Zeitungsinterview Kardinal erwartet Comeback von Marxismus

Der Münchner Erzbischof Kardinal Marx geht von einer Renaissance des Marxismus aus. In einem Zeitungsinterview sagte der katholische Geistliche, er müsse seinem Namensvetter in einigen Fragen recht geben.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, erwartet ein Wiedererstarken des Marxismus. Der "Welt am Sonntag" sagte der Erzbischof von München und Freising, er sei sich sicher, dass es eine Renaissance dieser Gesellschaftslehre geben werde. Marx habe in einigen Bereichen durchaus recht gehabt, etwa was er über die Akkumulation des Kapitals und den Warencharakter der Arbeit gesagt habe, erklärte der Erzbischof.

Geistlicher spricht von massiver Verbitterung

Reinhard Marx
Kardinal Reinhard Marx - Erzbischof von München und Freising Bildrechte: dpa

So habe der Kapitalismus in den vergangenen Jahrzehnten viele negative Folgen gehabt und zu einem massiven Gefühl der Verbitterung geführt. Man habe diesen Prozessen besonders nach der Wende freien Lauf gelassen. Der katholische Geistliche plädierte für eine Zähmung des globalen Kapitalismus. Zudem halte er sich an die Warnung von Papst Johannes Paul II.. Der habe 1991 gesagt, wenn der Kapitalismus nicht die Fragen der Gerechtigkeit löse, dann würden die alten Ideologien wiederkommen. Das gelte bis heute, sagte der Erzbischof im Zeitungsinterview.

Der Münchner Geistliche gilt als radikaler Kapitalismuskritiker. Er hatte sich schon in früheren Interviews zu Karl Marx geäußert. Der gemeinsame Familienname habe es mit sich gebracht, dass er immer wieder auf den Philosophen angesprochen werde, erklärte er vor Jahren.

Gesellschaftslehre aus 19. Jahrhundert

Das Karl-Marx-Denkmal des russischen Bildhauers Lew Kerbel, aufgenommen in Chemnitz
Karl-Marx-Denkmal in Chemnitz Bildrechte: IMAGO

In seinem Werk "Das Kapital" hatte der 1818 in Trier geborene Philosoph Karl Marx das Streben von maximalem Profit als treibende Kraft des Kapitalismus beschrieben. Eine Akkumulation des Kapitals, so definierte es Marx, führe zu einer immer höheren Arbeitslosigkeit und einer ständigen Verschlechterung der Lebensbedingungen der Arbeiterklasse.

In der von Marx und Engels begründeten Gesellschaftslehre - dem Marxismus - geht es darum, mittels einer Revolution aus einer bestehenden Klassengesellschaft eine klassenlose Gesellschaft zu schaffen. Marx starb 1883 in London.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Dezember 2017 | 05:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Dezember 2017, 17:23 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

43 Kommentare

24.12.2017 14:22 Eulenspiegel 43

„Der katholische Geistliche plädierte für eine Zähmung des globalen Kapitalismus. Zudem halte er sich an die Warnung von Papst Johannes Paul II.. Der habe 1991 gesagt, wenn der Kapitalismus nicht die Fragen der Gerechtigkeit löse, dann würden die alten Ideologien wiederkommen. Das gelte bis heute, sagte der Erzbischof im Zeitungsinterview.“
Ich denke genau das ist unser Hauptproblem. Und meiner Ansicht nach sollten, ja müssen wir sogar alle politische Kraft darauf verwenden das Gerechtigkeitsproblem zu lösen. Da bietet Karl Marx eine Reihe guter Ansätze. Weiter finde ich persönlich dazu das Buch von Sara Wagenknecht sehr interessant ist.

24.12.2017 12:08 Wieland der Schmied 42

Immerhin spürt Kardinal Marx, daß etwas in Bewegung geraten ist, was vorher über die Jahrzehnte still ruhte wie ein See. Die Heilige Kirche macht da keine Ausnahme. Dieser Tage erst hat ihr Oberhirte, der Papst, Verräter im Vatikan ausgemacht und angeprangert, hört,hört, und das während der Weihnachtsmesse. Von neuerlichen Kinderschändern war keine Rede. Er erhielt aber einen geharnischten Konter vom Regenburger Großvikar: "Franziskus zerpflückt die Kurie"... und damit sich selbst." Da ist bereits Feuer unter`m Dach. Damit geht es der Heiligen Kirche nicht anders als den weltlichen Organisationen wie Regierungen, Parteien und gesellschaftlichen Organisationen, die alle in einer tiefen Vertrauenkrise stecken. Wer tritt denn heute noch in Erscheinung wie ein Luther vor dem Reichstag in Worms: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders!“Heute heißt das durch die Bank: Was bekomme ich dafür?

24.12.2017 11:36 Jürgen 41

"Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 33
Der Egoismus des Menschen muß überwunden werden, bevor sich der Marxismus etablieren und 'rechnen' kann." - Na gucke, kapiert. Also: Marxismus nie. Übrigens ist Hausbesetzung, bedingungsloses arbeitsfreies Einkommen für ALLE u.ä. auch Egoismus, Schmarotzertum.

24.12.2017 02:37 Wolf Geri 40

Eminenz Marx, was er wirklich denkt, das weiß keiner seiner Confratres und auch keiner der normalen (Un-)Gläubigen im Volk. R.M. tritt immer mal wieder als Kritiker des Kapitalismus auf, dann aber wieder spielt er den Patron für die Reichen im Land und für deren Anwälte des Kapitals.
Dabei redet oberste deutsche katholische Bischof oft den Regierenden der Republik
nach dem Mund und vergißt dabei die Anliegen der Armen und Schwachen im Land ernsthaft zu vertreten.
Es ist halt schwer ist für einen deutschen katholischen Bischof, die Anliegen der Schwachen zu vertreten,allein schon deshalb, weil der Staat sein Gehalt bezahlt.
Es ist schade,dass der mdr nicht die anderen Teile des Interviews aufgreift, so bleibt nur die Lektüre der Artikel von Radio Vatikan oder des "Urtextes".

24.12.2017 02:04 Betreuter Kommentator 39

Der Marxismus hat uns längst im Würgegriff, und zwar in Form des Kulturmarxismus der sogenannten Frankfurter Schule. Als die Arbeiterklasse als Manövriermasse linker Ideologen immer mehr an Bedeutung verlor und nicht mehr tauglich war für die Durchsetzung weltrettender Gedankenkonstrukte der gesellschaftsklempnerenden Social Justice Warrior, mußten andere "Menschengruppen" her, deren Beglückung alleiniges Anrecht der "Progressiven" ist. Deshalb: Aufspaltung der Gesellschaft in immer zahlreichere Minderheiten, deren Rechte selbstredend von der Mehrheit unterdrückt werden, aggressive Fernstenliebe, Quotierungen nicht nach Leistung, sondern nach Zugehörigkeit zu "benachteiligten Menschengruppen", u.v.a.m. Jüngster Ausfluß: Das BVerG hat alle Zeit der Welt bei der Erfindung des dritten Geschlechts, aber ist außerimstande, wegen "Überlastung" eine Hartz-IV-Angelegenheit auf Verfassungsmäßigkeit zu prüfen, in der das absolute Existenzminimum streng nach Gesetz bis auf Null gekürzt werden!

24.12.2017 01:24 Jörg 38

Reinhard Marx hat recht, auch wenn vielleicht die Namensgleichheit eine zufällige ist.

24.12.2017 01:17 Bayerwaldfan 37

Was würde Herr Marx den Menschen sagen, wenn er nicht in einem prunkvollen Bischofssitz residieren dürfte, für den er selbst keinen einzigen Cent "aus eigener Tasche" berappen musste?

Was würde Herr Marx den Menschen sagen, wenn er Bischof eines Bistums wäre, das vom politischen Staat, weder Kirchensteuer noch Leistungen nach dem Reichskonkordat zugebilligt bekäme?

Wie reich wäre die Kirche des Herrn Marx noch, wenn die Menschen ihre Hoffnung auf ein "ewiges Leben" endlich aufgeben würden?

23.12.2017 23:38 HOPF L. 36

@ 29 Wachtmeister Dimpfelmoser,23.12.2017,19:53 Uhr:Um die ganze Diskussion hier zu diesem Thema
,auf eine andere Ebene zu bringen,beziehe ich mich
auf den letzten Satz Ihres Beitrages.Dazu möchte ich den Papst Franziskus,ehemals oberster Führer der Jesuiten in Argentinien zitieren:" Diese Wirt-
schaft tötet".Alles dreht sich heute um Konkurrenz-
fähigkeit und das Gesetz des Stärkeren". "Der Mensch an sich wird wie ein Konsumgut be-
trachtet,das man gebrauchen und dann wegwerfen
kann".Diese Zitate,könnten genauso von dem ver-
storbenen Dr.Heiner Geißler stammen.

23.12.2017 23:32 Jürgen 35

Marx (beide) stehen für Theorie. Die Theorie (auch wenn sie gut gemeint ist) ist aber das eine, die Praxis das andere! Ergebnis bekannt. Außerdem lebt und philosophiert es sich immer gut, wenn man die Theorien mit dem Geld anderer verfasssen kann. In einer Richtung hat der Kirchen-Marx allerdings Recht : das politische (Parteien)System, das die soziale Marktwirtschaft in (West)Deutschland hervorgebracht hat, wird enden.

23.12.2017 22:23 Eulenspiegel 34

Also ich finde die ganzen Kommentare sehr interessant. Natürlich hat Marx in seiner Analyse des Kapitalismus Recht. In wie weit sein Versuch ein Gegenmodell zum Kapitalismus zu entwickeln kann ich nicht beurteilen. Ich denke seine Grundgedanken und Denkansätze sind auf jeden Fall als gut und richtig einzuschätzen. Da sollte man ansetzen. Und die 40 Jahre DDR Vergangenheit mit einfließen lassen.
Zum Thema ein Kardinal spricht positiv über Karl Marx.
Ich denke Jesus und Karl Marx das sind die Leute die in ihrem Grab an meisten rotieren denn sie wurden, zumindest hier in Europa, am meisten Ideologisch missbraucht.