Viel beachtet, sehr umstritten Was kann die Polizeiliche Kriminalstatistik leisten?

Bundesinnenminister Seehofer legt am Dienstag die Kriminialstatistik vor. Jedes Jahr bezweifeln Kritiker aufs Neue ihre Aussagekraft. Was kann die Statistik leisten und was nicht?

Einsatzwagen der Polizei mit eingeschaltetem Blaulicht, unterwegs.
Bildrechte: imago/Ralph Peters

Welche Informationen liefert die Polizeiliche Kriminalstatistik?

Die PKS, wie sie kurz genannt wird, ist eine sogenannte Ausgangsstatistik. Das heißt: Sie listet alle Straftaten auf, die angezeigt wurden und gegen die dann auch weiter ermittelt wird. Erst wenn die Polizei einen Fall an die Staatsanwaltschaft übergibt, taucht dieser auch in der Statistik auf.

Aufgelistet werden unter anderem: Mord, Totschlag, Vergewaltigung, Raub, Diebstahl, Drogendelikte und Wirtschaftskriminalität. Dazu gibt es Details zu Tatumständen, Tätern und Opfern wie etwa Alter, Geschlecht und Nationalität.

Was wird in der Polizeilichen Kriminalstatistik nicht erfasst?

Eine ganze Menge: fast alle Verkehrsdelikte, Zoll- und Steuerstraftaten, weil die in der Regel nicht in den Aufgabenbereich der Polizei fallen und Staatsschutzdelikte sind. Deshalb gelten diese Straftaten als politisch motivierte Kriminalität und werden gesondert in einer eigenen Statistik erfasst.

Wie nah an der Realität ist diese Statistik?

Sie ist definitiv kein exaktes Lagebild, sondern nur eine Annäherung an die tatsächliche Situation – das sagen auch die Macher selbst. Denn die Polizeiliche Kriminalstatistik kann nur das sogenannte Hellfeld zeigen. Also die Straftaten, die der Polizei bekannt werden.

Nicht erfasst wird das sogenannte Dunkelfeld von Straftaten, die nicht von der Polizei entdeckt oder bei ihr angezeigt werden. Und je nachdem, um welche Straftaten es sich handelt, gehen Experten davon aus, dass das Dunkelfeld um ein Vielfaches höher ist.

Steigende Fallzahlen in einem Bereich müssen übrigens nicht zwingend heißen, dass Deutschland unsicherer wird. Es kann auch sein, dass die Polizei verstärkt ermittelt und deshalb mehr Fälle aufdeckt oder dass die Bürger sensibler geworden sind und öfter anzeigen als früher.

Was bemängeln die Kritiker?

Dass die Polizeiliche Kriminalstatistik viel zu wichtig genommen wird und zu oft als alleiniger Gradmesser dient, wie sicher das Leben in Deutschland ist. Dabei sei diese Statistik doch eigentlich eher eine Art Fleiß-Strichliste der Polizei.

Kritiker stört auch, dass die Schwächen der Polizeilichen Kriminalstatistik gerne vergessen werden, wenn Politiker anfangen, sie zu interpretieren und zu instrumentalisieren. Entweder, um sich und ihre wirksame Verbrechensbekämpfungsarbeit zu loben oder um Ängste zu schüren und dann für neue und härtere Gesetze zu werben.

Wie könnte es besser gehen?

Viele Experten denken noch gerne zurück an den sogenannten "Periodischen Sicherheitsbericht". Der kam bisher zweimal raus (2001 und 2006), wurde gemeinsam von Innen- und Justizministerium erarbeitet und war viel umfassender als die Polizeiliche Kriminalstatistik. Denn im Bericht wurden viele wissenschaftliche Analysen und Dunkelfeldforschung mit einbezogen.

Weil das Ganze personell wie finanziell ein ziemlicher Aufwand war, wurde es lange nicht mehr gemacht. Die aktuelle Große Koalition will aber bis Ende der Legislaturperiode wieder einen Sicherheitsbericht vorlegen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 02. April 2019 | 05:00 Uhr