Eine Boeing 737 der tschechischen Fluggesellschaft Travel-Service rollt am 24.10.2107 in Schkeuditz (Sachsen) auf dem Flughafen Leipzig-Halle zum Start. An Bord der Maschine soll sich eine unbekannte Anzahl von abgelehnten  afghanischen Asylbewerbern aus Deutschland zum Flug Richtung Kabul befinden.
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Sachsens Innenminister bestätigt Flüchtlinge nach Kabul abgeschoben

Über den Flughafen Leipzig/Halle sind 14 Flüchtlinge nach Afghanistan abgeschoben worden. Das bestätigte der Vorsitzende der Innenminister-Konferenz, Ulbig, MDR AKTUELL. Inzwischen sind sie bereits in Kabul.

 Eine Boeing 737 der tschechischen Fluggesellschaft Travel-Service rollt am 24.10.2107 in Schkeuditz (Sachsen) auf dem Flughafen Leipzig-Halle zum Start. An Bord der Maschine soll sich eine unbekannte Anzahl von abgelehnten  afghanischen Asylbewerbern aus Deutschland zum Flug Richtung Kabul befinden.
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Aus Deutschland ist eine weitere Gruppe afghanischer Flüchtlinge abgeschoben worden. Der Vorsitzende der Innenminister-Konferenz, Sachsens Innenminister Markus Ulbig, bestätigte bei MDR AKTUELL, alle seien ausnahmslos ausreisepflichtig gewesen. Es habe sich um 14 Flüchtlinge gehandelt. Unter ihnen sei auch ein Straftäter aus Sachsen gewesen. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums stammten die anderen aus Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hamburg, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Sie sollen Straftaten wie Totschlag, sexuellen Missbrauch von Kindern, schwere Körperverletzung und Betrug begangen haben.

Die tschechische Chartermaschine mit rund 180 Passagierplätzen war am Mittwochmorgen in Kabul gelandet. Ursprünglich sollten dem sächsischen Innenministerium zufolge 50 Abschiebepflichtige an Bord, aber nicht alle seien angetroffen worden. 50 ist dem Ministerium zufolge bei der Flugzeuggröße die maximal mögliche Zahl, denn pro abgelehntem Asylbewerber seien drei bis vier Begleitpersonen zur Sicherheit an Bord sowie Ärzte und Dolmetscher.

Ulbig: Es geht um ein deutliches Signal

Ulbig sprach von einer verantwortbaren Aktion. Es sei geboten, in Einzelfällen Rückführungen nach Afghanistan vorzunehmen. Es gehe um ein deutliches Signal. Straftäter hätten in Deutschland nichts zu suchen. In Sachsen gibt es dem Minister zufolge mehr als 9.000 ausreisepflichtige Asylsuchende. Die Zahl derer, die freiwillig ausreisten, sei "nicht zu hoch". Derzeit werde daher ein Ausreise-Gewahrsam gebaut. Dorthin würden Menschen gebracht, bei denen die Gefahr bestehe, dass sie beim Zugriff untertauchten. Der Gewahrsam wird Ulbig zufolge Anfang nächsten Jahres fertig sein.

Nagel: Auch Gefangene keinen Gefahren aussetzen

Gegen die Abschiebung hatte es auf dem Flughafen Proteste gegeben. Rund 150 Menschen forderten dabei ein Ende der Abschiebungen nach Afghanistan. Die sächsische Linke-Politikerin Juliane Nagel sagte, auch Strafgefangene dürften nicht Gefahren ausgesetzt werden. Hintergrund sind die Kämpfe zwischen Regierung und islamistischen Taliban, die in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen hatten. So wurden allein in den vergangenen 14 Tagen zwei Anschläge mit insgesamt 74 Todesopfern gemeldet.

Die Bundesregierung indes hält bestimmte Regionen Afghanistans für sicher und Abschiebungen damit für möglich. Seit Dezember 2016 wurden mit der aktuellen Abschiebung 128 abgelehnte Asylbewerber nach Afghanistan zurück gebracht. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums kostet ein Abschiebeflug nach Afghanistan etwa 300.000 Euro. Die Kosten werden von Frontex übernommen, der EU-Agentur, die 2005 gegründet wurde, um die Außengrenzen der EU zu schützen.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 25.10.2017 | 07:28 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Oktober 2017, 13:02 Uhr

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61 Kommentare

26.10.2017 23:56 Kontrovers 61

...180 Flüge natürlich...

26.10.2017 23:51 Kontrovers 60

Sehr geehrter Herr Ulbig, bei 9.000 Abzuschiebenden/Ausreisepflichtigen allein in Sachsen, wird das "Gewahrsam" doch hoffentlich groß genug gebaut, oder? Dann fliegen das nächste Mal wenigstens 50 und nicht nur 14, obwohl man aus Sachsen sage und schreibe für Abschiebungen benötigen würde...

26.10.2017 22:58 Viva Saxonia 59

Zwei bis drei Begleitpersonen pro Ausreisendem? Kein Wunder, dass die Maschinen nicht mehr Leute rausbringen können! Das muss doch effektiver gehen. Vielleicht sollte man Abschiebungen privatisieren, sprich von privaten Unternehmen durchführen lassen?

26.10.2017 19:32 Querdenker 58

Zitat: „Sie sollen Straftaten wie Totschlag, sexuellen Missbrauch von Kindern, schwere Körperverletzung und Betrug begangen haben.“

„Die Bundesregierung indes hält bestimmte Regionen Afghanistans für sicher und Abschiebungen damit für möglich.“

Genau so sehe ich das auch! Kein Täterschutz vor Opferschutz! Kriminelle Ausländer gehören abgeschoben. Und ich habe auch keinen Zweifel daran, dass es bestimmte Regionen Afghanistan gibt, die sicher sind. Das gilt ja eigentlich mittlerweile sogar für das Kriegsland Syrien. siehe „n-tv Gebiete, die nicht im Krieg sind Palmer ist für Abschiebungen nach Syrien“

Zitat August 2016 Boris Palmer (Grüne): "Es gibt Verhaltensweisen, die dazu führen, dass man sein Aufenthaltsrecht und Schutzbedürfnis verwirkt. ..."

und „bento Hunderttausende syrische Flüchtlinge kehren in ihre Städte zurück“

26.10.2017 19:27 jochen 57

Es wurden also abgeschoben -- 14 von ca. 550.000 abgelehnten Asylbewerbern.
14 Personen abgeschoben - Was für eine staatliche Glanzleistung. Für die in Deutschland herrschenden kann man nur noch ohnmächtige Wut empfinden.
Hoffen wir auf die nächsten Wahlen.

26.10.2017 17:58 Gerlinde Bärlauch 56

Also ich würde als Medien bzw. Politik bei so einer Zahl eher versuchen, das unter den Teppich zu kehren. Das wäre mir so peinlich. Mal von der Steuergeldverschwendung ganz abgesehen.

26.10.2017 17:54 GEZE 55

Wahnsinn, 14 Flüchtlinge am Stück abgeschoben, kaum vorstellbar.

26.10.2017 14:59 D.o.M. 54

Frau Nagel, was sagt eigentlich Ihre Parteigenossin Wagenknecht zu Ihrer Meinung ?
Du außerdem wundere ich mich über Folgendes: Im MDR-Einzugsgebiet haben 20%-30% Linke gewählt und müßten eigentlich voll hinter Frau Nagels Empörung stehen. Bleiberecht für alle ! Wo sind deren Stimmen hier ?

26.10.2017 14:58 OHNEWORTE 53

Wer soll das bezahlen,wer hat so viel Geld,wer hat soviel hinke Pinke ...... Alter Karnevalshithit ....Heute singt man die Karavane zieht weiter ....... Frau Merkel erwartet euch alle.

Die Abschieblinge wird man irgendwann auch ,wenn die Schwarze Null in Gefahr geraet , einbuergern unter dem Motto...Gefahr fuer Flugzeug und Besatzung.... Reporter fliegen auch nach Kabul...die kommen ohne Raketen an..

26.10.2017 14:47 Brennabor 52

Und keiner fragt wo "Frontex" das Geld hernimt.
Es muß eine unerschöpfliche Quelle sein.