Die Hände einer Ärztin beim Durchblättern einer klassischen Registratur
Seit seinem Amtsantritt im Frühjahr 2018 fordert Gesundheitsminister Spahn eine schnelle Umsetzung der digitalen Krankenakte. Bildrechte: dpa

Datenschutz Probleme bei Entwicklung der digitalen Patientenakte

Seit mindestens acht Jahren laufen in Deutschland Versuche mit einer elektronischen Patientenakte. Wenn es nach Bundesgesundheitsminister Spahn geht, dann soll bis 2021 jeder Deutsche die Möglichkeit haben, diese Akte zu nutzen. Doch das bringt datenschutzrechtliche Probleme mit sich.

von Michael Voß, MDR AKTUELL

Die Hände einer Ärztin beim Durchblättern einer klassischen Registratur
Seit seinem Amtsantritt im Frühjahr 2018 fordert Gesundheitsminister Spahn eine schnelle Umsetzung der digitalen Krankenakte. Bildrechte: dpa

Es geht um hochsensible Daten, die gespeichert werden sollen: Untersuchungen, Röntgenbilder, Diagnosen und Dokumente. Damit der behandelnde Arzt immer den aktuellen Überblick hat. Außerdem sollen doppelte Untersuchungen vermieden werden, um beispielsweise die Strahlenbelastung bei Röntgenbildern zu vermindern.

Datenschutz nicht gewährleistet

Eine Voraussetzung für die Sammlung dieser Daten war immer: Nur der Patient kann bestimmen, wer Zugriff auf die einzelnen Informationen hat. Und genau das klappt nicht. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung bestätigte die vom Bundesgesundheitsministerium beauftragte Betreiberfirma Gematik, diese Möglichkeit solle erst in Folgestufen des Programms umgesetzt werden.

Damit kann jeder Physiotherapeut, jeder Arzt und jeder Apotheker die gesamte Krankengeschichte des Versicherten einsehen. Für den Landesdatenschutzbeauftragten in Thüringen, Lutz Hasse, ist das unzulässig. "Nicht jeder Arzt darf jede Diagnose einsehen, wenn es der Versicherte nicht möchte."

Im Einklang mit dem Gesetz

Dabei nimmt Lutz Hasse Bezug auf den Entwurf des "Digitale-Versorgung"-Gesetzes. Der Patient könne demnach freiwillig an der elektronischen Patientenakte teilnehmen. Deshalb müsse er auch entscheiden können, wer welche Daten sehen darf.

Das gehe zwar aus der Vorschrift nicht unmittelbar so hervor, gibt Hasse zu. "Das könnte man ein bisschen klarer regeln, nach meinem Dafürhalten. Ich würde sie aber als Datenschutzbeauftragter so interpretieren."

Tipps für Patienten

Der Thüringer Datenschutzbeauftragte hat deshalb einen ganz praktischen Tipp: "Wenn Sie mich jetzt fragen würden, was Sie hoffentlich nicht tun, wie ich dazu stünde, ob ich freiwillig sozusagen eine solche elektronische Patientenakte über mich anlegen lassen würde, dann würde ich sagen: Ne, erst mal nicht. Da warte ich ab." Funktionierende Systeme gibt es inzwischen als Einzellösungen:

Die Technikerkrankenkasse hat in dieser Woche ein eigenes System der elektronischen Patientenakte gestartet. Hier kann der Patient selbst bestimmen, was wer sehen darf, erklärt Simone Hartmann von der TK Sachsen: "Ich bin selber Herr meiner eigenen Daten. Und kein Arzt, kein Krankenhaus, kein Apotheker hat Zugriff auf meine Daten. Nur ich entscheide, welche Daten ich weitergebe."

16 weitere Krankenkassen hatten bereits im September des letzten Jahres das System Vivy gestartet. Es wird unter anderem durch die DAK, diverse Betriebskrankenkassen sowie die Allianz angeboten. Auch hier können Patienten bestimmen, wer welche Daten sehen kann.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Mai 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Mai 2019, 05:00 Uhr

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5 Kommentare

22.05.2019 13:55 Gerd Müller 5

Krank, kein Kredit, keine Versicherung, keine Arbeit und keine Wohnung, wer dann nicht noch Linientreu ist, der kann sich ein Loch buddeln.
Zukunft, ich glaube es wird Realität werden, China ist schon soweit.

22.05.2019 13:44 Anna 4

@ 2 , es hat keinerleien Sinn mehr da wir schon lange nur noch Gläsernemenschen sind und zwar überall.

22.05.2019 13:23 humantom 3

Ich würde es begrüßen wenn die elektronische Patientenakte kommt. Als mehrfach chronisch kranker nervt es immer alle Krankheiten und Medikamente aufzulisten. Es macht einen auch stutzig wenn man an 2 tagen hintereinander im Selben Klinikum von 2 Fachrichtungen an der gleichen Stelle geröntgt werden soll.
Und was ist wenn man nicht mehr ansprechbar ist bei einer Einlieferung. Kein echter Arzt und kein MA hat Lust sich komplette Krankenakten durchzulesen, es würde aber erheblich Zeit sparen und der Dokumentation Dschungel würde auch die eine oder andere Lichtung bekommen.

22.05.2019 12:43 Pfingstrose 2

Ich würde den Zugriff Dritter auf meine Daten verweigern. Wenn es sein sollte müßte der betrffende Arzt oder MA dies mir schriftlich begründen, was aber meist nicht der fall ist unsd dies still und heimlich erfolgt ohne Zusage des Pateinten oder Bürger.

22.05.2019 06:50 Lilly 1

Ziel ist es doch, das letztendlich das Finanzamt zugriff bekommt.

Oder hätte jemand mal gedacht das das Bankgeheimnis fällt?