Ein VW-Logo (l-r) ein BMW-Logo und ein Mercedesstern
Die renommiertesten deutschen Autohersteller haben sich offenbar bei Abgasreinigungssystemen abgesprochen. Bildrechte: dpa

Abgasreinigung EU sieht illegale Absprachen zwischen VW, BMW und Daimler

Die EU-Kommission hat die deutschen Autohersteller VW, BMW und Daimler im Visier. Sie sollen sich bei Abgastechnik abgestimmt und damit gegen das Kartellrecht verstoßen haben. BMW wies den Vorwurf vehement zurück - legt aber vorsichtshalber eine Milliarde Euro zurück. Alle Autobauer versprachen Aufklärung.

Ein VW-Logo (l-r) ein BMW-Logo und ein Mercedesstern
Die renommiertesten deutschen Autohersteller haben sich offenbar bei Abgasreinigungssystemen abgesprochen. Bildrechte: dpa

VW, BMW und Daimler sollen sich im Zusammenhang mit Technologien zur Abgasreinigung abgesprochen haben. Das sei eines der vorläufigen Ergebnisse einer Untersuchung, teilte die EU-Kommission am Freitag in Brüssel mit.

Konkret gehe es darum, dass sich die Unternehmen bei der Einführung von SCR-Katalysatoren für Dieselmotoren (Adblue) und von Feinstaub-Partikelfiltern für Benzinmotoren unerlaubt abgesprochen hätten.

Käufer wurden benachteiligt

Aus Sicht der Kartellbehörde haben VW, BMW und Daimler den Innovationswettbewerb bei Abgasreinigungssystemen in Europa eingeschränkt und dem Käufer eine Zeit lang umweltfreundlichere Autos vorenthalten. Die Unternehmen hätten über bessere Filtertechnik verfügt, diese aber zunächst zurückgehalten.

Konkret geht es etwa um Absprachen zur Größe von Harnstoff-Tanks in Dieselautos, auch um Dosierstrategien und Reichweiten pro Tankfüllung. Außerdem sollen die Hersteller vereinbart haben, keine Partikelfilter gegen Feinstaub in Benzinautos einzubauen. Laut Kommission geht es nicht um Preisabsprachen oder eine Marktaufteilung, dennoch sei gegen das Kartellrecht verstoßen worden.

BMW weist Vorwurf zurück - VW sagt Prüfung zu

Der Münchner BMW-Konzern kritisierte das Vorgehen der Kommission: Diese setze die "zulässige Abstimmung von Industriepositionen zu regulatorischen Rahmenbedingungen mit unerlaubten Kartellabsprachen gleich". Laut BMW ging es bei den Gesprächen mit Daimler und VW um die Verbesserung von Technologien zur Abgasnachbehandlung.

Diese Gespräche, die industrieweit bekannt waren und keine 'Geheimabsprachen' zum Gegenstand hatten, zielten nicht auf die Schädigung von Kunden oder Lieferanten ab.

Aus der Stellungnahme von BMW

Gleichwohl sicherten BMW wie auch VW und Daimler der EU-Kommission zu, die Beschwerdepunkte intensiv zu prüfen. Volkswagen verwies darauf, dass es die Kommission grundsätzlich anerkenne, dass sich Hersteller in technischen Fragen austauschen dürften.

Daimler erklärte, der Konzern habe frühzeitig und umfassend mit der EU-Kommission als Kronzeuge zusammengearbeitet. Man gehe davon aus, dass man deshalb kein Bußgeld zahlen müsse.

Es drohen Milliardenstrafen

Die deutschen Autobauer können nun zu den Vorwürfen Stellung nehmen. Ihnen droht eine Strafe in Milliardenhöhe, im äußersten Fall von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Mögliche Umweltverstöße waren nicht Gegenstand der Untersuchung.

BMW geht nach eigenen Angaben von Strafzahlungen aus. Der bayerische Konzern kündigte am Freitagabend an, dafür mehr als eine Milliarde Euro zurückzustellen. Man erwarte, "dass die EU-Kommission mit überwiegender Wahrscheinlichkeit einen Bußgeldbescheid in signifikanter Höhe erlassen wird".

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. April 2019 | 12:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. April 2019, 13:55 Uhr

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9 Kommentare

07.04.2019 19:55 nasowasaberauch 9

Ich kann die Praxis der Autokonzerne nicht gutheißen, aber verstehen tue ich sie schon. Einerseits werden die Grenzwerte immer weiter von der Politik realitätsfern verschärft und andererseits ist man dem allein zählenden wirtschaftlichen Erfolg verpflichtet. Was liegt da näher als die Ergebnisse für die Politik passend zu machen. Diese Herangehensweise ist nicht nur in der Autoindustrie zu finden. Überall wo umweltrelevante Daten überprüft werden wird mehr oder weniger beschissen, weil es dieses weltfremde System mit seinen Vorgaben so will.

05.04.2019 22:21 Schneemann - lieber "rechts" als käuflich 8

Die Engländer wissen schon warum sie aus diesem kranken EU-Moloch raus wollen.

05.04.2019 20:00 Frank 7

@ 6: Es wäre zielführend, wenn Sie das Wie konkret ausführen. Genau das bleiben Sie aber schuldig. Warum?

05.04.2019 18:23 Auf der Sonnenseite des Lebens 6

@4
meinen sie nicht auch das die Autoindustrie ausgedient hat?

Wir müssen neue Wege finden, auch wenn das mit ein wenig weniger Geld sein sollte.

Finden sie nicht auch das es das wert ist um unseren Planeten zu retten?

05.04.2019 17:50 Jakob 5

Die haben sich abgesprochen, dass nicht einer allein mehr Adblu einspritzt oder einen größeren Adblutank einbaut damit es nicht auffällt, dass die ganze Bande in kriminellem Ausmaß schummelt. Und der VW-Chef stellt sich heute hin und verkündet ohne knallrot zu werden, das sei "international üblich". Saubande, dreckige.

05.04.2019 17:20 Bernd L. 4

Auf der Sonnenseite des Lebens:
Wenn sie die deutsche Autoindustrie zerstören (wie es Teile der EU, Grüne, Umwelthilfe offenbar wollen), wer soll dann die deutschen Sozialsysteme finanzieren? Geld kommt bei Ihnen wohl auch nur aus dem Bankautomaten, frei nach Heiko Maas.

05.04.2019 16:26 Auf der Sonnenseite des Lebens 3

es ist an der Zeit diese Konzerne zu zerschlagen und in den EU Ländern gerecht zu verteilen.

Ich sehe ein ganz klare Benachteiligung der Süd(ost)europäischen Staaten die immer wieder unter diesen Konzernen zu leiden haben.

05.04.2019 16:25 Fragender Rentner 2

Sind das nicht alles grundehrliche Autobauer und wer und warum will man ihnen an die Wäsche?

05.04.2019 15:33 optinator 1

Die Industrie hat die Macht, die Politiker sind nur die Handlanger !