Abgastest bei einem PKW
Abgastest bei einem PKW: Durch Schummeleien entgingen dem Fiskus in den vergangenen Jahren Milliarden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Studie Fiskus verliert Milliarden durch manipulierte Abgaswerte

Weil Abgaswerte durch Tricksereien von Autobauern häufig zu niedrig angegeben wurden, sind dem Staat in den vergangenen Jahren Milliarden an Steuereinnahmen entgangen. Das belegt eine aktuelle Studie.

Abgastest bei einem PKW
Abgastest bei einem PKW: Durch Schummeleien entgingen dem Fiskus in den vergangenen Jahren Milliarden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Abgastricks der Autohersteller verursachen europaweit Milliarden an Steuerausfällen. Allein dem deutschen Fiskus entgingen im Jahr 2016 knapp 1,2 Milliarden Euro an Kfz-Steuereinnahmen, weil Autos auf Basis falscher CO2-Werte besteuert wurden. Das geht aus einer am Samstag veröffentlichten Studie im Auftrag der Grünen-Fraktion im Europäischen Parlament hervor.

Vier Milliarden Verlust allein in Deutschland

In insgesamt elf EU-Staaten lagen die Steuerausfälle aufgrund von Abgasmanipulationen im vergangenen Jahr demnach bei knapp 11,3 Milliarden Euro. Zwischen den Jahren 2010 und 2016 beliefen sich die Steuerausfälle der Studie zufolge auf insgesamt gut 46 Milliarden Euro, davon entfielen gut vier Milliarden Euro auf Deutschland.

Die Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (Green Budget Germany) und Green Budget Europe hatte die Auswirkungen der Abgastricks der Autohersteller auf die Steuereinnahmen in Deutschland, Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Schweden, Spanien und Großbritannien untersucht. Auf diese Länder entfielen mehr als 60 Prozent der gesamten Pkw-Zulassungen aller EU-Staaten.

"Abgasskandal entpuppt sich als Steuersumpf"

Der wirtschafts- und finanzpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Europäischen Parlament, Sven Giegold, erklärte bei der Vorstellung der Studie: "Der Abgasskandal entpuppt sich als veritabler Steuersumpf." Der Betrug der Autounternehmen schade Gesundheit, Umwelt und den öffentlichen Finanzen. Der Dieselskandal sei daher "auch ein Skandal um Steuergerechtigkeit".

Die Kfz-Steuer richtet sich in Ländern wie Deutschland auch nach dem Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2). Weil die Abgaswerte aufgrund von Hersteller-Schummeleien allerdings häufig zu niedrig angeben waren, entgingen dem Staat Milliarden-Einnahmen.

Affäre 2015 ins Rollen gekommen

Die Affäre um manipulierte Dieselabgase war 2015 ins Rollen gekommen. Damals hatte der Volkswagen-Konzern nach US-Ermittlungen einräumen müssen, dass in Millionen VW-Fahrzeugen eine sogenannte Schummelsoftware eingebaut war. Diese sorgte dafür, dass der Schadstoffausstoß bei Abgastests niedriger ausfiel als unter realen Bedingungen. Ähnliche Skandale und Vorwürfe bei anderen Autobauern folgten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. März 2018 | 13:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. März 2018, 15:24 Uhr

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17 Kommentare

12.03.2018 10:46 Ekkehard Kohfeld (Lieber Demokrat als grünes Ziegelstein) 17

@ Bernd L. 16 Ich finde es sehr bedauerlich, dass der MDR offenbar keine wiss. fundierte Diskussion des Dieselproblems will, das einseitigen Dieselbashing mitmacht und ausgerechnet den tehnikfeindlichen Grünen Raum gibt.##Da muß ich den MDR mal etwas in Schutz nehmen der hat auch diese Berichte veröffentlicht so etwas konnten sie bis gestern beim WDR nicht finden jetzt hat man einen neuen Täter gefunden ZUVIEL STICKOXID DURCH SCHIFFSDIESEL.

Und das sind Berichte vom MDR und die sind bestimmt nicht grün o.K. es gibt auch andere aber nicht ausschließlich.

HTTPS://WWW.MDR.DE/SACHSEN/DRESDEN/DIESEL-FEINSTAUB-STICKOXID-FRAUNHOFER-100.HTML

Lungenspezialist: Gesundheitsrisiko durch Feinstaub völlig überschätzt
https://www.mdr.de/nachrichten/politik/inland/audio-642444.html

12.03.2018 08:30 Bernd L. 16

Ich finde es sehr bedauerlich, dass der MDR offenbar keine wiss. fundierte Diskussion des Dieselproblems will, das einseitigen Dieselbashing mitmacht und ausgerechnet den tehnikfeindlichen Grünen Raum gibt. Es gibt mittlerweile viele Stimmen von renommierten Wissenschaftlern (keine Politiker oder Lobbyisten) zu diesem Thema, vom Lungenexperten Prof. Köhler zu den angeblichen Gesundheitsschäden, vom Automobilexperten Prof. Koch in der ZEIT und von Dr. Spaniel (AfD) in seiner Rede im Bundestag. Viellicht könnte man da einen Artikel oder ein Interview nachdrucken.

12.03.2018 08:01 Wo geht es hin? 15

Ich empfehle hier mal einen Artikel von Dirk Maxeiner mit dem Titel: "Der Sonntagsfahrer: Dieselstudie als vorzeitiger Todesfall". Man muss dem Artikel nicht in Gänze zustimmen, aber er beleuchtet die Sache mal von einer Seite, die nachdenklich machen sollte.

11.03.2018 16:13 Ekkehard Kohfeld (Lieber Demokrat als grünes Ziegelstein) 14

Gerade im WDR 2 gehört man rudert zurück und schwenkt in eine andere Richtung."STUDIE: FAHRVERBOTE HELFEN KAUM - ZUVIEL STICKOXID DURCH SCHIFFSDIESEL - LANDESPOLITIK - NACHRICHTEN - WDR"was für eine Erkenntnis der Gegenwind war wohl zu stark das wird garantiert eine Medienbombe und wird unsern bekannten Forenrednern nicht passen.Gut für den MDR das er beide Seiten vertreten (veröffentlicht) hat.

11.03.2018 10:05 Michael Möller 13

für mich ist das ganze Problem doch durch unsere Politiker entstanden die sich von den Lobbyisten kaufen haben lassen. wie oft musten wir in der Presse lesen und im TV hören das unsere Kanzler/in in Brüssel gegen schärffere Vorschriften ihr Veto eingelegt haben und danach von der Autoindustrie mit Millionen Euro bedacht wurden. und auch das nur im Lobar kontrolliert wirde beweist doch schon die Unfähigkeit der Verantwortlichen Personen,denn wie kann man nur nach Aktenlage und Labor die Zulassung genehmigen. wo ist da die Logik. auch die Nachprüfungen fehlen. also wer hat den Kunden betrogen und ist auch für die Toten Menschen die an den Abgasen gestorben sind schuld, das sind die Politiker und die Autoindustrie .sos ehe ich das nur bin ich jetzt gespannt wer wieder einmal zur Kasse gebeten wird.

11.03.2018 09:33 Ekkehard Kohfeld (Lieber Demokrat als grünes Ziegelstein) 12

@ Querdenker 2 Es gibt tausende Tote und Kranke! (siehe „mdr Neue Studie zu Stickoxiden 107.000 Tote durch Dieselabgase“)##Da gibt es nur eine Problem welcher ist der richtige?HTTPS://WWW.MDR.DE/SACHSEN/DRESDEN/DIESEL-FEINSTAUB-STICKOXID-FRAUNHOFER-100.HTML
Oder der Lungenspezialist: Gesundheitsrisiko durch Feinstaub völlig überschätzt
https://www.mdr.de/nachrichten/politik/inland/audio-642444.html" Wer entscheidet jetzt was richtig ist der am lautesten Schreit oder daran das meißten verdient?Was kann man jetzt glauben?Sogar hier beim MDR gibt gegenteilige Berichte ich weiß langsam nicht mehr was ich glauben soll.

11.03.2018 06:48 optinator 11

Wenn ein Fahrzeug X Liter auf 100 km verbrauchen soll, laut Werksangeben, dann aber 10% und mehr tatsächlich verbraucht, sind die Emissionen dementsprechend höher.

Hier wurde vom Staat blauäugig gegenüber der Automobil - Lobby gehandelt.

Mit der Einführung der Steuerberechnung nach Verbrauch, umgerechnet in CO2 Abgabe und der Ermittlung dieser tatsächlichen Werte per Auslesen und nicht mit Abgassonde, war der Weg frei GRÖSSER - SCHNELLER - STEUERGÜNSTIGER

11.03.2018 06:42 ein schon länger in Deutschland lebender 10

da kann ich mich ja nur bei allen bedanken, ich habe dabei viel Geld gespart.

Und die in Berlin hätten das sowieso nicht in meinem Sinne ausgegeben.
Und da meine ich nicht nur die Flüchtlingskrise, sondern vorallem auch so was wie einen Flughafen Nähe Berlin oder einen Bahnhof, alles wo das Geld nur so verplempert wird.

10.03.2018 21:59 Hant... 9

@3... Die Prüfer der verschiedenen Prüfstellen wie Dekra etc. wussten um die Prüfstandsoftware! Vielleicht nicht im Detail und was diese bewirkt, aber dies war bekannt. Ich habe lange im Autohaus gearbeitet und viele OBD Fahrzeuge haben immer die Sollwerte gehabt, selbst die Fahrzeuge welche Motortuning und sichtbar entfernte DPF hatten. Noch besser sind aber aktuellere Fahrzeuge, diese werden nicht mal bei der ASU/TÜV gemessen! Solange kein Fehler vorliegt wird nicht mit einer Sonde gemessen und selbst wenn, dann steht ja das Auto und ist im Prüfstand Modus. Da hängen viele mit drin!

10.03.2018 20:34 heribert54 8

Ich kann mich erinnern, wurden doch mal die Abgaswerte in Werkstätten gemessen, und nicht von einer manipulierten Software des Autoherstellers. Einfach mal nen Schritt zurück, und die wahren Abgaswerte zugrunde legen, aber das geht ja im Zuge der Digitalisierung überhaupt nicht und würde den Autoherstellern nur schaden.

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