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Verbrauchen Grünen-Wähler mit CO2 als CDU-Wähler? Bildrechte: dpa

Faktencheck Stoßen Grünen-Wähler mehr CO2 aus als CDU-Wähler?

Die "Fridays for Future"-Proteste spalten die Gesellschaft. Schüler fordern von der Politik, die Erkenntnisse aus der Klimaforschung endlich umzusetzen. In einer Diskussion dazu bei Anne Will hat Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff vergangenen Sonntag gesagt: "Wenn alle Grünen-Wähler denselben CO2-Ausstoß hätten wie CDU-Wähler, würden wir die Klimaziele 2020 erreichen." Stimmt das?

von Jessica Brautzsch, MDR AKTUELL

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Verbrauchen Grünen-Wähler mit CO2 als CDU-Wähler? Bildrechte: dpa

Eine wissenschaftliche Studie zum Zusammenhang zwischen CO2-Ausstoß und Wahlverhalten gibt es nicht. Aber vermutlich geht Reiner Haseloff von den stereotypischen CDU- und Grünen-Wählern aus. Der klassische CDU-Wähler hatte laut der Bundeszentrale für politische Bildung bei der vergangenen Bundestagswahl eine gute Bildung, ein mittleres bis hohes Einkommen und war über 70 Jahre alt.

Der Soziologe Michael Schipperges, Sozialforscher und Geschäftsführer des Instituts sociodimensions in Heidelberg, beschreibt den Grünen-Wähler als jüngeren Menschen, der ebenfalls gut gebildet sei. Ebenso habe auch er ein mittleres bis hohes Einkommen. Denn für Schipperges hängen Einkommen und Bildung meistens direkt zusammen.

Grünen-Wähler fliegen auf Grund des Alters mehr

Passagierflugzeug fliegt in die Sonne
Junge Menschen mit genügend Einkommen fliegen viel. Auf viele Grünen-Wähler treffen diese Eigenschaften zu. Bildrechte: imago/Action Pictures

Und wer mehr verdient, gibt mehr aus, meint der Sozialforscher. Zum Beispiel für Reisen per Flugzeug. Und eben solche Reisen treiben tatsächlich die Ökobilanz der Jungen nach oben. Wenn Junge – bis Mitte 20-Jährige – also eher Grünen-Wähler sind, haben Grünen-Wähler eine schlechtere Ökobilanz als die alten – 60 bis über 70-jährigen – CDU-Wähler. Trotzdem hinkt Haseloffs Vergleich, sagt Schipperges:

Er vergleicht zwei Gruppen, die eine ganz andere Sozialstruktur haben. Und sich deswegen ganz unterschiedlich verhalten.

Michael Schipperges, Heidelberger Sozialforscher

Denn Menschen über 70 seien einfach weniger aktiv und reisten deshalb seltener mit dem Flugzeug als junge Menschen. Das habe an sich aber nicht direkt etwas mit der Parteipräferenz zu tun.

Unterschiedliche Ausstoßwerte in sozialen Milieus

Das betont auch Michael Bilharz vom Umweltbundesamt. Er hat die Studie "Umweltbewusstsein in Deutschland 2016" mit verantwortet. In dieser wurde die Gesellschaft nach sozialen Milieus unterteilt. Soziale Milieus fassen Menschen zusammen, die sich in Lebensweise, Lebensstil, Arbeitswelt und ihrem sozialen und ökonomischen Hintergrund ähneln.

Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff (CDU,Sachsen Anhalt) - Sitzung im Landtag von Sachsen Anhalt in Magdeburg
Laut Umweltbundesamt ist Reiner Haseloffs Behauptung nicht haltbar. Bildrechte: imago/Christian Schroedter

Und danach ist Haseloffs Behauptung nicht mehr haltbar, sagt Michael Bilharz. Durchschnittlich läge der CO2-Ausstoß bei elfeinhalb Tonnen pro Person und Jahr. Mit großen Unterschieden zwischen den verschiedenen Milieus. Das kritisch-kreative Milieu, das Haseloff nach Bilharz' Vermutung vorschwebe, liege bei 11,1 Tonnen: "Aber das gehobene Milieu und das bürgerliche Milieu - da wird Herr Haseloff vermutlich seine Wählergruppe sehen - liegen sowohl drüber als auch drunter. Einerseits bei elf Tonnen, andererseits bei zwölf Tonnen."

So verkürzt ist die Behauptung von Reiner Haseloff, CDU-Wähler hätten einen geringeren CO2-Ausstoß als Grünen-Wähler, also nicht haltbar.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. April 2019 | 07:21 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. April 2019, 05:00 Uhr

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43 Kommentare

07.04.2019 11:01 Dieter 43

Denkschnecke 41, 39:
Ich bin zwar nicht E. Kohlfeld, möchte dennoch antworten. Die Zahl von Kohlfeld ist richtig.
D emittiert 2,23%, China 28,2%, USA 16% laut statista, nur das zählt global. Selbst wenn D auf 0% geht, würde das nix am Klimawandel verändern.
Ihre 8,8% sind der Pro-Kopf Verbrauch- das ist absolut unsinnig als Vergleichszahl, denn Industrieländer, die weltweit fast alle Produkte entwickeln, haben natürlich mehr als Länder, die nichts produzieren. Das wurde schon mehrfach im Forum geschrieben- ich hoffe, dass ihr Hamster das jetzt versteht.
Ich darf auch daran erinnern, dass das CO2 Modell zwar von unsere Potsdamer Klimaforschern und von den Grünen als gesichert angesehen wird- aber das ist es nicht. Der Nobelpreisträger Glaever und andere sind nicht dieser Meinung (googeln sie mal nach dem austrl. Wissenschaftler Cook).
Die Studienabbrecherpartei lag ja schon oft falsch (Waldsterben, Atomausstieg)- denen glaube ich nichtmal die Uhrzeit.

07.04.2019 08:30 Bernd 42

@25 einem Einwohner von Shanghai helfen ihre Statistiken wenig wenn er nie nen Sternenhimmel sieht. Aber richtig jedes Land jeder einzelne muss seinen Anteil bringen. Ein Kreuz bei ner Partei zu machen die vorgibt für die Umwelt zu stehen hilft nichts sondern Taten. Muss nicht mal nur Fliegen sein auch der Skiurlaub auf ner Kunstschneepiste

06.04.2019 17:32 Denkschnecke 41

@40 Das was Sie da zitieren, ist keine Agenturmeldung von heise.de, sondern einzig ein Kommentar in einem Forum! Und dass diese Zahl Blödsinn ist und eigentlich vom Lobbyverein "EIKE" in die Welt gesetzt wurde (dem ja auch Prof. Lüdecke nahesteht) habe ich Ihnen bereits vor vier Monaten hier dargelegt. Aber das kann ich offenbar genauso gut meinem Hamster erklären.

06.04.2019 15:08 Ekkehard Kohfelde 40

@ Denkschnecke 39 Aber der Globus interessiert sich vor allem dafür wieviel CO2 insgesamt emittiert wird - global, nicht lokal.##

"mit 0,0004712 Prozent*) ist Deutschland am CO2-Gehalt der Luft ...heise.de "

Und wenn wir das einsparen retten wir definitiv die Welt.Ich lach mir einen Ast:-))))))))))Was seid ihr doch naiv.

06.04.2019 13:03 Denkschnecke 39

@30 nasowasaberauch
Danke für Ihre Anerkennung. Aber der Globus interessiert sich vor allem dafür wieviel CO2 insgesamt emittiert wird - global, nicht lokal. Da sind China und Indien natürlich wichtig, aber Deutschland emittiert halt auch 8%. Und die Pro-Kopf-Emission zeigt, dass wir großes Einsparpotential haben. Und selbst mit Ihrer Argumentation folgt doch, dass jeder afrikanische Staat da sowas von egaler ist als D.
Die Anhörung von Prof. Lüdecke ist im Übrigen eine einzige Skurrilität.

06.04.2019 10:22 Wo geht es hin? 38

Der ganze Klimahype hat doch nur ein Ziel. Geld her! Anders sind die Maßnahmen und geplanten Vorhaben (z.Bsp. Ökosteuer, CO 2 - Emissionshandel, EEG - Umlage usw.) nicht zu erklären. Jetzt frage ich mal die Grünen - Gemeinde: kann man mit Geld saubere Luft kaufen? Wo gibt`s die zu erwerben? Und ist es nicht eher so, dass man nur sein eigenes Gewissen damit beruhigen will und den Ökölobbyisten damit die Taschen füllt? Ich bin auch für Klimaschutz und Umweltschonung und versuche im Rahmen meiner Möglichkeiten, umweltbewusst zu handeln. Wenn JEDER dies tun würde, wäre der Umwelt weitaus mehr geholfen, als es eine geldgeile Öko/Politikerlobby je könnte oder gar wöllte. Denn DANN hätten die ja keine Geschäftsgrundlage mehr, um eine kleine Clique auf Kosten der übergroßen Mehrheit noch reicher zu machen. Aber lasst euch gerne weiter vor die Gelddruckmaschine spannen...

06.04.2019 07:44 H.E. 37

@35 Querdenker
"Wasser trinken" predigen, aber "WEIN selbst saufen", das würde passen. Das glaube ich Ihnen sofort aufs Wort und gebe Haseloff völlig recht.
Außerdem möchte ich mal gerne wissen, ob unsere Umweltministerin Svenja Schulze zu dem UNO-Umwelttreffen vor einiger Zeit in Polen mit dem ZUG oder dem FLUGZEUG gereist ist. Ich habe es seither noch nicht herausbekommen. Mit dem Fahrrad wird sie sicherlich nicht dorthin gefahren sein.
In Stuttgart wird gerade mal an zwei Stellen erhöhter CO2 - Ausstoß gemessen und zwar am Neckartor und ein kurzes Stück in der Hohenheimer Straße die zur Höhe hinaufführt, mehr nicht. Aber im ganzen Stadtgebiet ist Diesel-Fahrverbot und zwar auch im hintersten Winkel eines jeden Vorortes. Ich habe die Nase so gestrichen voll und werde keine Produkte mehr aus Andalusien, Marokko, Türkei etc. kaufen, die ca. 3000 km durch ganz Europa gekarrt werden.

06.04.2019 07:29 Dirk Adams 36

Was für ein Unfug! Die Erklärung steht auch im ersten Satz: Es sind Stereotype. Ein Ministerpräsident der solche benutzten muss, um seine Position - wir müssen nix weiter für den Klimaschutz tun, als die GRÜNEN abzuschaffen - zu stützen entlarvt sich selbst.

05.04.2019 21:19 Querdenker 35

Zitat: „Stoßen Grünen-Wähler mehr CO2 aus als CDU-Wähler?“

Ja! Reiner Haseloff (CDU) hat eine Binsenweisheit erzählt, die schon länger bekannt ist. Das es Gründe für den Fakt gibt, ändert daran nichts.

siehe „welt Warum gerade Grünen-Wähler die Umwelt belasten“ 2010
Zitat: „Es wäre schon viel gewonnen, wenn diejenigen, die ökologisch denken, auch konsequent ökologisch handeln würden, sagte Flasbarth vor allem auch mit Blick auf die Wählerklientel der Grünen.“

siehe „spiegel Grünen-Wähler halten Rekord bei Flugreisen“ 2014
Zitat: „Zudem legen die Ergebnisse nahe, dass die gut situierten Grünen mit ihrer Luftfahrtpolitik vor allem Verzicht für andere predigen.“

05.04.2019 20:17 Auf der Sonnenseite des Lebens 34

"Grünen-Wähler fliegen auf Grund des Alters mehr"

die Fluggesellschaften sollten wie die Autohersteller ein CO2 Kontingent bekommen und wenn das aufgebraucht ist drohen Flugverbote.

Was nützt es, wenn ich mein Auto stehen lassen muss und mit dem Taxi zum Flughafen fahre und dann dort in einen Flieger steige?

Wenn nicht freiwillig, dann eben Verbote!