Reaktionen "Ein-Freund-Regel" sorgt für Aufregung

Kinder und Jugendliche sollen sich wegen steigender Corona-Infektionszahlen nur noch mit einem bestimmten Freund oder einer Freundin treffen dürfen. Noch ist das eine staatliche Empfehlung, doch wird bald eine Vorschrift daraus? Landespolitiker geben Entwarnung.

Kinder schaukeln bei wolkenlosem Himmel auf einem Spielplatz.
Kinder bald nur noch zu zweit auf dem Spielplatz? Bildrechte: Bernd Thissen/dpa

Um den Anstieg der Infektionen mit dem Coronavirus zu bremsen, sollen die Menschen in Deutschland auf nicht notwendige Kontakte verzichten. So hat es Bundeskanzlerin Angela Merkel nach ihrer Videoschalte mit den Ministerpräsidenten am vergangenen Montag verkündet.   

Private Zusammenkünfte mit Freunden, Verwandten und Bekannten sollen auf einen festen, also immer den gleichen, weiteren Hausstand beschränkt werden, und das schließt auch Kinder und Jugendliche in den Familien mit ein.

Bundeskanzlerin Angela Merkel

Keine verbindliche Vorschrift

Allerdings handelt es sich im Moment nur um einen Appell an die Bevölkerung. Eine bindende Vorschrift, wonach Kinder und Jugendliche sich privat nur noch mit einem Freund oder einer Freundin treffen dürfen, gibt es nicht, stellt Cordula Eger klar. Sie ist Sprecherin für Familie und Senioren der Linken-Fraktion im Thüringer Landtag. Eger sagt: "Die Ein-Freund-Regelung ist ja momentan nur ein Vorschlag unserer Bundeskanzlerin. Und damit hat der Vorschlag auch nur einen empfehlenden Charakter."

Zu scharfe Regelung?

Doch könnte aus der Empfehlung möglicherweise eine Vorschrift werden, wenn sich die Länder-Regierungschefs in der kommenden Woche erneut mit der Kanzlerin treffen? "Also ich gehe davon aus, dass nochmal diskutiert wird und erkannt wird, dass diese Maßnahme nicht zielführend ist", sagt Tobias Krull, familienpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt. Es gehe darum, die Maßnahmen so zu gestalten, dass sie zwar dem Gesundheitsschutz dienen. Sie dürften aber nicht so scharf sein, dass sie in der Realität gar nicht umgesetzt werden könnten. "Und die Ein-Freund-Regel, aus meiner Sicht, wäre da nicht umsetzbar", glaubt Krull.

Infektionsgeschehen spricht gegen Ein-Freund-Regel

Gegen eine eventuelle Ein-Freund-Regel sprechen aber nicht nur praktische Gründe. Melanie Ahaus, Sprecherin des Landesverbands Sachsen des Berufsverbands der Kinder-und Jugendärzte, führt noch ein weiteres Argument gegen eine solche mögliche Vorschrift an. "Wenn man bedenkt, dass ja gerade die jüngeren Kinder selten diejenigen sind, die krank werden und die Krankheit übertragen, dann muss man schon sehr vorsichtig sein, was man dieser Altersgruppe antut. Und ich finde, da zu sagen, du musst dich jetzt für eine Freundin entscheiden, das sind Dinge, die ich wirklich für ein junges Alter für gefährlich halte."

Ahaus rät, den gesunden Menschenverstand einzuschalten und weder in die eine, noch in die andere Richtung zu übertreiben. Kinder müssten aus sozialen Gründen nachmittags schon ihre Freunde treffen können, erst recht an der frischen Luft, findet die Leipziger Kinderärztin. Auf der anderen Seite sollte man in der jetzigen Situation auf Geburtstagspartys mit vielen Gästen oder Spielgruppen in beengten Innenräumen verzichten.

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. November 2020 | 06:09 Uhr