Erdogan betet mit Imam bei Eröffnung von Ditib-Zentralmoschee in Köln
Erdogan und der Kölner Imam Ali Erbas beten gemeinsamn bei der Eröffnung der Ditib-Zentralmoschee. Bildrechte: dpa

Unter Polizeischutz Erdogan weiht Ditib-Moschee in Köln ein

Auf der letzten Etappe seines Deutschland-Besuches hat der türkische Präsident Erdogan in Köln die umstrittene Zentralmoschee des türkischen Ditib-Vereins eingeweiht. Abgesichert wurde der Besuch des türkischen Staatsoberhauptes in der Rhein-Metropole mit einem der größten Polizeieinsätze der Stadtgeschichte.

Erdogan betet mit Imam bei Eröffnung von Ditib-Zentralmoschee in Köln
Erdogan und der Kölner Imam Ali Erbas beten gemeinsamn bei der Eröffnung der Ditib-Zentralmoschee. Bildrechte: dpa

Am dritten und letzten Tag seines Staatsbesuches in der Bundesrepublik hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Samstag als letzte Station Köln besucht. Mit einer kurzen Ansprache eröffnete das Staatsoberhaupt des EU-Beitrittskandidaten und NATO-Staates am Nachmittag in der Rhein-Metropole die umstrittene Zentralmoschee der Türkisch-Islamischen Union Ditib. Der sunnitisch-islamische Verein, der vom türkischen Staat kontrolliert wird, gilt für Kritiker als der verlängerte Arm Ankaras in Deutschland.

"Sehen die Zukunft unserer Brüder hier"

In seiner Eröffnungsrede bezeichnete Erdogan die Moschee als ein "Werk des Stolzes", das allen Menschen offen stehen solle. Die türkische Gemeinde zeige mit diesem Bau, dass sie zu Deutschland gehöre. Er hoffe, dass ähnliche Bauwerke auch andernorts entstünden, so Erdogan weiter. Zugleich forderte er eine bessere Integration der Türken in Deutschland: "Wir sehen die Zukunft unserer Brüder hier."

 Köln: Polizisten gehen vor der Ditib-Zentralmoschee entlang.
Polizisten sichern vor der Ditib-Zentralmoschee den Erdogan-Besuch ab. Bildrechte: dpa

Gegen Rassismus müsse aber "gemeinsam Haltung" angenommen werden, forderte Erdogan. In dem Zusammenhang kritisierte der türkische Präsident den Umgang Deutschlands mit dem ehemaligen Fußball-Nationalspieler Mesut Özil und Nationalspieler Ilkay Gündogan, die nur wegen eines Fotos mit ihm "aus der Gesellschaft ausgegrenzt worden" seien.

Laschet mahnt Rechtsstaatlichkeit an

Köln: Armin Laschet (l, CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, und Recep Tayyip Erdogan, Präsident der Türkei, kommen auf dem militärischen Teil des Flughafens Köln/Bonn in Köln-Wahn zu Gesprächen zusammen.
Nach seiner Landung am Flughafen Köln wurde Erdogan von NRW-Ministerpräsident Laschet empfangen. Bildrechte: dpa

Vor der Eröffnung der Ditib-Zentralmoschee war Erdogan durch den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet auf dem militärischen Teil des Flughafens Köln-Bonn empfangen worden. Bei einem anschließenden Gespräch mahnte der CDU-Politiker nach eigenen Worten die Rechtsstaatlichkeit in der Türkei an. Die Beziehungen der Bundesrepublik und der Türkei, so Laschet, seien "überschattet" von den Verhaftungswellen und den Einschränkungen der Presse- und Religionsfreiheit in der Türkei.

Außenveranstaltung vor Moschee abgesagt

Der Besuch Erdogans in Köln wurde durch einen der größten Polizeieinsätze in der Geschichte der Rhein-Metropole abgesichert. In der Millionenstadt herrschte die höchste Sicherheitsstufe. Rund 3.000 Polizisten waren im Einsatz.

Erdogan-Anhänger schwenken Fahnen und jubeln im Umfeld der Ditib-Zentralmoschee
Erdogan-Anhänger schwenken Fahnen und jubeln im Umfeld der Ditib-Zentralmoschee. Bildrechte: dpa

Wegen Sicherheitsbedenken hatte die Stadt Köln am Freitagabend eine geplante Außenveranstaltung mit bis zu 25.000 Besuchern an der Moschee mit dem Verweis auf ein fehlendes Sicherheitskonzept der Ditib abgesagt. Der Verein und Erdogans Delegation reagierten mit Unverständnis und Enttäuschung auf das Verbot.

Ungeachtet der Veranstaltungsabsage vor der Moschee zogen tausende feiernde Erdogan-Anhänger fahnenschwingend durch das nahe Viertel. Trotz des großen Andrangs gab es nach Angaben der Polizei keine besonderen Vorfälle.

Weniger Gegendemonstranten als erwartet

Neben der Moschee-Eröffnung waren in Köln mehrere Kundgebungen anlässlich des Erdogan-Besuches angemeldet. Bei einer der größten Protestveranstaltungen gegen den türkischen Präsidenten versammelten sich allerdings deutlich weniger Menschen als im Vorhinein vermutet. Statt der erwarteten 10.000 Teilnehmer kamen nach Schätzungen von Beobachtern nur rund 2.000 Menschen zusammen. Unter dem Titel "Erdogan not welcome" hatten kurdische und linke Erdogan-Gegner zum Protest am Rheinufer aufgerufen.

Wirtschaft, Flüchtlinge, Terrorismus

Vor seiner Abreise nach Köln hatte Erdogan in Berlin noch einmal Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel zu einem Arbeitsfrühstück getroffen. Bei dem zweieinhalbstündigen Treffen im Kanzleramt waren laut einem Regierungssprecher die Möglichkeiten zur Stärkung der Wirtschaftsbeziehungen ein wesentliches Thema. Zudem sei es um Syrien, die Zusammenarbeit in der Flüchtlingspolitik sowie die innenpolitische Lage in der Türkei und die "gemeinsamen Interessen im Kampf gegen den Terrorismus" gegangen, erklärte der Sprecher.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. September 2018 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. September 2018, 19:07 Uhr

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40 Kommentare

01.10.2018 19:54 Wo geht es hin? 40

@zweierlei Maaß für die Pressefreiheit in Deutschland? - Zitat von Ihnen: "Wir erinnern uns noch gut an die Vorkommnisse in Dresden, als es um den " Hutmann" und die damit verbundene, im GG verankerte Pressefreiheit ging?
Sicher, denn es gab hierzu eine große Debatte. Und nun wird ein türkischer Journalist in Deutschland aus einer Pressekonferenz abgeführt, weil sein T-Shirt eine Aufforderung zur Pressefreiheit in der Türkei trägt?" Zitat Ende. Und NICHT EINER der anderen anwesenden "Journalisten" hat dagegen protestiert...

01.10.2018 15:52 Fragender Rentner 39

@MuellerF zu 29

Für ihn haben aber über 50% der türkischen Bürger gestimmt.

01.10.2018 15:48 Fragender Rentner 38

Schade, dass er schon wieder abgereist ist, war doch ein gutes Essen mit ihm.

Und die Parade war auch sehr schön anzusehen, sowie der Empfang danach.

Sowie Cem ihm die Hand geschüttelt hat.

30.09.2018 19:59 Bernd L. 37

Erdowan vollzieht die Einweihung seines türkischen Außenpostens selbst, in türkischer Sprache (!), ohne Beteilung der Unterstützer aus der Politik (Steinmeier, Laschet, Reker, Schamma)- klarer konnte er kaum seine Botschaft rüberbringen. Wer es jetzt noch nicht kapiert hat, wofür der DITIB steht, und dass Doppelpass und Erogankriecherei schwere Fehler waren, der wird es wohl nie erfassen,. Insofern ist das Ereignis auch erhellend für den, der sehen will.

30.09.2018 19:47 Norbert NRW 36

@29 das interessiert keinen Menschen hier in MG bauen gerade die Marokkaner ihre Moschee aus.
Bekannterweise ein Salafistentreffpunkt..was wollen Sie hier über den Islam denn noch erzählen ? Diese Religion ist eine Gefahr für die übrige Gemeinschaft die noch in der Mehrzahl ist. Alles andere ist Gutmenschen Gewäsch wie man ja jetzt auch in Köln gesehen hat. Alle sind ja so bestürzt ob der Ditib Reaktion..das war noch gar nicht genug es braucht noch mehr bis alle mal merken was diese Religion bedeutet.

30.09.2018 19:47 Fragender Rentner 35

@MuellerF zu 29

Ist das nicht die Mehrheit in Deutschland?

Der Dachverband klingt doch nur so, sind aber nur eine kleine Gruppe der Mosleme in Deutschland.

30.09.2018 18:15 Arbeitende Rentnerin 34

Alle die Fahnenschwenker sowie seine zwei Fußballer hätte der Herr E gleich mitnehmen können, die integrieren sich hier nie, nur das Materielle hält sie hier, haben wir das wirklich nötig, ein überzeugter Türke wird nun mal kein Deutscher, auch in hundert Jahren nicht, ich meine das ohne Wertung, ist so wie es ist

30.09.2018 17:55 Woistdaslobbyregister? 33

@30.09.2018 11:56 marc

(Irgendwie ein Symbol, eine Metapher für das alles, was gerade geschieht im Land. (Wo bleiben Mediator, mare no und Co. mit Kommentaren?))

So ist es - und soviel zur "Integration".
Und: WO ist die Berichterstattung über das, was türkische "Sicherheitsleute" unter den Augen der deutschen Polizei in K veranstaltet haben? Wo sind Nachricht und Bericht darüber? Wenn es für den SPIEGEL meldenswert ist, sollte das für einen MDR eine Selbstverständlichkeit darstellen.

30.09.2018 17:30 Atze 32

@Montana:
Ganz recht.

Alle, die so euphorisch Herrn Erdogan trotz Unterbindung der
Aussenveranstaltung gehuldigt haben, würde ich antragen, zurück in ihr gelobtes Land zu gehen. Das liegt ausserhalb jeden Verständnisses und ich hoffe, dass der Osten umsichtiger mit dem Moscheebauen ist.MfG

30.09.2018 17:23 Fragender Rentner 31

@MuellerF zu 29

Bestimmt aber der größte in Deutschland.

Diese anderen Islamverbände machen doch nur ca. 10% aus.