Blick auf eine Operation
Für Lebendspenden schreibt das Transplantationsgesetz gewisse Einschränkungen vor. Bildrechte: colourbox

Organspende FDP will Lebendorganspenden erleichtern

Neun von zehn Menschen, die eine Organspende brauchen, warten auf eine Leber oder Niere. Das sind die einzigen Organe, die in Deutschland auch bei lebenden Patienten entnommen werden können. Doch längst nicht jeder darf spenden, selbst, wenn er will. Die FDP-Bundestagsfraktion wird dazu am Donnerstag einen Antrag einbringen, der das ändern soll.

von Constanze Hertel, MDR AKTUELL

Blick auf eine Operation
Für Lebendspenden schreibt das Transplantationsgesetz gewisse Einschränkungen vor. Bildrechte: colourbox

Wer in Deutschland auf eine Lebendspende hofft, kann die nicht von irgendwem bekommen. Laut Gesetz dürfen nur Angehörige spenden oder Personen, die dem Patienten nachgewiesenermaßen nahestehen.

Vorschlag der FDP

Medizinisch sinnvoll sei diese strikte Einschränkung nicht, erklärt Daniel Seehofer, Leiter vom Transplantationszentrum der Uniklinik Leipzig. Wenn es um blutsverwandte Angehörige geht, kann Seehofer die Regelung noch nachvollziehen: "Da kann es durchaus Situationen geben, wo die immunologische Verträglichkeit besser ist." Aber das Gesetz umschließt auch angeheiratete Angehörige. "Und medizinisch ist das egal, ob das der Ehemann ist oder jemand, der völlig fremd ist", gibt Seehofer zu bedenken.

Katrin Helling Pressefoto
Helling-Plahr sitzt für die FDP im Bundestag. Bildrechte: FDP

Darauf reagiert die FDP nun mit einem Antrag und will diese Vorgabe aus dem Gesetz streichen. Mitautorin Katrin Helling-Plahr sieht darin viele Vorteile. "Es kann sein, dass ein Betroffener einen Angehörigen hat, für den er gerne spenden möchte, das Organ aber nicht passt." Bei Überkreuzspenden fänden sich dann zwei solcher Paare zusammen und dann spendete Ehemann aus Paar 1 an die Ehefrau von Paar 2 und andersherum. "Und schließlich wollen wir auch Spenden in Organpools ermöglichen, anonyme spenden", erklärt Helling-Plahr.

Risiken und Nebenwirkungen

Die Bundesärztekammer vertritt bisher den Standpunkt, dass fremde Spender den Organhandel befeuern könnten. Denn ob der Spender dann freiwillig und ohne Gegenleistung handelt, sei schwer zu kontrollieren. Dennoch sind anonyme Spenden in anderen Ländern längst üblich, wie in Schweden oder Spanien zum Beispiel.

Daniel Seehofer sitzt in seinem Büro in der Uniklinik
Seehofer leitet das Tansplantations- zentrum der Uniklinik Leipzig. Bildrechte: Constanze Hertel

Und laut Daniel Seehofer von der Uniklinik Leipzig halten sich die Risiken für die Spender auch in Grenzen. Von der Leber wird nur ein Teil entnommen. Sie regeneriert sich nach der OP vollständig. Entfernt man einem Menschen eine Niere, ist der Eingriff selbst meist komplikationslos, Nachwirkungen kann es aber geben.  

"Es gibt ein Risiko für jeden Menschen, je älter er wird, dass irgendwann mal eine Nierenerkrankung wird und dass diese Nierenerkrankung zu einer Dialyse, also einer Blutwäsche führt", sagt Seehofer. "Man geht davon aus, dass das Risiko minimal erhöht ist, für jemanden, der eine Niere gespendet hat."

Wie es weitergeht

Trotzdem gilt bisher in Deutschland: Lebendspenden werden nur durchgeführt, wenn es keine Spende eines Verstorbenen gibt – schließlich werden zwei Menschen gefährdet statt einem. Der Effekt: 2.600 Organspenden standen 2017 knapp 600 Lebendspenden gegenüber. Und das, obwohl die Organe aus Lebendspenden meist jünger und gesünder sind. Eine Argumentation, mit der die FDP den Gesundheitsausschuss nun von ihrem Antrag überzeugen will. Die Anhörung ist für den 30. Januar angesetzt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 17. Januar 2019 | 07:12 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Januar 2019, 08:00 Uhr

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