Warnschild Lebensgefahr
Europaweite Grenzwerte für giftige Stoffe am Arbeitsplatz Bildrechte: imago/INSADCO

Europaweite Grenzwerte EU verbietet giftige Stoffe am Arbeitsplatz

Das EU-Parlament hat einheitliche Grenzwerte für acht krebserregende Stoffe an Arbeitsplätzen verabschiedet. Die Umsetzung der neuen Regeln könnte für kleine Firmen zum Problem werden.

von Christine Reißing, MDR AKTUELL

Warnschild Lebensgefahr
Europaweite Grenzwerte für giftige Stoffe am Arbeitsplatz Bildrechte: imago/INSADCO

Mit "giftigen Stoffen" sind nicht etwa veraltete Druckerpatronen im Büro gemeint. "Es geht um produzierende Industrie und verarbeitendes Gewerbe", erklärt Wolfgang Panter, Präsident des Verbandes Deutscher Betriebs- und Werksärzte. "Also zum Beispiel Stoffe aus dem Bereich der Metallindustrie oder einige sehr spezielle Stoffe, die in der chemischen Industrie hergestellt werden."

Die sogenannte Krebsrichtlinie der EU bestimmt einerseits einen Höchstwert für den jeweiligen giftigen Stoff in der Luft, zum Beispiel im Bergbau oder der Logistikbranche. Andererseits listet sie giftige Substanzen auf, die über die Haut aufgenommen werden können – so wie zum Beispiel Trichlorethylen, das laut Panter "viel zur Reinigung oder auch in Klebstoffen" verwendet worden ist. Weil es Nierenkrebs erzeuge, werde es in Deutschland schon länger nicht mehr zum Putzen benutzt. Ohnehin sei der Umgang mit krebserregenden Stoffen hier schon streng geregelt.

Europaweite Grenzwerte

Mit der Richtlinie gelten die Grenzwerte europaweit. Mit erarbeitet hat sie der EU-Abgeordnete Michael Detjen (SPD). Bis 2070 "können dadurch etwa 100.000 Leben gerettet werden", sagt er. "Der damit verbundene Gesundheitsnutzen lässt sich auf 34 bis 90 Milliarden Euro beziffern." Diese Summe bezieht sich auf die dann womöglich entfallenden Krankenkassenkosten.

Der Verband der Chemischen Industrie in Deutschland befürwortete die Krebsrichtlinie im Gespräch mit MDR AKTUELL. Bei der Umsetzung allerdings könnte es haken, überlegt Werksarzt Panter – vor allem in kleinen Firmen: "Bei denen dafür zu sorgen, dass die Standards eingehalten werden, ist schwieriger als in Großbetrieben, die eigene Betriebsärzte und Sicherheitsfachkräfte haben."

Zeit bis 2020

Auf der Liste der EU stehen neben mehreren Chlorverbindungen auch Mineralöle sowie Diesel-Abgase. Für letztere gilt ein Grenzwert von 0,05 Milligramm pro Kubikmeter Luft. Ob die Werte eingehalten werden, sollen jeweils die nationalen Behörden kontrollieren, Gewerbeaufsichtsämter zum Beispiel. Auf sie entfällt laut Politiker Detjen auch die Untersuchung der Mitarbeiter.

Jahre nachdem man aus dem Arbeitsleben ausgeschieden ist, kann eine lebensbedrohliche Krankheit [...] ausbrechen. Diese Spätfolgen werden wir künftig besser im Blick haben.

Michael Detjen, SPD-Abgeordneter im Europaparlament

Juristisch sind alle EU-Mitgliedstaaten verpflichtet, die Richtlinie in nationales Recht umzusetzen. Bis Mitte Januar 2020 haben sie dafür Zeit.

(Anmerkung der Red.: Entgegen einer früheren Version ist jetzt im Artikel von "Chlorverbindungen" die Rede. Vielen Dank für den Hinweis.)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Dezember 2018 | 09:09 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Dezember 2018, 10:02 Uhr

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12 Kommentare

16.12.2018 13:46 NRW-18 12

@ 3 Ullrich
Haben Sie mal den Kommentar 4 gelesen? Ich kann mir gut vorstellen, dass hinter dem Nicknamen "Dr.K" tatsächlich ein promovierter Chemiker oder Mediziner steckt.
Im Übrigen zweifeln Sie ja alles an, was von der Mainstream-Meinung abweicht und spielen es bekanntlich als sogenannte Verschwörungstheorien herunter.

Für viel wichtiger würde ich es erachten, Grenzwerte für Stress am Arbeitsplatz zu setzen und die Grenzwerte für die sicherlich unsichtbare, aber keineswegs wirkungslose HF-Strahlung aus WLan, Dect und Mobilfunk zu reduzieren. Beides kann Menschen bei Dauerbelastung krank machen.
Ein bayerischer Autohersteller und eine große deutsche Versicherung haben bezüglich Strahlungreduzierung bereits reagiert.

16.12.2018 12:22 REXt 11

An@4 Dr. K, im Grunde geht es doch nur darum, einmal, wenigstens, was Positives aus der EU zu berichten, weil ja sonst nur eher nur peinliche Gurken u. Bananenrichtlinien kommen, und schließlich will man im Mai2019 wieder gewählt werden.

16.12.2018 12:09 frank d 10

Als allererstes müssen die Grenzwerte für Stickoxid am Arbeitsplatz auf den Wert gesenkt werden der draußen zulässig ist. Ansonsten sterben nach eigenen Auskünften zig tausende, immerhin sind am Arbeitsplatz sehr sehr sehr viel höhere Werte zulässig. Sind Etwa Arbeitnehmer in der Super EU schlechter gestellt als Autofahrer oder Anwohner? Auch wenn die gesamte Wirtschaft zusammenbricht, so das selbst EUGH Richter Hunger haben, EGAL im Namen des Guten Heil den großen Klimakonferenz Führern. Nur die wissen genau wie die MDR schaffenden als einzige was gut für alle anderen ist. darum müssen wir sie auch unterhalten im sinne von bezahlen denn allein wüssten wir gar nicht was richtig oder falsch ist beim nachdenken. sapere aude

16.12.2018 11:22 part 9

Schön und gut, was aber wenn sich die Gewerbeaufsicht immer vorher anmeldet und alle Störquellen kurzfristig im Keller verschwinden und es danach so weiter geht wie bisher. Da noch wäre die Berufsgenossenschaften, die stets Spätfolgeschäden nicht oder nur unzureichend anerkennen und wo lange Prozesse anstehen, die oft länger dauern als die restlich Lebenszeit des Betroffenen. Mit reinen Absichtserklärungen und gesetzlichen Papiertiegern wird das weitreichende Problem aber nicht beseitigt, die Forschung auf diesem Gebiet muß ausreichend finanziert werden und die Kontrolldichte erhöht im Geiz- ist Geil- Kapitalismus.

16.12.2018 10:52 Jimmy 8

Es gibt nicht mehrere Chlorarten, nur ein einziges Chlor mit der entsprechenden Wertigkeit laut Periodentabelle. Vielleicht werden Chlorverbindungen oder Chlormischgase gemeint?

16.12.2018 09:51 Auf der Sonnenseite des Lebens 7

LOL, noch vor kurzen wurde und von der EU die Quecksilber verseuchte Energiesparlampe verordnet.

16.12.2018 09:29 Rumsdibums 6

Ich finde den Begriff "mehrere Chlorarten" etwas verwirrend...
Um was genau handelt es sich dabei?

16.12.2018 09:26 Montana 5

Die Verbote sind Schwachsinn. Der ganze Planet wird vergiftet, wenn das so weitergeht. Da hilft auch kein Klimagipfel. Weder in Polen noch in Chile. Oder sonst wo. Punkt

16.12.2018 09:21 Dr.K 4

Verdummungsmeldung?
Die Krebsrichtlinie 2004/37/EG gibt es seit 2004, die Liste der krebserregenden Arbeitsstoffe wird regelmäßig aktualisiert.
Die Grenzwerte legt nicht das Parlament fest, sondern der Rat ( Artikel 16 der Richtline ).

Die Richtlinie selbst ist überholt und überflüssig wie ein Kropf. Sie erfasst nur einen mikroskopisch kleinen Bereich der krebserzeugenden Arbeitsstoffe. Verbindliche Vorschriften für alle bekannten Stoffe ergeben sich aus den Verordnung EG 1272/ 2008 und EG 1907/2006, die direktes europäische Recht sind und nicht nur eine "Richtlinie".

16.12.2018 09:15 Ullrich 3

@Atheist aus Mangel an Beweisen
#1
Nur die Überschrift gelesen, und meckern! Andere kann ich mir so einen hasserfüllten Kommentar nicht erklären.
Zur Sache. Gut, wenn Regeln geschaffen werden, die die Gesundheit schützt. Das kommt letztendlich jedem zugute und hier hat die EU schon häufig gezeigt, v wozu sie in der Lage ist und letztendlich wird durch Europa weite einheitliche Regelungen der Wettbewerb gestärkt und gerechter gemacht.