JVA in Chemnitz
JVA Chemnitz, der zentrale Frauenvollzug für Sachsen und Thüringen. Bildrechte: MDR/Christine Reißing

Ein Jahr nach dem NSU-Urteil So lebt Beate Zschäpe in der JVA Chemnitz

Vor genau einem Jahr hat das Oberlandesgericht in München sein Urteil im NSU-Prozess gesprochen. Für Beate Zschäpe, die einzige Überlebende der Terrorzelle, stellte es eine besondere Schwere der Schuld fest und verurteilte sie wegen zehnfachen Mordes, Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und schwerer Brandstiftung zu einer lebenslangen Haftstrafe, die allerdings noch nicht rechtskräftig ist.

von Christine Reißing, Landeskorrespondentin Sachsen MDR AKTUELL

JVA in Chemnitz
JVA Chemnitz, der zentrale Frauenvollzug für Sachsen und Thüringen. Bildrechte: MDR/Christine Reißing

Aufrund des noch nicht rechtskräftigen Urteils sitzt Beate Zschäpe nach wie vor in Untersuchungshaft – seit Februar allerdings nicht mehr in München, sondern in Chemnitz. Dorthin wurde sie auf eigenen Wunsch verlegt.

Das Gewerbegebiet im Chemnitzer Süden ist kahl und menschenleer. Hier sind Beton- und Asphaltfirmen angesiedelt und die Justizvollzugsanstalt. Fernwärmeleitungen stehen am Weg, hinter der großen Betonmauer sind Plattenbauten zu sehen. Wer in die JVA möchte, muss sich erst anmelden und sein Handy abgeben. Das gilt auch für potenzielle Besucher von Beate Zschäpe.

Wer die 44-Jährige besucht, darüber gibt die Leiterin der JVA, Eike König-Bender, keine Auskunft. Dies gehöre zur Wahrung der Persönlichkeitsrechte Zschäpes. Daher würden auch keine Angaben gemacht, wie es ihr gehe oder wie Zellennachbarn reagiert hätten.

Beate Zschäpe wird wie jeder andere Gefangene behandelt.

Eike König-Bender, Leiterin der JVA Chemnitz

Derzeit leben im geschlossenen Vollzug der JVA 231 Frauen – als Jugend- oder Strafgefangene oder so wie Zschäpe, als Untersuchungsgefangene.

Fester Tagesablauf mit Angeboten

König-Bender zufolge sind die Untersuchungsgefangenen auf einer extra Station untergebracht. Wie die anderen auch würden sie gegen sechs Uhr geweckt. Danach sei Zeit für Post, Medizin und Frühstück und anschließend werde der Aufenthalt im Freien angeboten und gebe es Möglichkeiten für Gruppenmaßnahmen wie Sport. Später folgten die Ausgabe des Mittagessens und gegen Abend des Abendbrotes. Als Abschluss gebe es noch einmal Post und werde Medizin ausgegeben, dann erfolge gegen 21 Uhr der Nachtverschluss.

Außerhalb der über den Tag verteilten Schließzeiten könnten die Gefangenen in Kontakt zueinander treten, so König-Bender – aber nur innerhalb der Station. Neben Arbeit oder Fortbildungen könne im Chor gesungen, Theater gespielt, gelesen oder Sport gemacht werden. Als Beispiele nannte König-Bender Volleyball, Basketball und Fußball. Alles sei freiwillig. Man motiviere die Frauen, es bestehe aber keine Pflicht.

Grüne Wände und Gitter vor den Fenstern

Bei einem Rundgang zeigt die Chefin der JVA, wie die Gefangenen leben. Beispiel ist ein unbelegtes Zimmer im fünften Stock eines der Plattenbauten. Die Wände im Flur sind grün gestrichen, die Namensschilder der Türen umgedreht, es riecht nach Mittagessen. Das Zimmer selbst ist kaum mehr als zehn Quadratmeter groß, hat ein kleines Bad, Bett, Schrank, Tisch und Regal, eine Pinnwand, einen Spiegel. Und ein Fenster, vor dem die Hügel des Chemnitzer Südens liegen – vergittert allerdings.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. Juni 2019 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Juli 2019, 15:11 Uhr