Verstöße gegen das Tierschutzgesetz Ermittlungen nach "FAKT"-Recherchen gegen Tierversuchslabor in Niedersachsen

Das Tierveterinäramt Harburg hat gegen das Labor LPT ein Verfahren eingeleitet. Ermittelt werde wegen Rechtsverstößen gegen den Tierschutz. "FAKT" hatte die Behörde im Vorfeld diesbezüglich kontaktiert.

Der Kopf eines Affen klemmt in einer Schraubzwinge.
Cruelity Free International und der SOKO Tierschutz haben die Zustände im Labor durch Bildmaterial dokumentiert. Bildrechte: Cruelity Free International/SOKO Tierschutz

Das Veterinäramt Harburg hat gegen das Labor LPT (Laboratory Pharmacology and Toxicology) ein Verfahren wegen Rechtsverstößen gegen den Tierschutz eingeleitet. "FAKT" und die "Süddeutsche" hatten die Behörde zuvor kontaktiert und schriftlich tierschutzrelevante Fragen das Unternehmen betreffend gestellt. Anlass dazu waren Bilder, die in der Einrichtung entstanden sein sollen.

Die Aufnahmen stammen von Cruelty Free International und der SOKO Tierschutz. Sie zeigen Hunde, die stark bluten, gefesselte Affen, die sich offenbar gegen die Fixierung wehren und Katzen, denen mit Gewalt Blut abgenommen wird.

Auf Anfrage von "FAKT" und der "Süddeutschen" erklärte LPT, in dem Unternehmen würden präklinische Studien durchgeführt, bevor Substanzen am Menschen getestet werden würden. Bisher habe es von den Behörden keine Beanstandungen an der Tierhaltung gegeben.

Kontrolle nach Hinweisen von "FAKT" und "Süddeutsche"

Thorsten Völker, Leiter des Veterinäramts Harburg, erklärte nach einer Vorortkontrolle, die nach der Anfrage von "FAKT" durchgeführt wurde: "Nach meinem Eindruck haben wir hier Käfige in der Größe von ungefähr einem Kubikmeter. Und das ist definitiv nicht ausreichend, um Affen dort dauerhaft zu halten. Das bedeutet, dass wir es hier mit einem Rechtsverstoß zu tun haben." Ein Verfahren des Veterinäramtes gegen den Betreiber läuft bereits. Weitere Ermittlungen sollen folgen.

Friedrich Mülln
Friedrich Mülln von der SOKO Tierschutz spricht von unhaltbaren Zuständen. Bildrechte: MDR/Annette Schneider-Solis

Für Friedrich Mülln von der SOKO Tierschutz sind die derzeitigen Zustände unhaltbar. "In Tierversuchen wie bei der LPT darf man mit Tieren Sachen machen, die einen normalerweise ins Gefängnis bringen würden", zieht der Tierschützer eine bittere Bilanz.

Deutschland hält EU-Vorgaben nicht ein

Doch nicht nur von Tierschützern kommt seit vielen Jahren Kritik an der Situation in deutschen Versuchslaboren. Wegen 20 Mängeln führt die EU-Kommission seit Oktober 2018 ein Vertragsverletzungsverfahren gegen die Bundesrepublik. Europäische Vorgaben seien nicht in nationales Recht überführt worden, so der Vorwurf der Brüsseler Kommission.

Renate Künast, frühere Landwirtschaftsministerin und jetzt tierschutzpolitische Sprecherin der Grünen, zählt drei Kritikpunkte auf: "Die Sachkunde von Personen, die Versuche durchführen, ist nicht ausreichend geregelt. Tierärzte müssen bei den Versuchen nicht dabei sein. Unglaublich eigentlich. Die Kontrollen sind unzureichend, weil es keine Schwerpunktprüfungen gibt. Schwere Mängel." Diese Mängel hat das Landwirtschaftsministerium inzwischen eingeräumt. Für Korrekturen hat es die EU um einen Aufschub bis November 2020 gebeten.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | FAKT | 15. Oktober 2019 | 21:45 Uhr