Vater mit Kind auf dem Arm
Laut dem "Väterreport" des Familienministeriums geht in Deutschland jeder dritte Vater in Elternzeit. Bildrechte: dpa

Neue EU-Richtlinie Mehr Vaterschaftsurlaub in Deutschland?

Die Europäische Union hat beschlossen, dass es für Väter zehn Tage Urlaub rund um die Geburt ihres Kindes geben soll. Die Richtlinie ist seit Anfang Juli in Kraft. Nun haben die EU-Länder drei Jahre Zeit, das nationale Recht daran anzupassen. In Deutschland gibt es allerdings schon die Elternzeit. Deshalb sieht es schlecht aus mit dem Extra-Urlaub.

von Vera Wolfskämpf, Hauptstadtkorrespondentin MDR AKTUELL

Vater mit Kind auf dem Arm
Laut dem "Väterreport" des Familienministeriums geht in Deutschland jeder dritte Vater in Elternzeit. Bildrechte: dpa

Beruf und Familie sollen besser vereinbar sein, so verspricht es die EU-Kommission mit den neuen Regeln. Die Bundesregierung begrüßt das, heißt es in einer Antwort an die Grünen-Abgeordnete Franziska Brantner. Sie wollte vom Familienministerium wissen, was sich nun in Deutschland ändern wird.

Keine Änderungen in Sicht

Dazu schreibt die Parlamentarische Staatssekretärin Caren Marks: "Bereits heute eröffnet das nationale Recht berufstätigen Eltern sowie pflegenden Angehörigen zahlreiche Möglichkeiten, ihren Pflege- und Betreuungsaufgaben nachzukommen."

Tatsächlich ist in Deutschland schon vieles geregelt, was die EU-Richtlinie verlangt: mit Mutterschutz, Elternzeit und Flexibilität für Menschen, die ihre Angehörigen pflegen. So sind die Mindeststandards erfüllt – auch, was den Vaterschaftsurlaub angeht.

Eine schwangere Frau überreicht einem Vorgesetzten im Büro ein Papier.
Bildrechte: IMAGO

Die EU sieht vor, dass jeder Vater rund um die Geburt seines Kindes mindestens zehn Tage bezahlten Urlaub bekommt. Laut Richtlinie kann das aber mit bestehenden Leistungen verrechnet werden. In Deutschland ist das durch die bezahlte Elternzeit möglich: Die kann ein Vater direkt nehmen, wenn das Kind geboren ist. Anspruch hat er auf zwei Monate bis maximal ein Jahr und er kann flexibel entscheiden, wann er zuhause bleiben will.

Das Familienministerium schließt aber nicht komplett aus, dass es Änderungen aufgrund der EU-Richtlinie geben könnte. Sie muss ja erst in drei Jahren umgesetzt sein: "Im Rahmen der zur Umsetzung vorgesehenen Frist prüft die Bundesregierung derzeit, ob und inwieweit aufgrund der Vorgaben der Richtlinie Umsetzungsbedarf besteht", heißt es im Schreiben von Staatssekretärin Marks.

Kritik von den Grünen

Nun fürchten die Grünen, die Idee hinter den neuen EU-Regeln werde so nicht erfüllt. Die Bundestagsabgeordnete Franziska Brantner erwartet von der Bundesregierung, "dass sie das zügig umsetzt und für Väter in Deutschland auch wirklich einen Unterschied merkbar macht. Und nicht einfach sagt, Vaterschaftszeit ist eigentlich genau das gleiche wie Elternzeit – und de facto nichts ändert."

Dr. Franziska Brantner
Brantner ist Parlamentarische Geschäfsführerin bei den Grünen. Bildrechte: IMAGO

Es wäre sehr schade, wenn dieser Fortschritt für Väter und für die Familien nicht in Deutschland ankommen würde.

Franziska Brantner, Bündnis 90/Die Grünen

Die Grünen-Politikerin fände es sinnvoll, wenn Väter und Mütter rund um die Geburt ihres Kindes mehr gemeinsame Zeit hätten. Die EU-Richtlinie selbst erfordert es nicht, dass Deutschland einen zusätzlichen Vaterschaftsurlaub einführt. Die Regierung müsste sich bewusst entschließen, neue Leistungen für junge Familien einzuführen – und zumindest im Koalitionsvertrag steht davon nichts.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Juli 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Juli 2019, 05:00 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

2 Kommentare

23.07.2019 13:03 Mane 2

Kümmert euch um was anders,als das die EU Bürger noch mehr absahnen.

23.07.2019 11:25 Michael Möller 1

zu diesen Thema hätte ich erst einmal eine Frage wieso hat man nichts gehört das die EU diese Richtlinie einführen wollte oder habe ich das nicht mit bekommen soweit ich mich erinnern kann ist es heute mit diesen Artikel das erste mal, das man davon hört. und zum Thema kann man nur sagen wir haben schon Elternzeit warum soll jetzt auch noch Vaterschaftsurlaub geben. es reicht würde ich sagen. man sollte lieber alles was für Familienförderung ist zusammen fassen und nur noch an einer Stelle beantragen und sehr genau prüfen . so wird ein schuh daraus und nicht immer nach mehr schreien wie es gerade die Grünen wollen.

[Lieber Nutzer, in Deutschland gibt es schon die Elternzeit. Deswegen war das Thema hier zuletzt nicht so relevant wie vielleicht im Ausland. Beste Grüße, Ihre MDR.de-Redaktion]