Denkmal für Deutsche Einheit Spatenstich für "Einheitswippe"

Nach jahrelangem Streit und diversen Verzögerungen hat der Bau des Freiheits- und Einheitsdenkmals in Berlin offiziell begonnen. Die "Einheitswippe" soll bis Ende 2021 vor dem Stadtschloss entstehen – das wären 31 Jahre nach dem Mauerfall und 14 Jahre seit dem ersten Bundestagsbeschluss. In Leipzig steckt die Debatte über ein zweites Einheitsdenkmal derweil fest.

Spatenstich für den Bau des Freiheits- und Einheitsdenkmals.
Neben Grütters nahmen auch die früheren Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse (rechts) und Norbert Lammert (2.v.l.) die Spaten in die Hand. Bildrechte: dpa

Für das Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin ist am Donnerstag der erste Spatenstich gesetzt worden. Kulturstaatsministerin Monika Grütters erklärte, das Freiheits- und Einheitsdenkmal erinnere "an die Zivilcourage derjenigen Menschen, die ihre Stimme erhoben für demokratische Freiheitsrechte".

Das als "Einheitswippe" bekannt gewordene Denkmal entsteht vor dem rekonstruierten Stadtschloss auf dem Sockel des früheren Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals. Die begehbare Waage soll später eine Länge von 50 Metern und eine begehbaren Fläche von 700 Quadratmetern haben. Die Kosten sind mit über 17 Millionen Euro veranschlagt. Bis Ende 2021 soll der Bau fertiggestellt sein.

Die undatierte Computergrafik zeigt den Entwurf der Gestalter Milla & Partner für das in Berlin geplante Freiheits- und Einheitsdenkmal.
Entwurf des geplanten Denkmals vor dem Stadtschloss. Bildrechte: dpa

Verzögerungen und Aufschübe

Der Entwurf des Denkmals kommt von Sebastian Letz vom Architektenbüro Milla und Partner. Die Planer sprechen von einer "sozialen Plastik". Die Besucher müssten sich verständigen und zu gemeinsamem Handeln entschließen, um etwas zu bewegen. Erst wenn sich auf einer Schalenhälfte mindestens zwanzig Personen mehr zusammenfinden als auf der anderen, soll die Schale sich langsam neigen.

Wir sind das Volk. Wir sind ein Volk.

Geplante Aufschrift für das Einheitsdenkmal in Berlin

Ursprünglich sollte die "Einheitswippe" zum 30. Jahrestag des Mauerfalls im vergangenen Herbst eingeweiht werden. Der Bau hatte sich aber immer wieder verzögert. Zu Aufschüben kam es unter anderem wegen des Erhalts von Mosaiken des ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals am jetzigen Standort. Zuletzt verhinderten dort lebende Fledermäuse den Baustart.

Lange Vorgeschichte

Die Planungen für das Monument reichen noch viel weiter zurück. Bereits 2007 beschloss der Bundestag den Bau eines Freiheits- und Einheitsdenkmals. Ein erster Entwurfswettbewerb musste allerdings abgebrochen werden, weil keine Arbeit die von der Jury gewünschte absolute Mehrheit erhielt. Bei einem zweiten Wettbewerb entschied sich die Jury für die begehbare Wippe. 2016 kippte dann der Haushaltsausschuss des Bundestags das Vorhaben wegen gestiegener Kosten. Erst nach weiteren politischen Auseinandersetzungen wurde beschlossen, das Denkmal doch zu bauen.

Planungen in Leipzig auf Eis gelegt

Im Bundestagsbeschluss von 2007 ist auch Leipzig als Gedenkort vorgesehen. In der Stadt der Friedlichen Revolution wird aber ebenfalls seit Jahren über den Bau eines Denkmals gestritten. Ein erster Architekturwettbewerb missglückte – bis hin zu rechtlichen Auseinandersetzungen mit den Urhebern der Siegerentwürfe. 2014 zog der Stadtrat die Reißleine und stoppte das Vergabeverfahren. Es fand sich keine Mehrheit für einen der vorliegenden Entwürfe.

Im Oktober 2017 startete die Stadt Leipzig einen weiteren Anlauf. Sie beauftragte die Stiftung Friedliche Revolution, einen Vorschlag für ein neues Verfahren samt umfassender Bürgerbeteiligung zu erarbeiten. Ende April 2019 sollte dieses Konzept öffentlich vorgestellt werden. Das ist jedoch bis heute nicht geschehen.

Dr. Skadi Jennicke, Bürgermeisterin für Kultur
Leipzigs Kulturbürgermeisterin Dr. Skadi Jennicke. Bildrechte: imago/PicturePoint

Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke äußerte sich zuletzt im März 2019 zum Stand des Vorhabens. Im Stadtrat sagte sie: "Wir sind nach wie vor in der Abstimmung über einen finalen Entwurf eines Verfahrens zur Bürgerbeteiligung, da wir davon ausgehen, dass die Art und Weise, wie die Bürgerinnen und Bürger in dieses Verfahren eingebunden werden, von zentraler Bedeutung für das Gelingen eines solchen Verfahrens ist."

Online-Petition im Januar

Die Stiftung Friedliche Revolution, die eigentlich gemeinsam mit der Stadt eine Lösung herbeiführen sollte, versuchte zuletzt öffentlichen Druck aufzubauen. Sie startete im Januar dieses Jahres eine Online-Petition unter dem Titel "Denk mal an Demokratie – Leipziger Freiheits- und Einheitsdenkmal jetzt!". Für die Petition sind bis heute lediglich 32 Unterschriften zusammengekommen.

Laut einer repräsentativen Umfrage, die von der Stiftung durchgeführt wurde, sollen allerdings 80 Prozent der Leipziger ein Einheitsdenkmal in der Stadt befürworten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. Mai 2020 | 12:00 Uhr

49 Kommentare

Auf der Sonnenseite des Lebens vor 10 Wochen

"Hier wird von Einigen gesagt, daß man lieber eine eigenständige DDR gehabt hätte."

hier hat wohl einer aus dem Westen ein kleines Defizit in Demokratie Verständnis?

Wessi vor 10 Wochen

@ Sonnenseite Warum? Weil Sie es anordnen?Pünktchen?Hahahahahaha.Hier wird von Einigen gesagt, daß man lieber eine eigenständige DDR gehabt hätte...wenn ich hIr wertestes Geposte hier manchmal so lese, denke ich...schade, daß es nicht so kam...hahahaha!Aber die Mehrheit der ostdeutschen wollte eine Vereinigung+wählt auch heute nicht die (Zit. Kahrs) Häßlichen!Darum auch dieses Denkmal.

Peter vor 10 Wochen

Mein lieber Baldur von Ascanien, ob ich das gut finde, dass aus "Wir sind das Volk" "Wir sind ein Volk" wurde, steht nicht zur Debatte. Ich habe Ihnen geschrieben, wofür ich im September 89 auf dem Leipziger Ring war.
Es ist allerdings, objektiv betrachtet, eine Tatsache, dass sich sowohl die Personen wie die Zielstellungen der Demos wandelten. Dabei möchte ich betonen, dass ich die nach mir auf dem Augustusplatz Demonstrierenden keineswegs abschätzig beurteile. Schon gar nicht würde ich sie als "Trittbrettfahrer" bezeichnen.
Und hinsichtlich Ihres letzten Satzes ist es eine Tatsache, dass ehemalige Bürgerrechtler 2016 das drohende Scheitern des Denkmals mit einem offenen Brief kritisierten und die „Bedeutung des Denkmal-Vorhabens“ anmahnten.