Grenze am Stadtpark in Görlitz
Alle EU-Bürger haben laut einer Studie ein höheres Einkommen, weil in der EU frei mit Waren und Dienstleistungen gehandelt werden kann. Bildrechte: dpa

Bertelsmann-Studie Osten profitiert weniger von EU-Binnenmarkt als Westdeutschland

Die ostdeutschen Bundesländer profitieren deutlich weniger vom europäischen Binnenmarkt als der Rest der Republik. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ist das jährliche Einkommensplus durch den gemeinsamen Markt demnach nur etwa halb so hoch wie in westdeutschen Ländern. Insgesamt verdienten allerdings alle EU-Bürger am Binnenmarkt.

 Grenze am Stadtpark in Görlitz
Alle EU-Bürger haben laut einer Studie ein höheres Einkommen, weil in der EU frei mit Waren und Dienstleistungen gehandelt werden kann. Bildrechte: dpa

Der EU-Binnenmarkt wirkt sich positiv auf das Einkommen der europäischen Bürger aus: Der größte Wirtschaftsraum der Welt steigere das Einkommen in Deutschland pro Kopf und Jahr um geschätzte 1.046 Euro. Zu diesen Ergebnis kommt eine am Mittwoch veröffentlichte Studie der Bertelsmann Stiftung. Für die EU-Bürger insgesamt seien es im Durchschnitt statistisch rund 840 Euro.

Die positiven Auswirkungen fallen in den 28 EU-Staaten allerdings regional unterschiedlich aus. "Nicht jeder profitiert gleichermaßen, aber alle gewinnen", sagte Stiftungsvorstand Aart de Geus. Grundsätzlich gehörten vor allem Länder und Regionen mit hoher Exportorientierung und starker Industrie zu den Gewinnern.

Mitteldeutschland mit durchschnittlichen Gewinnen

Den Daten zufolge profitieren etwa die westdeutschen Bundesländer erheblich stärker als die ostdeutschen Länder. Sachsen-Anhalt zählt mit einem jährliche Einkommensplus pro Kopf von 692 Euro zu den Regionen, die am wenigsten Gewinn durch den Binnenmarkt machen. Thüringen (739 Euro) und Sachsen (777 Euro) liegen etwas darüber, aber weit hinter den bundesdeutschen Spitzenreitern Baden-Württemberg (1.211) und Bayern (1.198). Im Osten fehle es an Metropolregionen, welche besonders viele Synergieeffekte durch die Ansiedlung vieler Unternehmen böten, erklären die Forscher das Auseinanderklaffen.

In vielen Regionen Ost- und Südeuropas fallen die Gewinne allerdings noch geringer aus als in Mitteldeutschland. In Polen, Ungarn, Griechenland oder Teilen Spaniens liegen die jährlichen Zuwächse pro Kopf lediglich um die 400 Euro oder niedriger.

Schweiz, Luxemburg und Irland profitieren am stärksten

Am meisten verdient der Analyse zufolge ausgerechnet die Schweiz am Binnenmarkt, die gar kein Mitgliedsland der EU ist. Die Schweizer sind Gemeinschaft jedoch über bilaterale Verträge eng verbunden. Und das führt dort zu einem Einkommensplus pro Kopf und Jahr von 2.914 Euro, so die Studie. Bei den Staaten mit den größten Vorteilen folgen Luxemburg (2.834 Euro) und Irland (1.894 Euro). Unter den besonderen Gewinnern sind auch Belgien, Österreich und die Niederlande. Frankreich (1.074 Euro ) und Deutschland  (1.046 Euro) gehören zu den zehn Staaten mit den größten Profiten.

Die Autoren gehen davon aus, dass EU-weit insgesamt rund 420 Milliarden Euro Einkommenszuwächse jährlich durch den 1993 eingeführten Binnenmarkt erzielt werden. Der Gewinn komme zustande durch das Wegfallen von Zöllen und anderen Handelshemmnissen, erklären die Autoren. Der größere Wettbewerb wirke sich positiv auf Produktion und Preise aus. Auch in Zukunft berge der Binnenmarkt noch viel Potenzial für weitere Wohlstandsgewinne, vor allem beim Handel mit Dienstleistungen.

Austritt würde Großbritannien hart treffen

Zum anstehenden Brexit prognostizieren die Autoren hingegen erheblich wirtschaftliche Nachteile für Großbritannien. Ein vollständiger Austritt der Briten aus dem Binnenmarkt werde das Land demnach hart treffen, besonders den Großraum London und die Bewohner im industrie- und innovationsstarken Süden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. Mai 2019 | 09:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Mai 2019, 13:27 Uhr

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60 Kommentare

10.05.2019 12:11 der_Silvio 60

@59 Mediator; "Letztendlich sieht aber auch die Schweiz massive Vorteile sich an die EU anzulehnen."
Das haben sie ganz richtig erkannt; die Schweiz LEHNT SICH an die EU AN.
Denn wenn die Vorteile so groß wären, würde die Schweiz eine Mitgliedschaft anstreben - machen die aber NICHT.

10.05.2019 10:21 Mediator an Ausanderer (58) 59

Gähn .... was soll denn das für ein Slogan sein?
"Ab damit, H I E R ist U N S E R Land!" Klingt irgendwie wie "We want our country back" und was das bedeutet, kann einem in Großbrittanien aktuell auch kein Mensch sagen. Mir wäre neu, dass in Deutschland, Österreich, Italien oder Polen gleiche Gesetze gelten und die Parlamente und Regierungen dort nichts beschließen. Im Rahmen der EU wird lediglich ein Rahmen gesetzt, der sich dann national in Gesetzen ausformulier wird. Was die Schweiz betrifft, so hat diese für den EU Marktzugang schlicht und ergreifend große Teile des dafür geltenden EU Rechts akzeptieren müssen bzw. muss sogar sich änderndes EU Recht dynamisch annehmen. Ähnlich sieht es mit Norwegen aus.
Letztendlich sieht aber auch die Schweiz massive Vorteile sich an die EU anzulehnen. Denn welche internationales Gewicht hat ein 8 Mio Euro Land schon gegenüber großen Blöcken? Keine! Zurück in die Kleinstaaterei ist sicher keine Lösung für die Zukunft.

09.05.2019 23:25 Ausanderer 58

09.05.2019 21:46 Mediator an Bernd L. (54) 56

Der Schweiz geht es sooooooooooooooooooooooo schlecht ohne EU Mitgliedschaft. Mal was von SINNvollen Verträgen gehört???

Merken Sie noch was? Fragen Sie sich NIE, wieso ein Bundestag debattiert und NICHTS beschließen kann ohne EU Komissionsrteile und Festlegungen??

Ab damit, H I E R ist U N S E R Land!

Ein Land in ener EU, das ein Vaterland ist, keine fremdgesteuerte Ländrei

09.05.2019 22:44 Mediator an Ekkehard (55) 57

Lieber Ekkehard, vielleicht solltest du dich einmal seriös mit dem Target-2 System beschäftigen und nicht nur nachplappern, was Populisten dir vorgeben.

"Die im Süden kaufen alles auf Pump und wenn die dann aus dem Euro / der EU austreten ist unser schönes Geld weg", ist doch auch nur eine andere Version von "Die EU zieht Deutschland das Fell über die Ohren und niemand hier merkt es". Letztendlich eine weitere Sau die von der AfD wieder besseres Wissen durch Dorf getrieben wurde, nachdem man Agitationspotential in dem Thema erkannt hat.

Die Beeindruckende Summe die sie genannt haben dürfen sie übrigens gleich einmal halbieren, denn zwar kann Deutschland diese Summe gegenüber der EZB geltend machen, aber dem stehen Forderungen der EZB an Deutschland Höhe von ca. 400 Mrd Euro gegenüber. Haben sie vergessen das zu erwähnen oder wissen sie das gar nicht? Vermutlich steht das nicht in der Handreichung von Alice Weidel zu dem Thema drinnen.

09.05.2019 21:46 Mediator an Bernd L. (54) 56

Lieber Bernd, du verzeihst, wenn ich auf deine Beurteilung wenig gebe, denn ein dickes Bauchgefühl taugt nun einmal nicht als Grundlage für eine seriöse Lagebeurteilung. Dementsprechend unseriös ist dann der darauf aufbauende Rest.

Ansonsten passt dein Beitrag zum Rest deiner Forenbeiträge hier und es ergibt sich ein rundes Bild für mich: AfD Fan, Hetze gegen Flüchtlinge, undifferenzierte EU und Regierungskritik lassen sich mit Google schön recherchieren.

Findest du es nicht komisch, dass eigentlich bis auf ein paar am rechten Rand fischende Populisten alle relevanten politischen Kräfte in Europa die EU als ein Erfolgsrezept für wirtschaftlichen Erfolg ansehen? Dabei sind sich eigentlich so ziemlich alle einig die keine Anschlussfähigkeit ihrer Ideologien für Extremisten bieten.

Die EU zieht Deutschland seit Jahrzehnten das Fell über die Ohren und keiner in Deutschland merkt es? Ohne Verschwörungstheorie gehts bei euch Rechten wohl nicht!

09.05.2019 21:20 Ekkehard Kohfeld 55

Sicherheit, dass sie ungehemmt von Zoll und Währungsrisiken in einen 500 Mio Einwohner Raum exportieren kann. Das schafft massig Jobs und Arbeitsplatzsicherheit bei uns. Glauben sie ruhig, dass wir das auch alles ohne EU könnten. Die Fachleute sagen was anderes!##

Richtig durch diese Sicherheit entsteht was?

"Nach den jetzt von der Deutschen Bundesbank veröffentlichten Zahlen ist der deutsche Target-Saldo der Bundesbank auf den Rekordwert von 976,3 Milliarden Euro gestiegen. Ende Mai waren es erst 956,1 Milliarden Euro gewesen."

09.05.2019 21:05 Bernd L. 54

Mediator:
Bertelsmann-Stiftung- Wirtschaftsfachleute - ich wusste gar nicht, dass sie einen so subtilen Humor haben.
Die würden mit einer Studie auch beweisen, dass Rauchen gut für die Lunge ist, wenn es politisch nützt. Ich habe es schon mal geschrieben: Bertelsmann ist als seriöser Name für Studien verbrannt.

09.05.2019 20:45 Mediator an Dieter(52) 53

Lieber Dieter, da haben wir auf der einen Seite Wirtschaftsfachleute die mit einer Studie sogar auf einzelne Regionen unseres Landes aufgeschlüsselt positive Synergieeffekte der EU belegen können die sich auf 86 Mrd € pro Jahr summieren und auf der anderen Seite jemanden wie sie, der ein Bauchgefühl ohne Belege äußert und so tut als könne das Ergebnis einer Rechnung stimmen, bei der man alle wesentlichen Fakten außer acht gelassen hat. Wissen sie wie lächerlich ihr Betrag von 10 Mrd Euro ist, wenn man ihn auf jeden Bürger unseres Landes herunter bricht? Wir reden dann von 130 € / Jahr.
Machen sie sich nichts vor: Die EU bietet der deutschen Wirtschaft die Sicherheit, dass sie ungehemmt von Zoll und Währungsrisiken in einen 500 Mio Einwohner Raum exportieren kann. Das schafft massig Jobs und Arbeitsplatzsicherheit bei uns. Glauben sie ruhig, dass wir das auch alles ohne EU könnten. Die Fachleute sagen was anderes!

09.05.2019 19:24 Dieter 52

Heike:
Ich hoffe für Sie, dass Sie keine Mathelehrerin sind.
Deutschland zahlt 10,7 Milliarden netto pro Jahr ein, dabei sind die Haftungen für Schulden anderer Länder (über 80 versenkte Milliarden in Gr) und Targets (über 900 Milliarden) nicht mitgerechnet. Das ist Fakt!
Die 86 Milliarden Effekte sind reine Luftbuchungen, auch ohne EU hätte D als starkes Wirtschaftsland diese Gewinne erzielt. Mit der EU hat das nichts zu tun.

09.05.2019 17:36 Heike 51

@Ekkehard Kohfeld(48): Welche besonderen Fähigkeiten mathematischen Fähigkeiten der PISA Studie nutzen sie denn bitte? Alles was sie tun ist von den direkten EU Beiträgen Deutschlands die direkten Rückzahlungen der EU an Deutschland zu subtrahieren und "Fertig ich habs ausgerechnet - die EU ist schlecht für uns" zu brüllen.

Als Lehrerin würde ich dem kleinen Ekkehard jetzt den Tip geben, dass er sich doch noch einmal die Fragestellung genau anschaut, damit er nicht 0 Punkte auf die Aufgabe bekommt.

Wenn Deutschland also durch die EU pro Jahr 86 Mrd € positive wirtschaftliche Effekte erzielt, dann ist ein Nettozahlerbeitrag von 10 Mrd € pro Jahr gut angelegtes Geld, bleiben unterm Strich doch immer noch 76 Mrd € PLUS.

Dem Finanzminister ist es herzlich egal ob die Mrd im Haushalt direkt von der EU oder von durch von der EU beflügelten Unternehmen und AN als Steuern abgeführt werden.