinerfrontkaempfer vor 3 Wochen

Es bleibt dabei: Flickschusterei und Dilettantismus der Bürokratie.
Wieder eine Rentenvariante die erstmal durchschaut und vom Bürger richtig eingenordet werden muß.
Dank des "Generationenvertrages" wird sich daran auch nix ändern. Rentenreform folgt auf Rentenreform. Eine notwendige + grundlegende Neugestaltung des ganzen Systems wird immer schwieriger und unwahrscheinlicher.

Klaus vor 3 Wochen

Man kann sich ja auch selbstständig machen, dann bestimmt sich das Einkommen aus der eigenen Handlung oder man wechselt zu einem Arbeitgeber, wo man mehr verdient.
In beiden Fällen muss man selbst aktiv werden und entsprechende Leistung bringen.

kennemich vor 3 Wochen

Genau, wir brauchen gute Löhne und keine Minijobs oder prekäre Arbeitsverhältnisse, da entstehen auch weniger Grundrentner.

Jeder der aufstocken muß kann ansonsten leider ein zukünftger Grundrentner werden !!!

Wie steht heute in der LVZ, in 2018 wurden ca. 10 Milliarden Euro an die Aufstocker gezahlt.

Und seit 2007 bis 2018 wurden ca. 117 Milliarden Euro an die Aufstocker gezahlt.