Der stellvertretende Bundesvorsitzende der FDP, Wolfgang Kubicki (l-r), der Bundesvorsitzende und Spitzenkandidat Christian Lindner und die FDP-Generalsekretärin Nicola Beer.
In der Spitze sieht es noch ganz gut aus mit dem Frauenanteil, doch insgesamt mangelt es der FDP an weiblicher Teilhabe. Bildrechte: dpa

Sinneswandel FDP will mehr Frauen haben - notfalls mit Quote

Auf ein paar Dinge kann man sich noch verlassen: Der FC Bayern wird Meister, Schweine können nicht fliegen und die FDP ist gegen eine Frauenquote. Denkste. Bei einer Präsidiumssitzung haben die Liberalen am Montag ein Papier verabschiedet, mit dem eine Frauenquote vielleicht Realität wird. Nicht in der Gesellschaft, aber in der eigenen Partei. Was ist da los?

von Marcel Heberlein, ARD-Hauptstadtkorrespondent für MDR AKTUELL

Der stellvertretende Bundesvorsitzende der FDP, Wolfgang Kubicki (l-r), der Bundesvorsitzende und Spitzenkandidat Christian Lindner und die FDP-Generalsekretärin Nicola Beer.
In der Spitze sieht es noch ganz gut aus mit dem Frauenanteil, doch insgesamt mangelt es der FDP an weiblicher Teilhabe. Bildrechte: dpa

Jetzt will es auch die FDP selber nicht mehr leugnen. Ja, sie hat ein Frauenproblem. Frauen fehlen, auf allen Ebenen. Oder wie Generalsekretärin Nicola Beer das ausdrückt: " Für uns ist ganz klar, dass wir da noch Luft nach oben haben."

Nur ein Fünftel der FDP-Mitglieder sind Frauen

Die Generalsekretärin der FDP, Nicola Beer, spricht in Berlin während einer Pause der Sondierungsgespräche.
FDP-Generalsekretärin Nicola Beer Bildrechte: dpa

Sehr viel Luft. Nur gut ein Fünftel aller Parteimitglieder sind Frauen. Die Machtzentren der Partei werden von Männern beherrscht, allen voran von Parteichef Christian Lindner. Im Bundestag ist nur die AfD noch männlicher vertreten. Liberale Werte? Gleichberechtigung?

Generalsekretärin Beer bemüht sich das Problem positiv rüberzubringen. Die Partei wolle was tun: "Weil wir uns einig sind, dass wir sehr viele Chancen hätten, mehr Chancen hätten, wenn wir mehr Frauen dafür begeistern können, sich politisch bei uns zu engagieren, haben wir heute als Präsidium noch einmal beschlossen, eben eine Arbeitsgruppe einzusetzen."

Arbeitsgruppe soll FDP weiblicher machen

Ein ganzes Bündel an Maßnahmen will die Arbeitsgruppe jetzt darauf prüfen, ob sie was bringen - damit mehr Frauen mitmachen und mehr Frauen FDP wählen. Viel haben die Liberalen schon ausprobiert, ein Mentoring-Programm zum Beispiel, gebracht hat es wenig. Deshalb denken die Liberalen jetzt sogar darüber nach, in der Partei das einzuführen, was für sie gesellschaftspolitisch bisher Teufelszeug war. Eine Frauenquote.

Umdenken bei der Quote

Gyde Jensen
Ist eigentlich gegen die Quote, aber wenn's hilft: Gyde Jensen Bildrechte: IMAGO

"Ich möchte nicht die Quotenfrau sein", sagt Gyde Jensen. Mit 28 Jahren ist sie die jüngste Frau im Bundestag, bekam gleich den Vorsitz im Ausschuss für Menschenrechte. Sie hat es nach oben geschafft mit der FDP und in der FDP. Eine Quote mag sie nicht. Aber sie sagt:
"Unser Motto war 'Denken wir neu!', und deswegen glaube ich, dass es auch bei uns ganz gesund ist, noch einmal darüber nachzudenken, inwieweit man bestimmte Mechanismen, die eine Quote dann mit sich bringt, auch für sich nutzen kann.

Jensen könnte sich eine Quote vorstellen, als Ultima Ratio, als letzten Ausweg - und nur auf Zeit - schränkt sie schnell ein. Bis es soweit kommt, wird es eh noch dauern. Bis zum Jahresende soll die Arbeitsgruppe Ergebnisse vorlegen. Frühestens Anfang 2019 wird die Quote kommen.

Generalsekretärin sieht Schwächen bei Themen und Sprache

Warum gerade die FDP so einen Frauenmangel leidet, kann sich Jensen nicht so ganz erklären. Generalsekretärin Beer glaubt:  "Dass wir möglicherweise mit der Frage der Themenauswahl und einer doch nach wie vor von der Sprache her zu männlich geprägten Kommunikation noch Schwachpunkte haben. Die sollen schlicht bearbeitet werden."

Schlechte Kommunikation? Alles nur ein Marketingproblem? Das böse Wort Frauenquote versucht die FDP jedenfalls zu vermeiden. Fallbeil-Quote nennt sie das Präsidium in seinem Beschluss. Ob das besser ist, auch darüber kann die FDP in den kommenden Monaten ja nochmal nachdenken.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. April 2018 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. April 2018, 19:10 Uhr

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5 Kommentare

18.04.2018 16:51 Fragender Rentner 5

Wo will denn die FDP die Frauen her holen? :-)

Vielleicht aus einer Rippe? :-)

17.04.2018 11:35 Bernd L. 4

Man sollte auch Quoten für andere Diskrimierte einführen: Linkshänder, Leute mit zu kurzem Hals (extrem benachteiligt), Kleinwüchsige (Außenminister?), Dicke.

17.04.2018 09:39 Atheist aus Mangel an Beweisen 3

Als Frau empfinde ich solche Ideen mehr als diskriminierend.
Ich will nicht wegen meinem Geschlecht sondern wegen meiner Leistungen bewertet werden.
Aber die Idee ist verständlich wenn man bedenkt das die FDP aus die Sicht die Rolle der Frau heute mit den 50ziger Jahren der Westhausfrau vergleicht.
Meine Eltern jedenfalls saßen jedenfalls in den 50zigern gleichberechtigt am Abendsbrottisch und haben sich über ihren Job und Betrieb unterhalten.
Dieser Geschichtlicher Unterschied macht die Diskussion über Frauen Quoten für mich geradezu als Hinterweltlich.

17.04.2018 08:57 Blumenfreund 2

Na klar. Nicht die Qualifikation entscheidet, sondern das Geschlecht. Das ist Diskriminierung der Männer.

16.04.2018 22:43 Baldur von Ascanien 1

Warum gibt es keine Quote für Arbeitlose und Menschen in Harz 4? Ich bin nicht Frauenfeindlich, aber der Genderwahn reicht langsam. Sollte es nicht zu aller erst auf die Qualifikation ankommen? Oder reicht das richtige Parteibuch als Äquivalent zu Vitamien B, in der Wirtschaft? Wollen wir noch mehr Maasianer? Ich nicht...........