Nur mit Kleinem Waffenschein? Eindämmung von Schreckschusspistolen gefordert

Etwa 15 Millionen Schreckschusswaffen sind in Deutschland im Umlauf. Beim Kauf gibt es kaum Hürden. Vertreter von Polizei und Politik fordern, einen Kleinen Waffenschein zur Bedingung zu machen.

Eine Schreckschusspistole und Platzpatronen liegen auf einem Kleinen Waffenschein.
Mit einem Kleinen Waffenschein darf eine Schreckschusspistole auch in der Öffentlichkeit mitgeführt werden. Bildrechte: IMAGO

Angesichts der massenhaften Verbreitung von Schreckschusspistolen werden Forderungen nach schärferen Bestimmungen lauter. Die Grünen im Bundestag, Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) und die Gewerkschaft der Polizei (GdP) verlangen, den Verkauf dieser Pistolen an den sogenannten Kleinen Waffenschein zu koppeln.

Geisel nannte es unverständlich, dass quasi fast jeder eine Schreckschusspistole erwerben könne. Ähnlich sieht das die Grünen-Bundestagsabgeordnete Irene Mihalic. Die Ex-Polizistin warnte davor, Schreckschusswaffen zu bagatellisieren. Der leichte Zugang bedeutet eine "relevante Gefahr".  Die GdP spricht von geschätzt mindestens 15 Millionen dieser Waffen in Deutschland. Vizechef Jörg Radek nennt den Trend beunruhigend.  

Wildes Geballer in der Silvesternacht

Bei jungen Männern sind Schreckschusswaffen inzwischen beliebtes Statussymbol und werden auch zunehmend unerlaubt eingesetzt, erst jüngst in der Silvesternacht. So wurde in Berlin auf dem Alexanderplatz rumgefeuert – nicht nur in die Luft, sondern auch auf Polizisten. 125 Vorfälle mit Schreckschusswaffen erfasste die Berliner Polizei zum Jahreswechsel. Polizeipräsidentin Barbara Slowik spricht von einer "fast inflationären" Zunahme des illegalen Schießens.

Hürde Kleiner Waffenschein

Erlaubt ist der Kauf und Besitz sogenannter Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen (SRS-Waffen) prinzipiell uneingeschränkt für jeden Erwachsenen. In der Öffentlichkeit mit sich herumtragen darf man die Waffen aber nur, wenn man einen sogenannten Kleinen Waffenschein besitzt. Den erhält man, wenn man keine Vorstrafen hat und eine Gebühr von 50 Euro bezahlt.

Ende September 2019 waren rund 650.000 Kleine Waffenscheine im Nationalen Waffenregister gemeldet. Die Zahl der Inhaber steigt seit Jahren. Das Schießen mit Schreckschusswaffen ist in der Öffentlichkeit aber ausdrücklich verboten.

Für das Schießen ist stets eine Genehmigung durch die zuständige Behörde nötig. Ausnahmen von dieser Pflicht regelt das Waffengesetz, etwa bei Notwehr. Auch das Vertreiben von Vögeln sowie Signalschüsse bei Rettungsübungen sind demnach gestattet.

Schreckschusswaffen Eine Schreckschusspistole sieht meist aus wie eine echte Schusswaffe, verschießt aber keine Projektile, sondern funktioniert mit Reizgas oder Kartuschenmunition (Platzpatronen). Auch pyrotechnische Munition wie Leuchtraketen kann mit einer Schreckschusspistole oder einem Schreckschussgewehr verwendet werden.

Nur mit einem Prüfsiegel der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt darf eine Schreckschusswaffe frei erworben werden. Fehlt das PTB-Siegel, gelten die Waffen als scharf und der Besitz ist nur mit einer Waffenbesitzkarte erlaubt. Das Führen in der Öffentlichkeit ist nur mit einem Großen Waffenschein möglich.

Für das Schießen in der Öffentlichkeit ist stets eine Genehmigung durch die zuständige Behörde nötig. Ausnahmen von dieser Pflicht sind im § 12 des Waffengesetzes, etwa bei  Notwehr . Auch das Vertreiben von Vögeln sowie Signalschüsse bei Rettungsübungen sind demnach gestattet.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. Januar 2020 | 09:30 Uhr

3 Kommentare

Immen weiter verdrehen bis es passt vor 35 Wochen

Wenn alle eine scharfe Waffe haben, leben alle sicherer. Jeder würde es sich überlegen einen anderen zu attackieren.
Der Colt muss nur locker an der Seite getragen werden, schon ist ruhe in Deutschland.

Armin C. vor 35 Wochen

Alle sollen das nicht haben,
nur ausgewählte Personen wie z.B. Bürgermeister...

Peter vor 35 Wochen

Daumen hoch, Amerika lässt grüßen. Dann bleiben wenigstens Amokläufe wie in Erfurt oder Winnenden keine Einzelfälle mehr.