Simone Lange, SPD
Die Flensburger Oberbürgermeisterin Lange will in die SPD-Spitze. Bildrechte: dpa

Oberbürgermeisterin von Flensburg Lange fordert Urwahl zum SPD-Parteivorsitz

Die Flensburger Oberbürgermeisterin Lange bekräftigt ihre Ambitionen auf den Parteivorsitz in der SPD. Sie werde gegen Nahles antreten, sagte Lange MDR AKTUELL. Zudem fordert sie, den Vorsitz in einer Urwahl aller Parteimitglieder zu entscheiden. Aus der SPD-Spitze schlägt Lange Gegenwind entgegen.

Simone Lange, SPD
Die Flensburger Oberbürgermeisterin Lange will in die SPD-Spitze. Bildrechte: dpa

Die Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange hat an die SPD-Führung appelliert, die Parteibasis in einer Urwahl über den künftigen Parteivorsitz entscheiden zu lassen. Die gebürtige Thüringerin sagte MDR AKTUELL, wenn es schon einen Mitgliederentscheid zur GroKo gebe, dann erst recht, wenn es um das höchste Amt der Partei gehe.

"Diese Chance, das jetzt zu tun, sollte man nicht verstreichen lassen", sagte Lange. Der Vorstand müsse die Signale der Basis hören. Lange bekräftigte, dass sie auf dem nächsten Parteitag gegen Andrea Nahles antreten werde. "Ich meine das absolut ernst." Sie finde es schade, dass viele Menschen sie fragten, warum sie sich das antue.

Es ist doch ein ganz toller Job, eine Partei zu gestalten und wieder zum Erfolg zu bringen. Mit meiner Erfahrung traue ich mir das absolut zu.

Simone Lange

Parteibasis stärker und verbindlicher einbeziehen

Der erste Unterschied zwischen ihr und Nahles sei, dass sie die Parteibasis stärker und verbindlicher einbeziehen wolle. Es gehe ihr darum, die Chancen zu ergreifen, die Partei gemeinsam wieder auf breitere Füße zu stellen. "Ohne unsere Mitglieder, ohne unsere Basis werden wir nie eine Wahl gewinnen."

Im Interview mit der "Zeit" räumte Lange allerdings ein, dass es für sie okay wäre, wenn die SPD-Mitglieder sie nicht wählen würden. "Ich will nur aufzeigen, dass andere Wege möglich sind. Wettbewerb ist gut für unsere Partei; so könnten Parteitage wieder spannend werden", sagte Lange zum Grund ihrer Kandidatur.

Weiterer Kandidat aus Schleswig-Holstein

Neben Lange will noch ein weiterer SPD-Lokalpolitiker aus Schleswig-Holstein für den SPD-Vorsitz kandidieren. Der Dithmarschener SPD-Vize-Kreischef Dirk Diedrich nannte als Beweggrund gelebte Demokratie. Der Erneuerungsprozess seiner Partei dürfe nicht bedeuten, dass per Akklamation von oben der nächste Kandidat festgelegt werde.

Diedrich ist Mitglied des Landesvorstand der Nord-SPD. "Es geht mir nicht um die Person, es geht mir um das WIE", erklärt er auf seiner Internetseite. "Wenn Martin (Schulz, Anm. d. Red.) Andrea zu seiner Nachfolgerin erklärt, ohne dass die Partei eine echte Auswahl hat, dann trete ich gegen sie an."

Schwesig gegen eine Urwahl

Manuela Schwesig
Manuela Schwesig: Skepsis bezüglich Urwahl. Bildrechte: IMAGO

Gegenwind erhalten die Kandidaten asu dem Norden aus der SPD-Parteispitze. Die stellvertretende SPD-Chefin Manuela Schwesig äußerte sich dem Vorschlag einer Urwahl gegenüber skeptisch. Die SPD könne sich ganz aktuell keine lange Hängepartie um die Führungsfrage leisten, warnte sie am Mittwoch im Deutschlandfunk.

"Wir werden Andrea Nahles als Vorsitzende bekommen", sagte Schwesig voraus. Die Zusammenarbeit der bisherigen Fraktionschefin mit dem neuen kommissarischen Parteichef Olaf Scholz werde funktionieren. "Die beiden verstehen sich gut", so Schwesig weiter.

Schulz weg, Nahles in den Startlöchern

Der SPD-Vorstand hatte am Dienstag Nahles als neue Vorsitzende nominiert. Sie soll von einem Sonderparteitag in Wiesbaden am 22. April gewählt werden. Bis dahin soll Hamburgs Regierungschef Olaf Scholz die Partei kommissarisch führen.

Schulz trat von seinem Amt als SPD-Vorsitzender zurück. Damit ging für den ehemaligen Europa-Politiker eine turbulente Amtszeit nach nicht einmal einem Jahr zu Ende. Zur Begründung sagte Schulz, er wolle mit seinem Verzicht auf den SPD-Vorsitz sowie auf die Mitgliedschaft in der neuen Bundesregierung dazu beitragen, die Personaldebatten in der SPD zu beenden und die Aufmerksamkeit der Mitglieder wieder auf den Koalitionsvertrag lenken, der ein guter Koalitionsvertrag sei.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. Februar 2018 | 09:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Februar 2018, 11:50 Uhr

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24 Kommentare

15.02.2018 16:07 Fragender Rentner 24

Hallo ihr SPD-Mitglieder ihr müßt für die vielen Prüfaufträge und die Worthülsen stimmen.

Lest nur nicht das was unter den vielversprechenden Überschriften steht. :-(

Es könnte sonst ein paar etwas von diesem tollen Vertrag haben nur nicht die breite Bevölkerung! :-(

Wenn das Produkt wirklich so gut ist, wie behauptet, dann müßte es für sich allein sprechen und keine "Werbung" benötigen. :-)

14.02.2018 20:11 Dorfbewohner 23

@4
“...Aber insgesamt muß die SPD-Führung tatsächlich lernen, daß die "Basta"-Zeiten vorbei sind und nur durch eine Auswechselung von 70% der Führung eine inhaltliche Änderung zustande kommen kann…”

und da mußte erst eine gebürtige Rudolstädterin kommen, um hier in dieser Richtung frischen Wind zu machen?

14.02.2018 19:14 REXt- SPD, brauchen wir nicht mehr! 22

Wessi, das ich nicht lache, SPD u. Arbeiterpartei, die überbezahlten Genossen, wissen doch nur über 3x hören u. sagen, wo es Ihrem Klientel, den Arbeitern, drückt! Seit Schröder regiert hat, ist doch jedem denkenden Arbeiter klar, wem die Arbeiterpartei eigentlich dient, dem Kapital! Mit dem Führungs Personal gehen die glatt weg unter, das sind nur Postenhascher, mehr nicht, da muß man das ganze Führungspersonal austauschen, um wenigstens ein wenig Glaubwürdigkeit, zurück zu gewinnen.

14.02.2018 18:35 Wessi 21

@ 20 ...da sie auf diesen post eingehen:gerade intern ist die SPD eine Volkspartei, denn die Mitglieder kommen aus allen Schichten.Vom Großindustriellen zum Arbeitslosen.Und daß ich diese Art von Erneuerung nicht als solche ansehe, wissen Sie.Man hat es nicht begriffen, daß das "Basta" der Schröders nicht mehr geduldet wird+zu hoffen ist, daß sich das im Abstimmungsergebnis über GroKo mit Ablehnung niederschlägt.70% des Vorstands müssen weg!

14.02.2018 18:08 Kritischer Bürger 20

@Wessi 14: Die SPD ist KEINE VOLKSPARTEI wenn diese Politiker es weiter so treiben! Einfach einsetzen wer gerade die richtige poli. Linie vertritt! Das ist KEINE ERNEUERUNG!! *** @ Peter 19: +...Wir finden die Vorgänge um die Personalentscheidung für den möglichen Parteivorsitz von Andrea Nahles höchst befremdlich“, sagte Juso-Landeschef Leon Hahn der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag ....+ Ist dieser Juso-Landeschef nur einer von der AfD? *** +.."Wir werden Andrea Nahles als Vorsitzende bekommen", sagte Schwesig voraus. Die Zusammenarbeit der bisherigen Fraktionschefin mit dem neuen kommissarischen Parteichef Olaf Scholz werde funktionieren. "Die beiden verstehen sich gut", so Schwesig weiter....+ Also von vorn herein schon geklärt! Wozu also noch eine Wahl? Das ist und bleibt Ämterzuschanzerei! wenn das Wahlergebnis mit den Worten: ....Wir werden Andrea Nahles als Vorsitzende bekommen... Ist wie einstmals: Ich liebe Euch alle und die Wahlen waren schon vorher mit 99,9% gewonnen.

14.02.2018 18:05 Udo K 19

@ Peter 18
Und warum sperren sich die Damen Dreyer und Schwesig gegen Urwahlen?
Die Antwort ist einfach, gefällt Ihnen nur nicht.
Bei Urwahlen könnte eine ganz andere Person von der Basis gewählt werden, die den "Filz" durchbrechen würde.

Ihren Spruch "Was ich selber denk und tu, trau ich auch den Andern zu" sollten Sie mal an sich selbst überprüfen.

14.02.2018 17:41 Peter 18

@17: mein lieber Wieland, Sie verdrehen da etwas. Kein Mensch hat etwas gegen die beiden Gegenkandidaten. Das ist in der SPD ihr gutes Recht.
Dreyer und Schwesig sind lediglich gegen die Urwahl des Parteivorsitzenden. Diese Meinung zu äußern ist wiederum ihr gutes Recht.
Übrigens: Beide Damen sind Ministerpräsidentinnen und stellvertretende Parteivorsitzende. Wer solche Ämter inne hat, hat in jeder Partei etwas zu sagen.
Schließlich: Es passt ins Bild, dass ein AfD-Anhänger der SPD Manipulationsversuche unterstellt. Ganz nach der Devise: Was ich selber denk und tu, trau ich auch den Andern zu.

14.02.2018 17:12 Wieland der Schmied 17

Die innere Krise der SPD wird jetzt mit einem Schlag verdeutlicht, es ist die Alleinherrchaft eines Führungszirkels, der alle Kaderoptionen eiskalt regelt und Neulinge in ihre Schlangengrube nicht hinein lassen will. Am besten wird das an der angekündigten Kanditatur zweier Unbekannter verdeutlicht, der Bürgerneisterin Lange und dem Kreisvertreter Diedrich. Kaum angemeldet, schon hagelt es von den Etablierten Protest, darunter aus der 2. Reihe Dreyer und Schwesig, die auch schon ein Mitspracherecht reklamieren.
Dieses Gefitz ist nur durch ein nichtmanipulierbares Wahlverfahren auszumerzen, etwa eine Urwahl.

14.02.2018 16:53 Henning 16

Herr Schulz, der zurückgetretene SPD-Vorsitzende hat mit seiner Delegation aus SPD-Sicht einen guten Koalitionsvertrag ausgehandelt. Hatte eigentlich erwartet, dass er dazu noch etwas sagt, da muss man sicher noch etwas warten.

14.02.2018 16:07 Ureinwohner 15

Der Schulz hat seine Schuldigkeit getan ,nun kann er gehen.Die SPD hat einen gefunden, der allein Schuld am Wahldebakel sei. Alle anderen SPD-Spitzen sind jetzt die selbsernannten Opfer.Gar kein schlechter Trick von Gabriel so einen "Strohvorsitzenden" zu installieren.

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