Kaum Sozialversicherungen und Registrierungen Gesetze für Prostituierte greifen nicht

Prostituierte können sozialversicherungspflichtig arbeiten und sollen sich von den Kommunen registrieren lassen - zum eigenen Schutz. Doch nur ein Bruchteil der bundesweit etwa 200.000 Sexarbeiterinnen macht das. Allerdings ist die Datenlage unsicher, da viele Prostituierte anonym bleiben wollen.

Die Gesetze zur besseren sozialen Absicherung von Prostituierten haben wenig gebracht. Nach Angaben der Bundesregierung auf FDP-Anfrage waren 2018 bundesweit lediglich 76 Prostituierte bei den Sozialversicherungen gemeldet. Insgesamt geht die Bundesregierung von rund 200.000 Frauen in Deutschland aus, die in der Sexbranche arbeiten.

Einem Bericht der "Welt" zufolge hält die Bundesregierung die Daten nur für beschränkt aussagefähig. Viele Prostituierte seien nicht unter der offiziell dafür vorgesehenen Berufsgattung "Berufe für personenbezogene Dienstleistungen - fachlich ausgerichtete Tätigkeiten" angemeldet. Viele arbeiteten unter anderer Berufsbezeichnung, um anonym zu bleiben.

Keine messbare Verbesserung

Mit dem seit 2002 geltenden Prostitutionsgesetz wollte die damalige rot-grüne Bundesregierung Prostituierte sozial und rechtlich besser stellen. Sexarbeiterinnen können sich seitdem kranken-, renten- und arbeitslosenversichern.

Die Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses im Bundestag, Gyde Jensen, kritisierte nun, die verfolgten Ziele seien nicht im Ansatz erreicht worden. Die FDP-Politikerin sagte der "Welt": "Eine messbare Verbesserung ist schlicht ausgeblieben."

Auch Schutzgesetz weitgehend wirkungslos

Auch das 2017 in Kraft getretene Prostituiertenschutzgesetz ist dem Bericht zufolge bislang ein Flop. Seither müssen sich Prostituierte bei ihren Kommunen registrieren und regelmäßig gesundheitlich beraten lassen. Diese Anmeldung soll vor allem zum Schutz vor Zwangsprostitution dienen.

Der Antwort der Bundesregierung zufolge meldeten sich jedoch im ersten Halbjahr nach dem Inkrafttreten erst 6.959 Frauen an. Eine Anfrage der "Welt" bei den größten deutschen Städten im vergangenen Herbst ergab, dass nur ein Bruchteil der Prostituierten der Anmeldepflicht folgt. In Berlin etwa waren rund 270 von geschätzt 7.000 Frauen registriert, in Stuttgart 170 von knapp 2.000, in Leipzig gar nur 47 von 3.600.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Februar 2019 | 06:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Februar 2019, 09:12 Uhr

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13 Kommentare

19.02.2019 08:38 Steffen 13

Im übrigen, werden die Prostituierten ,durch das sogenannte Düsseldorfer Verfahren schon steuerlich sehr geschont ! Von solchen Steuersätzen, kann ein ehrlicher Handwerker nur träumen!

18.02.2019 22:52 part 12

Anfrage an Radio Eriwan: wurde das Gesetz verabschiedet um die Schwarz- bis Grauzone etwas bunter zu machen oder dem Staat offiziell Einnahmen aus dem Verkauf des eigene Köpers zu sichern, gewerblich, wobei wenigstens die potentielle Körperverletzung durch ungeschützten GV etwas rechtsstaatlicher gestaltet wurde?

18.02.2019 18:42 Arbeitende Rentnerin 11

Erna, Steuern und Abgaben sollte aber jeder leisten, der einem Gewerbe nachgeht, wo kommen wir hin, wenn jeder schwarz arbeitet, da habe ich kein Verständnis

18.02.2019 17:47 Erna 10

Leider fehlen in dem Artikel die wichtigsten Gründe, warum Prostituierte das "Schutzgesetz" ablehnen.


Mit der Anmeldung geht automatisch eine Meldung an das Finanzamt, was früher oder später Einkomemnssteuer kassieren möchte. Bereits jetzt erwartet man, dass mit der erstmaligen Einkommenssteuererhebung im Frühjahr und die anschließende Vorauszahlungsforderung ein Großteil der registrierten Prostituierten in der Anonymität verschwinden.


Außerdem muss eine Zwangsberatung besucht werden von meist feministisch angehauchten NGO. Und wenn man etwas nicht hören will, dann wie schlimm das doch alles sei und man es sich besser anders überlegen sollte.

18.02.2019 17:08 Gerd Müller 9

Wenns gut war, gebe ich immer Trinkgeld, muss das der Staat auch wissen?
Die wollen überall nur Abzocken.

18.02.2019 15:32 Fragender Rentner 8

Welcher Minister hat da wohl wieder an dem Gesetz mitgearbeitet, dass es nicht greift?

18.02.2019 15:30 Fragender Rentner 7

Oh, geht da dem Staat etwa Geld verloren?

18.02.2019 15:08 Arbeitende Rentnerin 6

Dann sollen sie im Krankheitsfall aber auch selber zahlen, von allein füllen sich die Kassen nicht, von Steuerhinterziehung mal ganz zu schweigen, da könnten zuständige Ämter auch mal tätig werden und bitte nicht wieder die Tränendrüse "die armen Frauen", scheint ja zu brummen das Geschäft

18.02.2019 13:29 Pfingstrose 5

Gesetze für Prostituierte greifen nicht

Prostituierte können sozialversicherungspflichtig arbeiten und sollen sich von den Kommunen registrieren lassen - zum eigenen Schutz. Doch nur ein Bruchteil der bundesweit etwa 200.000 Sexarbeiterinnen macht das. Allerdings ist die Datenlage unsicher, da viele Prostituierte anonym bleiben wollen. Welcher Mann zu so einer dame geht ist selbst schuld wenn es sich einen Flattermann einfangen tut. Auch diese Huren die solche Dienste anbieten sollten sich bei Unfällen dies mit sich selbst ausmachen.

18.02.2019 11:43 Wo ist das Lobbyregister? 4

(Die FDP-Politikerin sagte der "Welt": "Eine messbare Verbesserung ist schlicht ausgeblieben.")

Nicht nur das - auch die Zwangsprostitition entzieht sich mehr denn je der Kontrolle. Zumal dieses Land schon nicht in der Lage ist sog. "Schutzsuchende" auch nur zu registrieren. Geschweige denn, der Zwangsprostution bzw. Zuhälterei Überführte unverzüglich auszuweisen und/oder abzuschieben.
Jeder Ermittler kennt die Milieus, in denen die Täter zuvörderst zu suchen sind.