Deutsches Nationaltheater Weimar mit Goethe-Schiller-Denkmahl
Mit einem Festakt im Deutschen Nationaltheater Weimar wird der 100. Jahrestag der Weimarer Verfassung gefeiert. Bildrechte: imago/Reiner Zensen

Deutsches Nationaltheater Festakt zu 100 Jahren Weimarer Nationalversammlung

Mit einem Festakt wird am Mittwoch der 100. Jahrestag der Weimarer Nationalversammlung gefeiert. Wie am 6. Februar 1919, als erstmals die neu gewählten Mitglieder des Parlaments der ersten deutschen Republik zusammentraten, kommen auch diesmal die höchsten politischen Vertreter des Staats in der Thüringer Stadt zusammen.

Deutsches Nationaltheater Weimar mit Goethe-Schiller-Denkmahl
Mit einem Festakt im Deutschen Nationaltheater Weimar wird der 100. Jahrestag der Weimarer Verfassung gefeiert. Bildrechte: imago/Reiner Zensen

In Weimar wird am Mittwoch eine Sternstunde der Demokratie gefeiert: Vor genau 100 Jahren, am 6. Februar 1919, trat in der Stadt in Thüringen zum ersten Mal nach dem Sturz des Kaisers die Weimarer Nationalversammlung zusammen. Fernab dem von Unruhen erschütterten Berlin versammelten sich 423 Männer und Frauen im Parkett des Weimarer Nationaltheaters. Hervorgegangen aus den ersten Wahlen nach der Novemberrevolution 1918 waren sie zusammengetreten, um die erste demokratische Verfassung Deutschlands zu erarbeiten.

Zum Festakt am damaligen Versammlungsort in Weimar werden die höchsten gesellschaftlichen und politischen Vertreter der Bundesrepublik erwartet, darunter Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble und die Ministerpräsidenten der Bundesländer. Der Freistaat Thüringen als Gastgeber rechnet mit 800 Gästen, darunter 300 Bürgern.

Live-Übertragungen im MDR FERNSEHEN

Goethe-Schiller-Denkmahl mit Plakat Woche der Demokratie in Weimar
Mit einer Woche der Demokratie feiert Weimar seit Anfang des Monats das große Jubiläum. Bildrechte: dpa

Die Feierlichkeiten beginnen mit einem ökumenischer Gottesdienst in der Stadtkirche St. Peter und Paul, besser bekannt als Herderkirche - wie bereits vor 100 Jahren zum Auftakt für die Zusammenkunft der gerade gewählten Nationalversammlung.

Der Gottesdienst wird ab 12:30 Uhr live im MDR FERNSEHEN übertragen wie auch der Festakt im Deutschen Nationaltheater ab 15:10 Uhr. Um 15:15 Uhr vor 100 Jahren eröffnete dort der Sozialdemokrat Friedrich Ebert als Vorsitzender des Rats der Volksbeauftragten die erste Sitzung der am 19. Januar 1919 gewählten Nationalversammlung.

Bürgerfest und Festival

Im Jugend- und Kulturzentrum "mon ami" laden Weimar und der Verein Weimarer Republik zudem zu einem Bürgerfest ein. Dort können Besucher unter anderem mit Nachfahren der Parlamentarier der Weimarer Republik ins Gespräch kommen. Am Abend diskutieren im "mon ami" unter anderem der Juso-Bundesvorsitzende Kevin Kühnert und der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christian Hirte.

Das Deutsches Nationaltheater mit dem Goethe-Schiller-Denkmal.
Die Vorbereitungen zu den Jubiläumsfeierlichkeiten am Deutschen Nationaltheater. Bildrechte: dpa

Das Deutsche Nationaltheater selbst setzt sich mit einem Festival "Woche der Demokratie" mit der 1919 erarbeiteten ersten demokratischen Verfassung Deutschlands auseinander. Bis zum 10. Februar sind Symposien, Aufführungen, Konzerte und mehr geplant.

Zum Auftakt der Demokratie-Woche schlossen sich am 1. Februar rund 30 Thüringer Kultureinrichtungen und Kulturvereine mit einer "Thüringer Erklärung der Vielen" der bundesweiten Kampagne von Kulturschaffenden gegen Rechtspopulismus an.

Ramelow: Meilenstein für Demokratie

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hatte sich im Vorfeld stark dafür eingesetzt, den Festakt nach Weimar zu holen. Das Land trägt die Kosten. Vorab würdigte der Linken-Politiker die Weimarer Reichsverfassung als "Meilenstein" für die Entwicklung der Demokratie in Deutschland.

Dazu gehöre etwa "die Verankerung von Grundrechten in der Verfassung, die Anerkennung des Volkes als Souverän und die Gleichberechtigung der Geschlechter", erklärte Ramelow am Freitag in Erfurt. Außerdem sei der Staat durch die Verfassung erstmals verpflichtet worden, allen Bürgern ein "menschenwürdiges Dasein" zu ermöglichen.

Thüringer Bundestagsabgeordnete zum Jahrestag

"Was verbinden Sie mit dem Begriff "Weimarer Republik?" Und: "Welche aktuelle Bedeutung hat die Erinnerung an die Gründung der Weimarer Republik vor 100 Jahren für einen Bundestagsabgeordneten heute?" – Diese beiden Fragen haben wir Thüringer Politikern gestellt: Manfred Grund (CDU), Carsten Schneider (SPD), Jürgen Pohl (AfD), Thomas L. Kemmerich (FDP), Martina Renner (Linke) sowie Katrin Göring-Eckardt (Grüne). Hier können Sie ihre Antworten anschauen.

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 06. Februar 2019 | 09:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Februar 2019, 09:51 Uhr

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36 Kommentare

07.02.2019 09:20 Beyer 36

@06.02.2019 14:55 nasowasaberauch
Das sie damals die Stadt nicht absperren konnten sind sie in die Provinz also nach Weimar geflohen.
@06.02.2019 16:33 Atheist aus Mangel an Beweisen
Ich weiß ja nicht wo Sie gelebt haben aber kostenloses Essen gibts nur im Schlaraffenland. Was Sie vielleicht meinen ist, das manche Betriebe, so wie heute auch, für ihre Mitarbeiter eine Wurscht und ein Kaltgetränk gesponsort haben.
@alle
Dieses blöde früherwarallesbessergeleier geht mir sowas von

07.02.2019 08:10 Schwabohans 35

Zitat MDR: "In Weimar haben die höchsten politischen Repräsentanten Deutschlands am Mittwoch den 100. Jahrestag der später so genannten Weimarer Republik gefeiert. Die Stadt war deshalb stellenweise menschenleer." Ich kann mich nur wiederholen: Selbst ernannte "Eliten" feiern sich und vor allem unter sich. So sieht es aus, wenn sich die "Demokraten" selbst beweihräuchern.

07.02.2019 07:41 Leipziger Allerlei 34

@ 27: Als Nebenwirkungen einer direkten Demokratie klagen Politiker bisweilen über Machtverlust und Egoprobleme. Das Führen von Kriegen wird sehr erschwert. Die Schweiz hat seit über 200 Jahren an keinem Krieg mehr teilgenommen, was man von Deutschland leider nicht behaupten kann. Bisher sind keine gravierenden Nebenwirkungen von direkter Demokratie in der Schweiz bekannt. Kollisionen mit Menschen- und Völkerrecht sind in den bisher über 400 Abstimmungen ausgeblieben, bis auf eine Ausnahme: 2009 wurde die Abstimmung zum „Minarettverbot“ angenommen. Bevor abgestimmt werden kann, kommt das eigentlich Wichtige: die öffentliche Debatte! Monatelang werden in den Medien Pro- und Contra-Argumente diskutiert. Im Fernsehen läuft jeweils eine Extra-Sendung, in der Befürworter und Gegner exakt genau gleich viel Redezeit eingeräumt bekommen.Direkte Demokratie gefährdet das Machtmonopol der Politiker und aus Sicht der SchweizerInnen ist das, frei nach Klaus Wowereit, „auch gut so“.

07.02.2019 01:28 Ostsachse 33

@ Peter 31: Wenn's hilft, ich habe 1990 in Thüringen gelebt. Ich hätte nicht einen Ostpfennig als Eintritt zum Wahllokal gezahlt, um im Juli DM ausgezahlt zu bekommen. Wo haben Sie diesen Quatsch her? Warum hätte man die DM haben wollen? Das Statistische Bundesamt selbst hatte in Vorbereitung der Währungsunion für Haushalte mit Kindern und Rentnern eine 1,5fach höhere Binnenkaufkraft der Ostmark gegenüber der DM errechnet. Und 1989 hatte zunächst fast keiner nach irgendeiner DM gerufen. Erst als Kohl seine falschen Versprechen gegeben hatte, wurden ein paar signifikante Rufe nach der DM laut. Vielleicht waren das aber auch Anheizer aus dem Westen, die unter die Menschen gemengt wurden?! Diese angeblich demokratische Wahl wurde unter anderem durch falsche Versprechen eines dicken Mannes einer kapitalistischen konservativen Partei, Unwissenheit und Fehlinformationen entschieden. Soviel zum Thema repräsentative Demokratie.

06.02.2019 21:59 Freiheit 32

Nun zum dritten mal die Frage, Warum müssen in westlichen Demokratien die Politiker immer so extrem vor dem Volk geschützt werden? Wovor haben die Angst? Sind diese Politiker etwa nicht so beliebt? Wenn ja, warum? Liegt das etwa an deren Politik gegen den Großteil des Volkes und zum Wohle der "Wirtschaft"? Wundern diese Politiker sich eigentlich, oder ist das denen Wurst? Danke fürs Veröffenlichen, MDR!

06.02.2019 21:19 Peter 31

@ Ostsachse: Wo haben Sie 1990 gelebt?
Die Ostdeutschen hätten voller Freude 5 DM aus dem Begrüßungsgeld als Eintritt zum Wahllokal gezahlt, um im Juli ihren Lohn in DM statt in Ostmark ausbezahlt zu bekommen.
Manch einer mag sich an das eigene Verhalten von damals nicht mehr erinnern. Aber mit solchen Sinneswandel haben wir in Deutschland allerlei Erfahrungen.

06.02.2019 19:42 Peter 30

@28 SZ Rentner: Dass Sie mit Ihrer Lebenserfahrung Substanzielles zu bieten haben als einen abgedroschenen Spruch von 1914, ist schon bedauerlich.

06.02.2019 18:54 Ostsachse 29

LeipzigerLehrer, vielleicht ist das Problem primär weniger der Zustand der Demokratie an sich, als die Verquickung von Demokratie mit Kapitalismus, was in der Folge durch vielfache überproportionale Einflussnahmen nur zu einem schlechten Zustand der parlamentarischen Demokratie führen kann.
Auch ist aus den Erfahrungen von 1990 heraus eindeutig die direkte Demokratie der repräsentativen Demokratie vorzuziehen. Viele die damals CDU oder ähnliches gewählt hatten, sagen heute, sie hätten gar nicht gewusst, was sie da eigentlich wählen. Bei einer direkten Abstimmung hätten sie aber nie der sofortigen Währungsunion (=Untergang) zugestimmt.

06.02.2019 17:29 SZ Rentner 28

@ Peter 17
Peterle wie geht doch das alte Lied " Wer hat uns verraten ...............

06.02.2019 16:42 LeipzigerLehrer 27

Liebe Kommentierende,
ich bin immer wieder fasziniert, wer sich anmaßt, über den Zustand der Demokratie zu urteilen. Sicherlich heißt Demokratie 'Herrschaft des Volkes', allerdings gibt es verschiedene Formen von Volksherrschaft und auch Partizipation an Gesellschaft.
Das deutsche System ist eine parlamentarische Demokratie, keine präsidentielle. Das hat übrigens seine Gründe. Ich möchte an die damalige Interpretation der Präsidentschaft von Hindenburgs erinnern, welche eine der Gründe für eine Aushölung der "demokratischen" Strukturen war. Übrigens ist auch direkte Demokratie (Volksabstimmungen) keinesfalls ein Allheilmittel. Manipulation von Informationen (siehe Brexit), die Nichtberücksichtigung von Minderheiten und deren Rechten sowie der Umstand, dass komplexe Sachverhalte nicht einfach auf 'Ja' und 'Nein' heruntergebrochen werden können, sind nur einige der berechtigten Kritikpunkte.
Die Medallie hat immer zwei Seiten.
MfG